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Landrat will Jahreskarte retten

Landrat Michael Geisler wird sich für die Wiedereinführung des Tickets einsetzen. Es gibt aber eine hohe Hürde.

© Archivfoto: Egbert Kamprath

Von Domokos Szabó

Pirna. Ab 1. Januar wird der Verkehrsverbund Oberelbe keine rabattierten Jahreskarten mehr für Bus und Bahn anbieten. Das war bereits beschlossene Sache. Als Reaktion der Stadt Dresden sowie der Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge auf das anhaltende Zinstief. Konnten früher die jährlichen Vorauszahlungen der Kunden angelegt und die Einnahmen daraus für den Preisnachlass genutzt werden, gibt es diese Möglichkeit nun nicht mehr. Ein Ende der Nullzins-Politik der Zentralbank ist nicht abzusehen. Daher zog der Verkehrsverbund die Notbremse. Das heißt: Pendler und andere Nutzer der Jahreskarte müssen teurere Tickets kaufen – etwa die normale Monatskarte oder die Abo-Monatskarte.

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Der Verkehrsverbund selbst empfiehlt die Abo-Monatskarte. Je nachdem, wie viele Tarifzonen die Karte abdeckt, müssen die Kunden dafür in Zukunft bis zu zehn Prozent mehr bezahlen. Pro Jahr macht das bei einem Ticket, das von Dresden bis Tharandt oder von Dresden bis Pirna gültig ist, 60 Euro aus. Für die Linke im Kreistag ein Unding. „Im Landkreis sind davon sehr viele Menschen betroffen“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende André Hahn am Montag in der Kreistagssitzung. „Sie werden dafür bestraft, dass die den öffentlichen Nahverkehr besonders oft nutzen.“

Die Linke beantragte, dass sich der Landrat und andere Delegierte beim Verkehrsverbund dafür einsetzen, die rabattierte Jahreskarte beizubehalten. Dazu soll in der nächsten Verbandsversammlung ein Antrag gestellt werden.

Unterstützung bekam die Linke von mehreren Seiten. Der CDU-Fraktionschef Mike Ruckh, zugleich Oberbürgermeister von Sebnitz, stellte dabei auch noch den Rekord für den kürzesten Redebeitrag im Kreistag auf. Seine Wortmeldung bestand aus lediglich sieben Wörtern: „Wir unterstützen den Antrag, weil er richtig ist.“ Für die AfD pflichtete der Linken Fraktionschef Steffen Frost bei. Er regte zudem an, die Rabattierung auch auf Schülertickets auszuweiten. Nur die FDP stellte sich klar gegen das Ansinnen der Linken. Aus der Fraktion hieß es, dass die Abschaffung der Jahreskarte nicht zulasten des ländlichen Raumes gehe. Außerdem habe der Verkehrsverbund den Schritt schlüssig begründet. Der verweist übrigens nicht nur auf die Nullzinspolitik, sondern auch darauf, dass selbst in den ländlichen Regionen Einzelfahrscheine am meisten gekauft werden.

So haben drei Verkehrsunternehmen im Landkreis 2016 lediglich 323 Jahreskarten verkauft. Die Zahl könnte auch höher liegen, da bestimmte Verkaufsstellen, wie zum Beispiel die VVO-Mobilitätszentrale am Dresdner Hauptbahnhof, nicht mitgezählt wurden. Nach einer anderen Statistik wurden in den beiden Nachbarlandkreisen Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 1 500 Jahreskarten verkauft. Die allermeisten Tickets (9 500) gehen nach Dresden. Diese Zahlen animierten die Landkreisverwaltung zu einer eher skeptischen Stellungnahme zum Antrag der Linken.

Den Kreistag jedoch vermochte das nicht zu überzeugen. Bei drei Gegenstimmen von den Liberalen wurde dem Antrag mit großer Mehrheit stattgegeben. Landrat Michael Geisler dämpfte aber schon mal zu hohe Erwartungen. Auch wenn der Verkehrsverbund die Sache relativ schmerzfrei sehe – „in der Verbandsversammlung sind die Mehrheiten anders gestrickt.“