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Respekt statt Hass

Ein neues Bündnis möchte die Menschen der Stadt Dresden an grundlegende Werte von Demokratie und Streitkultur erinnern. Die Liste der Unterstützer ist lang - und sie zeigt Einigkeit über fast das gesamte demokratische Spektrum hinweg.

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© Sven Ellger

Dresden. Lange hat Gerhard Ehninger daran bereits getüftelt. „Nach dem 3. Oktober umso mehr, aber schon seit einer ganzen Weile vorher war es mein Anliegen, alle wichtigen Akteure zusammenzubringen.“ Die verbalen Attacken und ohrenbetäubender Lärm gegen die Besucher eines Gottesdienstes am Einheitsfeiertag in Dresden gaben vielleicht den letzten Ausschlag für einig, mitzumachen. Deshalb stellen die Unterzeichner des Aufrufes auch klar, dass es sie beschäme, dass sich in Dresden wieder ein „Klima der Ausgrenzung und Gewaltbereitschaft“ ausbreitet. Dagegen wollen sie etwas tun.

Jetzt steht das neue Bündnis, das schlicht Dresden.Respekt heißt. Es geht Ehninger darum, dass sich möglichst viele unterschiedliche Menschen einbringen und feststellen, worin sie sich einig sind. Die Palette umfasst alle Parteien, also Linke, SPD, Grüne, FDP bis zur CDU – die AfD ist nicht dabei, wurde aber auch nicht gefragt. Außerdem sind Vertreter von Kultureinrichtungen von Stadt und Land dabei, Unternehmen wie Globalfoundries, Pfarrer verschiedener Kirchen, die jüdische Gemeinde, Netzwerke und Bürgerinitiativen, Universitäten und Fachhochschulen.

Ehninger spricht von einer „breiten Bewegung aus der Bürgerschaft“. Im Vordergrund solle stehen, dass das Grundgesetz die Regeln des Zusammenlebens definiert. Dazu gehöre auch das Recht auf Asyl. Offiziell spricht niemand den Namen Pegida aus, stellvertretend für die, die das Klima in der Stadt vergiften. Aber Andeutungen sind eindeutig. „Scheuklappen gibt´s montags. Klare Botschaften bei uns. Die ganze Woche“, sagt Katrin Fischer vom Verein „Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen“.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hatte in seiner Rede im Stadtrat vor rund drei Wochen bereits angedeutet, dass es ein so breites Bündnis geben könnte. „Es ist ein wichtiges Ziel von mir, alle Demokraten zusammenzuführen und zu gemeinschaftlichem Handeln zu bewegen.“ Der Aufruf, der nun unterzeichnet wurde, sei ein erster Schritt. Er sieht eine Parallele zum 13. Februar, dort sei es auch gelungen, trotz unterschiedlicher Auffassungen, dass alle Demokraten zusammen gegen Neonazis ein Zeichen setzen.

Wie schwierig es gewesen sein muss, die vielen unterschiedlichen Lager hier zu einen, klingt nur noch andeutungsweise durch. So stellte CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer klar, dass es dennoch keine „Denk- oder Redeverbote“ geben dürfe und man den Leuten nicht vorschreiben könne, welche Ängste sie haben. Die CDU will Pegida-Anhänger immer noch politisch erreichen. Der Linke-Landeschef Rico Gebhardt und einige andere meinten dagegen, man müsse auch Bündnisse wie No Pegida und Dresden Nazifrei würdigen und zu Gesprächen mit dem Bündnis einladen. Für die CDU sind Blockaden von Demonstrationen, wie sie das Bündnis Nazifrei immer wieder durchgeführt hat, nicht hinnehmbar. Dennoch haben sich hier alle auf einen Aufruf verständigt. Das gab es in Dresden, abgesehen vom 13. Februar, noch nicht. Am 3. Oktober sei ein Ruck durch die Gesellschaft gegangen, meint Kretschmer.

Das Bündnis werde sich laut Gerhard Ehninger nun regelmäßig treffen, im Abstand von zwei bis vier Wochen. Dort sollen zunächst konkrete Veranstaltungen geplant werden. Die erste unter dem Label Dresden.Respekt soll bereits am 30. November stattfinden. Da lädt die Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema „Das Fremde in uns“ in die Türckische Cammer ein. Dort wird über das Fremde diskutiert. „Außerdem wollen wir Initiativen in Stadtteilen unterstützen“, so Ehninger. Auch die Dresden-Konferenzen von Oberbürgermeister Hilbert im kommenden Jahr und weitere Projekte wie eine regelmäßige Diskussionsrunde des OB mit unterschiedlichen Akteuren der Stadt werden unter dem Logo des Bündnisses laufen. Ehninger hofft darauf, dass möglichst viele Dresdner den Aufruf mit unterzeichnen. Es gehe um Respekt, jeden Tag, in der Straßenbahn, in jeder Firma und auf der Straße – und darum, unterschiedliche Meinungen zu akzeptieren.Kommentar

www.dresdenrespekt.de