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Rettung für die Bienertvilla

Aus dem verfallenen Gebäude wird wieder ein Wohnhaus. Der Investor hat im Mühlenkomplex schon neue Pläne.

© Visualisierung: MPA Architekten

Von Nora Domschke

Nur keine Socken

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Lange dauert es nicht mehr, dann zieht in Bienerts alte Prachtvilla neues Leben. Noch ist davon wenig zu sehen. Der markante Altbau im Zentrum des Mühlenareals an der Weißeritz in Altplauen ist noch eingerüstet. Die Visualisierung zeigt aber bereits, wie die Villa bald wieder aussehen soll. Nun wurde Richtfest gefeiert.

Von außen ist noch nicht so viel zu sehen. Doch die Richtkrone zeugt davon, dass das Dach nun dicht ist. Wenn die Fenster eingebaut sind, starten die Arbeiten im Inneren.
Von außen ist noch nicht so viel zu sehen. Doch die Richtkrone zeugt davon, dass das Dach nun dicht ist. Wenn die Fenster eingebaut sind, starten die Arbeiten im Inneren. © Sven Ellger

Der markante, riesige Riss in der Fassade der Bienertvilla ist längst verschwunden. Das altehrwürdige Gebäude steht wieder auf stabilem Fundament. Lange befürchteten viele Plauener, dass die Villa einstürzen könnte. Die Sorgen sind verschwunden. Die Villa ist das letzte große Wohnprojekt, das im Areal gebaut wird. Zehn Wohnungen sollen im alten Wohnhaus des Plauener Vorzeige-Industriellen Gottlieb Traugott Bienert entstehen.

Allerdings gab es wohl die eine oder andere Überraschung bei den Bauarbeiten, die Ende 2015 begannen. „Wir haben zum Beispiel einen Keller gefunden, von dem wir gar nichts wussten“, sagt Investor Heiko Schreiter. Auch die Reparatur des Fassadenrisses gestaltete sich schwieriger als erwartet. Der Spalt an der Westseite der Villa hatte sich in den vergangenen Jahren vergrößert, die komplette Gebäudeecke drohte wegzukippen. Ein Zeichen dafür, dass der Untergrund in Bewegung ist. „Wir haben sogar überlegt, diesen Teil abzureißen und neu aufzubauen“, erklärt Schreiter. Nach umfangreichen Prüfungen entschieden sich die Bauexperten schließlich für den Rettungsversuch. Mit Erfolg.

Mit dem Richtfest ist nun ein weiterer wichtiger Schritt getan. Das Dach ist dicht. Jahrelang klaffte dort – wie auch in den Zwischendecken – ein riesiges Loch. Noch im vergangenen Jahr war es möglich, vom Erdgeschoss aus direkt in den Himmel zu schauen. Jahrzehntelang konnte das Regenwasser ungehindert in die Mauern eindringen. Es bildete sich Schwamm, die alten Holzvertäfelungen faulten. Die Vorgaben des Denkmalschutzamtes: Alle Holz- und Stuckverzierungen müssen erhalten bleiben. Es konnten allerdings nur wenige Originale erhalten bleiben – der Verfall war bereits zu sehr fortgeschritten.

Der neue Dachstuhl bietet mittlerweile Schutz vor dem Regen. Demnächst sollen Fenster die Bienertvilla komplett dicht machen. Dann beginnt der Ausbau im Inneren des Hauses. Gut zu erkennen sind schon jetzt die Grundrisse der Wohnungen. Wände wurden eingebaut und Ziegeldecken eingezogen. Die zehn Wohnungen sind zwischen 40 und 160 Quadratmeter groß und werden alle verkauft.

Schon im Frühjahr soll alles fertig sein, sagt Investor Heiko Schreiter. Die Villa macht den einst verfallenen Industriestandort im Hofmühlen-Areal komplett. An der Weißeritz ist in den vergangenen Jahren ein attraktiver und beliebter Wohn- und Arbeitsort entstanden. Viele Büros sind vermietet, Läden haben eröffnet, neue Bewohner sind eingezogen. Einen ganz anderen Zweig will Heiko Schreiter noch im alten Mühlenmagazin umsetzen. Die rund 1 000 Quadratmeter große Fläche wird in Lagerboxen unterteilt, die er vermieten möchte. Schreiter lässt eigens dafür einen Aufzug einbauen. Im Erdgeschoss entstehen zudem acht Pkw-Stellplätze. Schreiter rechnet damit, dass auch hier die Bauarbeiten im Frühjahr fertig sind.

Nur für den Pavillon der Familie Bienert auf der Rückseite der Villa gibt es noch keine Lösung. Die neuen Bewohner schauen direkt auf das Holzhäuschen, das gesichert und erneuert wurde. Der Pavillon gehört der Stiftung Hofmühle. Vorstand Carsten Hoffmann will nun erst einmal abwarten, bis die Arbeiten am Wohnhaus beendet sind. 2017 könnte sich etwas tun, verrät er.