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Rettungsanker Familienpate

Oft müssen Mütter den Alltag mit Haushalt, Arbeit und Kindern allein bewältigen. Sie brauchen auch einmal eine Pause.

© Dietmar Thomas

Von Sylvia Jentzsch

Döbeln. Die Großeltern wohnen hunderte Kilometer weit entfernt. Der Mann ist in der Woche auf Montage und die Frau mit zwei jüngeren Kindern allein. Das ist keine Seltenheit bestätigt Mandy Gausche von der Awo-Familienberatung. Manchmal brauchen die Mütter auch ein wenig Zeit für sich oder das ältere Kind. Und genau dafür werden Familienpaten benötigt.

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„Das Projekt, das es seit 2013 gibt, hat sich in der Vergangenheit bewährt. Es profitiert nicht nur die Familie, sondern auch der Familienpate, der vielleicht keine eigenen Kinder oder Enkel hat und als Pate eine neue, sinnvolle Aufgabe findet“, sagte die Sozialpädagogin, die das Projekt betreut. Aktuell kann sie auf 14 Familienpaten zurückgreifen. Doch leider wohnt keiner in der Region Waldheim. Und dort werden die Paten gebraucht.

Zwei kleine Mädchen im Alter von einem und drei Jahren warten auf jemanden, der für sie eine neue, weitere Bezugsperson wird. Die Mutter ist in Elternzeit, der Vater oft unterwegs. „Es wäre schön, wenn der Familienpate sich für ein oder zwei Stunden mit den Kindern beschäftigt, um der Mutter etwas Freiraum für persönliche Dinge, den Haushalt oder einfach einmal zum Durchatmen zu ermöglichen“, so Mandy Gausche. Allerdings sollte der Pate maximal sechs Stunden in der Woche im Einsatz sein. So sieht es zumindest das Projekt vor. Damit wird verhindert, dass die Paten ausgenutzt werden“, so die Projektleiterin. Die sechs Stunden seien das Maximum, es können auch weniger sein. „Wie viel Zeit die Paten investieren, müssen sie selbst entscheiden“, so die Sozialpädagogin.

Familienpate werden

Anforderungen: Jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist, kann eine Patenschaft übernehmen. Ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, das es kostenfrei beim Bürgeramt gibt, ist vorzulegen.

Ansprechpartner vor Ort: Mandy Gausche von der Awo Familienzentrum gGmbh, Nordstraße 2, Döbeln. Tel. 03431 601817, E-Mail [email protected]

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Zu den möglichen Aufgaben der Familienunterstützung gehören das Spielen mit den Kindern im häuslichen Umfeld oder in der Natur, Spaziergänge oder Spielplatzbesuche, das Vorlesen oder die Betreuung bei Elternabenden oder ähnlichen Terminen. „Wichtig ist für die Mutter der beiden Mädchen, dass der Pate regelmäßig, also jede Woche kommen kann“, sagte Mandy Gausche.

In der zweiten Familie leben ebenfalls zwei Mädchen im Alter von einem und sieben Jahren. Auch in diesem Fall ist der Vater auf Montage, die Mutter in der Woche allein. Die Großeltern wohnen auch nicht in der Nähe. „Den Eltern ist es wichtig, dass die Kinder eine weitere Bezugsperson haben“, sagte die Projektleiterin. Die Mutter wünscht sich, etwas mehr Zeit für ihr Schulkind. Das könnte ein Pate ermöglichen, indem er mit dem einjährigen Mädchen spazieren geht oder mit ihm spielt.

Vorteile für beide Seiten

„Es wäre wirklich schön, wenn wir Paten für die beiden Familien finden könnten“, so Mandy Gausche. Paten können Männer oder Frauen werden, die noch einem Beruf nachgehen oder bereits Rentner sind. Wer sich dazu berufen fühlt, kann sich bei der Awo-Familienbildung melden. Dann gibt es ein erstes Gespräch mit der Sozialpädagogin. Dabei sollen die Motivation, Pate zu werden, sowie bestimmte Wünsche, die zum Beispiel Ort und Zeit betreffen, herausgefunden werden. „Dann überlegen wir, wer zu der Familie passt. Es gibt ein Treffen, um sich kennenzulernen. Das kann durchaus auch mehrfach fortgesetzt werden, bis eine gewisse Vertrauensbasis geschaffen wurde. Es ist mit der Eingewöhnungsphase in der Kita zu vergleichen“, sagte Mandy Gausche.

Außerdem wird eine Basisschulung für die Paten angeboten. Dabei geht es unter anderem um Erste Hilfe am Kind, Spielmöglichkeiten oder die gesunde Ernährung. Beim Stammtisch der Paten, den es drei Mal im Jahr gibt, werden Erfahrungen ausgetauscht. „Diese Treffen haben sich bewährt“, sagte die Projektleiterin. Die Paten erhalten die Fahrtkosten, die für ihren Einsatz notwendig sind, erstattet und sind in der Zeit des Projektes, das nur bis zum dritten Lebensjahr des Kindes ausgelegt ist, unfallversichert.

„Die Patenschaft kann trotzdem weitergeführt werden, so die Sozialpädagogin. Als Beispiel nennt sie Familie Dalschow aus Hartha, die sich liebevoll um den siebenjährigen Lenny kümmert. Als er drei Jahre alt war, suchte seine alleinstehende Mutter, die noch einen größeren Sohn hat, einen Familienpaten.

„Ich wollte nach meinem Ruhestand noch etwas Nützliches für die Gesellschaft tun, habe überlegt, wo ich gebraucht werden könnte“, so Gudrun Dalschow, die Erzieherin war. Als sie hörte, dass Familienpaten gesucht werden, sei sie gleich begeistert gewesen. „Über die Jahre ist eine intensive Beziehung gewachsen. Da macht man auch gern mal etwas mehr, als man müsste“, sagte die Harthaerin. Es sei schon eine logistische Herausforderung für eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, die arbeiten geht, alles unter einen Hut zu bringen, so Gudrun Dalschow. Die Familie möchte die Zeit mit Lenny nicht mehr missen, obwohl sie selbst drei Enkel hat.

„Die brauchen unsere Hilfe nicht so“, sagte die Rentnerin. Donnerstag ist Lenny-Tag. Darauf stellt sich die Familie ein. Dann wird der Siebenjährige von der Schule abgeholt. Es werden Hausaufgaben gemacht, und auch das Spielen kommt nicht zu kurz. Wenn es die Zeit erlaubt, wird gebastelt. Dann bringt ihn Dieter Dalschow zum Fußballtraining. „Mit dem Sport kennt sich mein Mann besser aus, und es ist für ihn auch ein Grund mal rauszugehen“, sagte die Harthaerin. Lenny sage zu ihr Oma, obwohl sie das nie verlangt habe, aber es habe sich so ergeben. Und ein bisschen stolz mache das auch.

Als die offizielle Familienpatenschaft auslief, haben es die Dalschows nicht übers Herz gebracht, sie auch wirklich zu beenden. „Wir sind für Lenny da, so lange er uns braucht.“ Gudrun Dalschow kann anderen nur empfehlen, eine Familienpatenschaft zu übernehmen. „Das bring viel Freude und man lernt von den Kindern, sich auch wieder an kleinen Dingen zu freuen.“