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Rentner-Pfarrer helfen aus

Emeriti Christoph Stempel predigt wieder in Ebersbach. Andernorts halten Laienprediger bald Gottesdienste.

© Matthias Weber

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

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Ebersbach. Die Kirche ist im Umbruch. Pfarrer- und weitere Mitarbeiterstellen können nicht besetzt werden oder werden gar nicht mehr ausgeschrieben (SZ berichtete mehrfach). Das betrifft auch das Großenhainer Land. Die Ebersbacher Pfarrstelle ist nach dem Tod von Matthias Spindler vorigen Sommer unbesetzt, wird erst jetzt neu ausgeschrieben. Die Lampertswalder Pfarrerin Annette Waffenschmidt muss die Hauptvertretung übernehmen. Die Sackaer Pfarrstelle von Eike Staemmler, der zu Jahresende in den Ruhestand gegangen war, wird aber nicht mehr wiederbesetzt. Hier bemüht sich der Ponickauer Pfarrer Frank Dregennus um Kompensierung.

Gabriel Beyer ist zwar noch kein Emeriti, hilft aber auch aus in Steinbach-Naunhof – als Pfarrer im Wartestand.
Gabriel Beyer ist zwar noch kein Emeriti, hilft aber auch aus in Steinbach-Naunhof – als Pfarrer im Wartestand. © Klaus-Dieter Brühl

Unbesetzt blieb zudem die volle Pfarrstelle von Harald Pepel in Wildenhain. „Keiner hat sich darauf beworben“, ist Superintendent Andreas Beuchel traurig. Hier übernehmen die Pastoren Seffer, Lechner und Thiele die Verpflichtungen. Und haben aus der Not laut Beuchel schon eine Tugend gemacht – indem sie die Kirchenstruktur nach den Vorstellungen der kleiner werdenden Gemeinden umgestalten.

Doch bis die neuen Strukturen, die die Landessynode im Frühjahr beschließen soll, richtig greifen, müssen sich die Kirchgemeinden zu helfen wissen. Not am Mann ist da auch in Naunhof-Bärnsdorf. Diese Pfarrstelle ist ebenfalls ausgeschrieben, hier amtiert zum Beispiel derzeit Pfarrer Matthias Quentin aus Coswig-Brockwitz. Hilfe erhält er von einem Pfarrer in Wartestand: Gabriel Beyer aus Dresden. Und von Rudolf Hesse aus Ottendorf-Okrilla.

Keine Kirche soll aufgegeben werden

Zwei bis drei Gottesdienste am Sonntag zu halten, ist für viele Kirchenmänner und -frauen schon Alltag geworden. Ist das langfristig durchzuhalten? Die evangelische Kirche möchte kein Gotteshaus aufgeben, so Superintendent Beuchel. Deshalb werden verstärkt Emeriti eingesetzt, also Pfarrer im Ruhestand. Teils kommen sie selbst auf ihren früheren Arbeitgeber zu, teils werden sie angesprochen.

So war es bei Christoph Stempel, dem früheren Pfarrer vom Ebersbach-Reinersdorf. Weil er von seiner letzten Pfarrstelle in Zittau nach Dresden gezogen ist, kann er Aufgaben in Ebersbach wahrnehmen. Bis 2005 war er hier Leiter der Kirchgemeinde, 27 Jahre lang. Stempel fühlt sich rüstig genug, seinen früheren Gemeindeschäfchen zur Seite zu stehen. Seine Predigt haben sich die Männer vom Gesangsverein gewünscht, wenn sie im Juni ihr 150-jähriges Chorjubiläum feiern – auch in der Kirche.

Weil das Kirchspiel, zu dem Naunhof gehört, fünf Kirchorte bedienen muss, ist auch hier die Liste der Emeriti lang: Das Pfarrbüro zählt Karl Jungnickel aus Coswig, Renate Rasch aus Bärnsdorf, Frieder Merkel aus Moritzburg und Friedrich Drechsler aus Meißen auf, die sich einbringen. „Es steht jeweils im Gemeindebrief, wer den Gottesdienst hält“, sagt Pfarrer Quentin. Die Gläubigen wissen also Bescheid. So kommt auch Abwechslung ins Geschehen.

Die aus dem Rentnerdasein ausgeborgten Pfarrer taufen auch oder leiten als Vertretung Beerdigungen. Sie haben weitere Wege. Doch Verwaltungsarbeit soll möglichst nicht an ihnen hängenbleiben. „Die zentrale Kassenstelle in Dresden entlastet die Pfarrämter, auch die Gehalts- und Personalstelle ist zentralisiert“, unterstreicht Superintendent Beuchel. Künftig werden Verwaltungsstützpunkte dort konzentriert, wo es einen Pfarrer gibt. Die übrigen Pfarrämter werden zu Außenstellen.

Weg von der Betreuungsstruktur, hin zu mehr Eigenverantwortung – das bringt die Kirchenvorstände nicht nur in die Pflicht, sich unter anderem mit Bausachen zu beschäftigen. Die neue Kirchenverwaltung sieht auch Laienprediger, so genannte Prädikanten, vor. Sie absolvieren eine Lektorenausbildung und sind dem Superintendanten direkt unterstellt. Christina Müller aus Skäßchen und Kerstin Göpfert aus Skassa gehören dazu. Sie sollen neben Gottesdiensten auch Andachten halten oder einen Seniorenkreis leiten. Dafür werden sie wie Pfarrer berufen.

„In allen Kirchen soll sonntags auch künftig ein Angebot sein“, gibt Superintendent Andreas Beuchel als Losung aus. Ein Mal im Jahr lädt er auch die Emeriti zu sich ein, um sich bei ihnen für ihre freiwillige Mitarbeit zu bedanken. Sie sind damit Teil einer künftig mehr fähigkeiten-orientierten Gemeindearbeit. Der Erfahrungsaustausch sei im Kirchenbezirk und bei den Dienstberatungen dazu schon voll im Gange.