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Rentnerin wurde nicht ausgeliefert

Eine 84-Jährige aus England soll 47 000 Euro zurückzahlen. Sie hatte den Tod ihrer Mutter jahrelang verschwiegen.

© Fabian Schröder

Von Alexander Schneider

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Ins Haus des Buches kommt der Engel sogar am Sonntag.

Seit Herbst 2016 versucht das Amtsgericht Dresden, die inzwischen 84-jährige Inger L. aus England als Angeklagte zum Prozess zu laden. Nachdem sie weder im Oktober 2016 noch im Oktober 2017 erschienen war, erließ das Gericht einen Sitzungshaftbefehl. Inger L. aus dem Südwesten Englands wurde Ende 2017 verhaftet und saß mehrere Wochen im Gefängnis, doch zu einer Auslieferung an die deutsche Justiz kam es nicht. Nachdem sie nun endgültig scheiterte, hat das Gericht die Frau per Strafbefehl wegen Betruges verurteilt. Sie erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung und muss als Auflage 47 000 Euro zurückzahlen.

Nach Justizangaben hatte die Angeklagte mit ihrem Bruder 2008 den Tod ihrer Mutter Luise K. gegenüber Behörden, wie der Bundeskasse in Trier, verschwiegen. Sie sollen ihre Mutter virtuell sogar am Leben gehalten haben, um Luise K.s Pensionsbezüge zu kassieren. Erst Mitarbeiter der Dresdner Sparkasse fanden 2014 eine Anzeige über den Tod ihrer Kundin Luise K.

K. war bereits vor vielen Jahren zu ihren Kindern nach Großbritannien gezogen. 2008 verstarb die 94-Jährige. Die Geschwister sollen seitdem „Lebensbescheinigungen“ gefälscht haben, um die Kasse zu den monatlichen Pensionszahlungen anzuhalten. Darunter findet sich auch ein Reisebericht über eine gemeinsame Kreuzfahrt von Mutter und Tochter zum 100. Geburtstag der Jubilarin. Knapp 100 000 Euro sollen sie so zu Unrecht kassiert haben.

Anders als ihr Bruder hatte Inger L. nie auf die Ermittlungen der Justiz reagiert. Noch 2016 hatte die Staatsanwaltschaft abgelehnt, die Rentnerin per Strafbefehl zu verurteilen. Das scheint sich nun nach dem erfolglosen Auslieferungsversuch geändert zu haben. Die spannende Frage wird nun sein, ob Inger L. ihre Bewährungsauflage erfüllt und das Geld zurückzahlt.