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Kampfabstimmung gegen Trump?

© dpa

Die USA müssen sich langsam an den Gedanken an einen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gewöhnen. Versuche, dies noch zu verhindern, gibt es trotzdem.

Michael Donhauser

Washington. Donald Trump marschiert in Richtung Kandidatur für das Weiße Haus. Vorige Woche holte der Favorit der Republikaner 99 Delegiertenstimmen in Florida, am Dienstag nahm er alle 58 Delegierten aus Arizona mit. Große Siege. Und dennoch: Hinter den Kulissen schmieden Parteigänger der US-Republikaner weiterhin Pläne, den Immobilien-Milliardär aus New York kurz vor Schluss doch noch auszubremsen. Er selbst warnt schon vorab: „Dann gibt es Volksaufstände.“

Rechnerisch tut sich Trump noch immer schwer. Es muss schon gut für ihn laufen, wenn er bis zum letzten Vorwahl-Abend am 7. Juni in Kalifornien die nötige Zahl von 1237 Delegierten hinter sich versammeln will. Auch wegen der - allerdings einkalkulierten - Niederlage gegen Ted Cruz in Utah ist ein anderes Szenario zumindest noch immer nicht auszuschließen: Trump erhält nicht die nötigen 1237 Stimmen, scheitert damit im ersten Wahlgang beim Parteitag im Juli in Cleveland. Und dann wird es spannend. Zuletzt gab es so etwas 1976, als Gerald Ford und Ronald Reagan Fords Kandidatur auf dem Parteitag auskarteten.

Eine Kampfabstimmung gab es gar seit 1948 nicht mehr. Sollten diesmal etwa nicht die großen Bundesstaaten wie Florida oder Arizona die Kandidatur der Republikaner entscheiden? Sollten diesmal die kleinen Außengebiete wie die Jungferninseln, American Samoa oder Guam den Ausschlag geben? Delegierte aus Gebieten, die bei der eigentlichen Präsidentenwahl im November großteils gar nicht zuglassen sind?

Im Gegensatz zu den meisten Bundesstaaten sind die Delegierten dort auch im ersten Wahlgang nicht an ein Wahlergebnis gebunden. Sie werden über kleine Parteitage bestimmt, haben also keine echte Vorwahl hinter sich. Trump könnte versuchen sie zu überzeugen, andererseits könnte gerade sie ihm die Mehrheit verweigern.

Die Wahlsysteme in den einzelnen Staaten sind komplex und völlig unterschiedlich. Heerscharen von Experten und alten Wahl-Hasen beugen sich derzeit über die Zahlen und versuchen, die Glaskugel zu lesen. Am Ende könnte es tatsächlich knapp werden, für Trump.

Die Regeln der Republikanischen Partei sehen vor, dass beim Parteitag in Cleveland zumindest im ersten Wahlgang alle Delegierten an das Wahlergebnis ihres Staates gebunden sind. Dennoch schwirren mindestens 100 - vermutlich deutlich mehr - Delegierte ungebunden durch den Konferenzsaal.

Zu den Delegierten aus den Außengebieten werden sich viele Delegierte gesellen, die eigentlich an Marco Rubio und John Kasich gebunden wären. Diese können in einigen Staaten freigegeben werden. Die Strategen reden somit über eine Verfügungsmasse von rund 200 bis 250 Delegierten.

Sollte auf Anhieb keine Mehrheit zustande kommen, wären in weiteren Wahlgängen fast alle Delegierten ungebunden und könnten stimmen, für wen sie wollen. In den einzelnen Staaten wird derzeit viel Wert darauf gelegt, wen genau man zum Parteitag schickt. Geoffrey Skelley, Politologe an der University of Virginia ist sich sicher. „Das ist die Zeit, wenn die tatsächlichen Identitäten der Delegierten ins Spiel kommen.“

Wie hart der Kampf gefochten wird, zeigt das Beispiel von John Yob. Er arbeitet seit Jahren an Strategien für republikanische Kandidaten, zuletzt für den gescheiterten Rand Paul, 2008 für den erfahrenen Senator John McCain, einen erklärten parteiinternen Gegner von Donald Trump.

Vor wenigen Wochen hat der Mann aus Michigan einen Wohnsitz auf den Jungferninseln angemeldet - und sich gleich per Gerichtsbeschluss das passive Wahlrecht erklagt. Prompt wurde er auf der kleinen Parteiversammlung des US-Außengebietes zu einem der ungebundenen Delegierten bestimmt. In Cleveland wird Yob wissen, was zu tun ist. (dpa)