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Remis-Bremse für attraktives Turnier

Turnierdirektor Dirk Jordan schwärmt vom Offensivgeist beim Dresdner Schachsommer. Dafür gibt es eine neue Regel.

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© picture alliance / svensimon

Von Jochen Mayer

Dem Unentschieden, das steckt schon im Wort, fehlt einfach die Entscheidung. Punkte zu teilen, ist oft unbefriedigend, da eben ein Sieger fehlt. Seit Montag agieren die acht besten deutschen Schachspieler bei den German Masters in Dresden – mit einer besonderen Regel. „Vor dem 40. Zug darf kein Remis vereinbart werden“, erklärt Turnierdirektor Dirk Jordan die Besonderheit. „Das ist eine neuere internationale Regel, die erstmals in Deutschland bei einem großen Turnier angewendet wird.“

Bereits in den ersten Spielen zeigte sich der Vorteil dieser Remis-Bremse: „Es ist ein unglaublich kampfstarkes Turnier“, beobachtet Jordan. „Es wird mehr gekämpft am Brett. Die Spieler müssen sich zu Beginn einer Partie gar keine Gedanken machen, ob die Stellung so ausgeglichen ist, dass es für ein Remisangebot reicht.“ Psychologischer Effekt: Jede Partie wird „beinhart ausgespielt“. Lavieren und Taktieren sind keine Optionen mehr für die Spieleröffnung.

Aber warum gilt die Regel noch nicht generell in Deutschland? „Ideen müssen wohl wachsen“, sagt Jordan und erinnert an alte Zeiten. „Früher durfte man am Schachbrett rauchen. Das ist längst Geschichte. Aber in Deutschland wurde das Rauchverbot am Brett als eines der letzten Länder beschlossen. Man hält hier eben an Traditionen fest.“

Und er hat noch ein Beispiel: Mammutspiele, die nach dem 40. Zug zur Hängepartie und vertagt wurden. Auch das Ende dieser Regel kam erst nach Deutschland, als sich in anderen Ländern die Ein-Tages-Partien schon durchgesetzt hatten. „Man guckt in Deutschland wohl erst mal, wie sich das entwickelt“, beschreibt der 61-Jährige das Beharrungsvermögen und fügt schmunzelnd hinzu. „Das ist wohl ein bisschen so, wie wir Dresdner sind.“

Beim German Masters sind fünf Auswahlspieler gesetzt. An der Spitze steht der deutsche Meister Liviu-Dieter Nisipeanu, der die zweite Saison für den USV TU Dresden spielt. Über das Challenge-Turnier vergangene Woche kämpften sich drei weitere Spieler in das Masters-Feld. „Alle drei haben Auswahlformat“, sagt Dirk Jordan und schwärmt vom „stärksten jemals auf deutschem Boden ausgetragenen Runden-Schachturnier, an dem nur deutsche Spieler teilnehmen. Und besonders erfreulich ist, dass es ein sehr junges Feld ist. Da wächst ein starker Nachwuchs heran.“

Die German Masters sind eine gute Gelegenheit, die interne Hackordnung in einem Turnier zu klären. Jeder spielt gegen jeden. Nisipeanu, Georg Meier und Matthias Blühbaum sind die Stützen der Nationalmannschaft. Dahinter kämpft das Masters-Feld praktisch um zwei weitere Auswahlplätze für die EM im November. Darüber entscheidet Bundestrainer Dorian Rogozenco nach dem Dresdner Turnier.

Die German Masters locken mit einem Preisfond von 15 000 Euro, auf den Sieger warten 5 000 Euro. Das Top-Turnier ist eingebettet in den Dresdner Schachsommer. Dabei feiert das ZMDI-Open mit mehr als 200 Spielern ein kleines Jubiläum: Es wird zum 25. Mal ausgetragen und hat einen Preisfond von über 12 000 Euro. Tradition hat auch das Blitzturnier, das am Dienstag ausgetragen wurde.

Und Sonntag beginnt der Weltkongress für Problemschach mit 250 Delegierten aus 38 Ländern. Gleichzeitig startet die WM im Lösen von Schachproblemen. „Dresden macht seinen Ruf als Schachhauptstadt Deutschlands alle Ehre“, sagt Dirk Jordan. Und im Herbst folgt die WM für Menschen mit Behinderung. „Wir sind auch dieses Jahr sehr facettenreich im Schach. Das Spiel mit den Königen passt aber auch in die Stadt von August dem Starken.“

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