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Rettungskräfte klagen über sinkenden Respekt

Diebstähle aus Einsatzwagen sind selten, sagt ein DRK-Sprecher. Die Einsatzkräfte beschäftige aber etwas anderes.

© Symbolfoto: dpa

Von Stefan Lehmann

Riesa. Fünf Tage, nachdem Unbekannte einen Notfall-Rucksack aus einem Krankenwagen am Riesaer Elblandklinikum gestohlen haben, fehlt vom Diebesgut noch jede Spur. Das teilte der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Falk Glombik mit. Der Rucksack mit medizinischer Ausrüstung für Notfälle war am Freitagmorgen vor der Notaufnahme entwendet worden, während die Besatzung des Rettungswagens gerade einen Patienten ablieferte.

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Während Fälle wie dieser relativ selten seien, beklagen Rettungskräfte aber, dass der Respekt ihnen gegenüber gesunken ist, erklärt der Sprecher des DRK Sachsen, Torsten Wieland. „Schutzzeichen und Dienstbekleidung, so die Erfahrung, garantieren nicht mehr die uneingeschränkte Wertschätzung. Von manchen werden sie als Uniform und damit als Zeichen der Staatsgewalt interpretiert, gegen die sich ein wie auch immer gearteter Zorn entlädt.“ Wieland verweist auf eine aktuelle Statistik des Bundeskriminalamtes. Demnach habe die Gewalt gegen Kräfte des Rettungsdienstes und der Feuerwehr im Jahr 2015 um fast fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen.

„Ja, der Respekt lässt nicht nur gegenüber der Polizei, sondern auch bei anderen Hilfskräften nach, so wie uns gegenüber und auch bei Feuerwehr und THW“, bestätigt Kreisverbands-Chef Falk Glombik. Im Großraum Riesa sei das Problem aber noch nicht so extrem wie in den Großstädten. DRK-Sprecher Torsten Wieland bestätigt das. „Nach Aussagen durch andere DRK-Landesverbände ist nicht landesweit pauschal eine Zunahme zu verzeichnen“. Auch im Freistaat seien urbane Regionen häufiger betroffen, unter anderem wegen vieler Großveranstaltungen. Und: Nach wie vor würden die meisten Einsätze ohne besondere Zwischenfälle verlaufen.

Deeskalationstraining für die Retter

Dennoch werde bei den Rettungskräften das Thema mittlerweile wichtiger. „Wurde der Umstand‚ Übergriffe im Einsatz‘ früher oft eher als allgemeines Berufsrisiko angesehen, geht man nun dazu über, die Kollegen dezidiert in sogenannten Deeskalationstrainings zu trainieren“, sagt Wieland. Ziel sei es, dass die Rettungsdienstler schwierige Situationen schon im Vorfeld erkennen und deeskalierend einwirken können. „Dazu gehört nicht nur das Vermeiden körperlicher Attacken, sondern ebenso der viel häufiger auftretenden Verbalattacken.“ Wichtig sei es, sich nicht in eine Auseinandersetzung hineinziehen zu lassen. „Zeigt dies keine Wirkung, bleibt nur der Rückzug.“ Sollte für den Patienten Lebensgefahr bestehen, dann müssen die Retter die Polizei zur Hilfe rufen.

Kontrovers diskutiert werde innerhalb des sächsischen DRK dagegen der Einsatz von Schutzwesten, die bei besonderen Gefährdungssituationen angewendet werden. Hauptproblem sei, dass „eine Schutzausrüstung unterschwellig stets auch eine gewisse Erwartungshaltung in Richtung des Gegenübers“ hervorrufe. Die Situation könnte dann also erst recht eskalieren, so die Sorge innerhalb mancher Verbände.