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Politik

Riad sieht Iran hinter Angriff auf Ölpipeline

Erst ein Sabotageakt gegen Handelsschiffe, dann ein Angriff mit Drohnen - in der Golfregion mehreren sich die Zwischenfälle. Und Saudi-Arabien verschärft den Ton gegen Teheran.

Blick auf das unter der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate fahrende Schiff "A. Michel".
Blick auf das unter der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate fahrende Schiff "A. Michel". © United Arab Emirates National Media Council/AP/dpa

Riad/Sanaa. Nach dem Drohnenangriff auf eine wichtige saudische Ölpipeline wachsen die Spannungen zwischen dem Königreich und seinem Erzfeind Iran. Das sunnitische Saudi-Arabien machte seinen schiitischen Rivalen am Donnerstag für den Angriff verantwortlich. Die vom Regime in Teheran angeordneten und von den jemenitischen Huthi-Rebellen ausgeführten Terrorakte legten "die Schlinge um die laufenden politischen Bemühungen", erklärte der saudische Vize-Verteidigungsminister Chalid bin Salman über Twitter. Flugzeuge der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition bombardierten zudem die von den Huthis kontrollierte jemenitische Hauptstadt Sanaa.

Den Rebellen zufolge kamen bei den Luftangriffen mindestens sechs Menschen ums Leben. Das Gesundheitsministerium in Sanaa erklärte, zudem seien mehr als 50 Menschen verletzt worden. Aktivisten berichteten, auch ein Wohngebiet sei getroffen worden. Die saudische Koalition sprach vom Beginn einer Operation gegen Huthi-Ziele.

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Die Spannungen in der Region hatten bereits in den vergangenen Tagen zugenommen. Das US-Verteidigungsministerium entsandte unter anderem einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in den Nahen Osten mit der Begründung, es gebe Hinweise auf iranische Angriffe gegen US-Truppen. Die USA und ihr enger Verbündeter Saudi-Arabien werfen dem Iran vor, Unruhe zu stiften und den Terrorismus zu unterstützen.

Washington setzt die Islamische Republik seit mehr als einem Jahr massiv unter wirtschaftlichen Druck, inzwischen wird offen die Gefahr eines Krieges diskutiert. US-Präsident Donald Trump erklärte jedoch am Mittwoch über Twitter, er strebe weiterhin Verhandlungen mit dem Iran an. "Ich bin sicher, dass der Iran bald reden will", schrieb er.

Am Montag hatten die mit Saudi-Arabien verbündeten Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe gemeldet. Die Umstände blieben mysteriös, doch richtete sich der Verdacht gegen den Iran. Am Dienstag griffen Drohnen eine der wichtigsten saudischen Ölpipelines an. Die Huthis sprachen danach von einer Vergeltungsaktion für Angriffe Saudi-Arabiens im Jemen.

Der Angriff beweise, dass Jemens Huthi-Rebellen nichts anderes als ein Werkzeug seien, mit dem das iranischen Regime seine Expansionsagenda umsetzen wolle, erklärte Saudi-Arabiens Vize-Verteidigungsminister Chalid bin Salman, ein Sohn von König Salman. Auch der saudische Staatsminister für Auswärtiges, Adel al-Dschubair, twitterte, die Huthis seien ein untrennbarer Teil der iranischen Revolutionsgarden und setzten deren Befehle um.

Der blutige Konflikt im Jemen hat Züge eines Stellvertreterkriegs zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Die Huthi-Rebellen hatten im Jahr 2014 große Teile des bitterarmen Landes überrannt und die international anerkannte Regierung aus Sanaa vertrieben. Diese wird von der saudischen Militärkoalition unterstützt. Das Bündnis fliegt seit mehr als vier Jahren regelmäßig Luftangriffe gegen die Huthis. Dabei kamen mehrfach zahlreiche Zivilisten ums Leben.

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Unklar ist das genaue Ausmaß der iranische Unterstützung für die Huthis. So gibt es Hinweise auf Berater aus dem Iran und der von Teheran finanzierten libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah am Boden. Ein UN-Bericht an den Sicherheitsrat sah zudem eine große Ähnlichkeit zwischen Raketen der Huthis mit Modellen iranischer Bauart. Beobachter verweisen jedoch zugleich darauf, dass der iranische Einfluss im Jemen vergleichsweise gering sei und erst der saudische Militäreinsatz die Verbindung der Rebellen zu Teheran gestärkt habe. (dpa)

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