merken

Ricciardo geht baden

Der australische Formel-1-Fahrer betreibt mit seinem Erfolg beim Monaco-Grand-Prix auch Wiedergutmachung.

© dpa

Von Marco Heibel

Mit dem berühmt-berüchtigten „Shoey“ verschonte Daniel Ricciardo das Fürstenpaar von Monaco, doch nach seiner „Wiedergutmachung für 2016“ überredete er Albert II. und dessen Frau Charlene zumindest zu einem Schluck aus der Champagnerflasche. Beflügelt von seinem Erfolg vor Sebastian Vettel und Lewis Hamilton brachte der Australier auch diesen Verstoß gegen die Adelsetikette mit viel Charme rüber.

Anzeige
Spielplan der Dresdner Eislöwen
Spielplan der Dresdner Eislöwen

Hier geht es zum aktualisierten Spielplan 2021 der Dresdner Eislöwen.

„Es war das beste Wochenende meiner Karriere“, sagte Ricciardo, der seinem Red-Bull-Rennstall zum 250. Grand Prix einen Start-Ziel-Sieg schenkte. Ein Spaziergang war der siebente Formel-1-Erfolg des 28-Jährigen aber keinesfalls: „Zwischendurch hatte ich große Probleme. Die Leistung war plötzlich weg. Ich hing im sechsten Gang und dachte schon, es wäre gelaufen.“ Der Teil des Hybrid-Antriebsstrangs, der kinetische Energie in Strom umwandelt, an seinem Auto hatte nach dem ersten Renndrittel gestreikt. Dennoch hielt Ricciardo seine Jäger eindrucksvoll hinter sich. „Du hast es gemacht wie Schumacher 1994 in Barcelona“, adelte ihn Teamchef Christian Horner nach der Zieldurchfahrt. Der Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher hatte auf dem Circuit de Catalunya über weite Strecken nur den fünften Gang zur Verfügung und belegte Platz zwei.

Vettel, der 2011 für Red Bull in Monaco gewann, gab Ricciardo schon mal einen Vorgeschmack, was die Crew nach dem Sieg mit ihm macht: „Er landet im Pool. Wenn er sich anstellt, helfen ihm die Jungs schon“, sagte der Ferrari-Star. Doch Ricciardo tat nichts dergleichen. Mit einem feierlich ausgeführten Bauchplatscher sprang er später freiwillig in den Pool auf Red Bulls schwimmender Hospitality. Vettel dagegen erreichte zwar Platz zwei. Wirklich zufrieden sein konnte er aber nicht. Da Hamilton als Dritter den Schaden auf der Mercedes-Problemstrecke Monaco in Grenzen hielt, machte Vettel in der WM nur drei Punkte auf seinen Dauerrivalen gut. „Wir hatten die Geschwindigkeit, aber es war kompliziert“, sagte Vettel. „Ich hätte gern mehr Druck auf Daniel gemacht, aber ich hatte kein großes Vertrauen in die Reifen.“

„Ich habe noch eine Rechnung offen“, hatte Ricciardo schon vor dem ersten Training erklärt. 2016 war dem Australier in Monaco seine erste und bis Sonnabend einzige Pole Position gelungen. Den prestigeträchtigen Erfolg aber hatte er aufgrund eines Fehlers seiner Boxencrew verpasst. „Das war jetzt die Wiedergutmachung. Es musste einfach klappen“, sagte er nach dem Rennen und nahm wie immer nach Siegen einen Schluck Champagner aus seinem Rennschuh. Bisher war Ricciardo ein Spezialist für Überraschungserfolge gewesen. Bei keinem seiner sechs vorherigen Siege startete er aus der ersten Reihe. 2017 in Baku gewann er sogar von Platz zehn.

Von Rang zwei kam Vettel nun einen Tick besser weg als Ricciardo, aber der Weg zur ersten Kurve in Monaco war nicht lang genug für einen ernsthaften Überholversuch. Trotz Ricciardos Technik-Problemen bot sich auch in der Folge keine Chance auf ein solches Manöver. Im Nadelöhr Monaco war mal wieder kein Vorbeikommen. Der mit 3,337 Kilometern kürzeste Kurs im Formel-1-Kalender ist extrem verwinkelt. Es kommt weniger auf Motorleistung als vor allem auf Abtrieb in den Kurven an. Genau das ist die Stärke des Red Bull. In zwei Wochen in Kanada geht es dann wieder auf eine „Mercedes-Strecke“. Auf dem Circuit Gilles Villeneuve in Montreal ist vor allem Motorleistung gefragt. Hamilton gewann dort zuletzt dreimal hintereinander. (sid)