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Richter muss Rosenkrieg schlichten

Eine turbulente Liebesgeschichte fand vor der Berufungskammer am Dresdner Landgericht ein Ende – vorläufig.

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© dpa/dpaweb

Von Yvonne Popp

Gerichtsbericht. Drei Jahre war eine Friseurmeisterin aus Pirna mit einem Geschäftsmann aus Freital liiert. Eine Zeit zwischen Luxus und Drama. Von Anfang an sehr jähzornig sei ihr Freund gewesen, sagt die 41-Jährige. Von wegen. Den Himmel auf Erden habe sie gehabt, stellt er klar. „Den Himmel? Wohl eher die Hölle“, gibt die attraktive Deutsche zurück.

Dramatisch war auch das Ende der Liebesbeziehung. Ein Streit eskalierte so, dass die Frau schließlich mit einem Kerzenständer zuschlug. Von der Attacke trug ihr damaliger Lebenspartner eine Prellung des Nasenbeins und zwei kleine Risswunden, knapp unterhalb des Auges, davon. Vom Amtsgericht Dippoldiswalde war die Angeklagte deswegen zu einer Geldstrafe in Höhe von 3 600 Euro verurteilt worden. Dagegen hatte sie Berufung eingelegt.

Nun wurde der Fall am Landgericht Dresden neu aufgerollt. Vom Vorsitzenden Richter befragt, erzählt die Angeklagte, wie sie ihren damaligen Partner kennengelernt hatte und wie gut alles lief, als beide noch nicht zusammenlebten. Erst nach ihrem Einzug in sein Haus habe es zunehmend Spannungen zwischen ihnen gegeben, berichtet sie.

Dramatische Gefühlsausbrüche

Für den Abend des Tattages sei eine Feier im Haus ihres Ex geplant gewesen, zu der auch dessen Sohn eingeladen war. Die kinderlose Frau räumt ein, mit ihm leider nicht besonders gut ausgekommen zu sein. Gelegen habe das an der Mutter des Jungen. Die habe die neue Partnerin nicht gemocht. „Ich wollte nicht mitfeiern, wenn er auch kommt. Also sagte ich meinem Ex, dass ich den Abend lieber bei einer Freundin verbringen will.“ Daraufhin, so erzählt sie weiter, sei es zu einem heftigen Streit gekommen. Wie so oft habe ihr Ex angefangen herumzubrüllen und sie mit Worten niederzumachen.

Obwohl er zuvor nie handgreiflich geworden war, muss die Situation sehr bedrohlich auf die Angeklagte gewirkt haben. Auf der Galerie des Hauses hatte sie sich einen massiven Kerzenständer geschnappt, um sich den wütenden Mann vom Leibe halten zu können. „Immer wieder habe ich gesagt, dass er mir nicht zu nahe kommen soll“, schildert sie. Während einer Abwehrbewegung habe sie ihn dann mit dem Kerzenständer im Gesicht getroffen.

Der Geschädigte, der auch als Nebenkläger auftritt, bestreitet, die Angeklagte so bedroht zu haben, dass sie sich hätte zur Wehr setzen müssen. „Es stimmt aber, dass wir uns gestritten haben“, gibt der 46-Jährige zu. Er sagt, dass seine Partnerin von Anfang an ein Problem mit seinem Kind hatte. Er vermutet, dass sie eifersüchtig war, denn immer sei es ihr ein Dorn im Auge gewesen, wenn der Junge an den Wochenenden zu Besuch gekommen war. „Für mich war das nicht einfach. Ich saß zwischen den Stühlen“, klagt der Geschäftsmann. Und weil er wusste, wie seine Ex reagiert, habe er ihr damals erst am Tag der Feierlichkeiten gesagt, dass auch sein Sohn kommen würde. Wie erwartet, sei sie wütend geworden. Aber erst, als sie sich in äußerst beleidigender Weise äußerte, sei die Sache eskaliert. Bedroht habe er die Angeklagte aber nicht, versichert er und erklärt, dass er deshalb auch zu keiner Sekunde damit gerechnet hatte, dass sie mit dem Kerzenständer tatsächlich zuschlägt.

„Nach dem Treffer waren wir beide erschrocken“, sagt er. Reue hätte die mutmaßliche Angreiferin aber nicht gezeigt. Generell sei die Beziehung von ihren teils sehr dramatischen Ausbrüchen geprägt gewesen, fügt er noch hinzu. Sie erwidert, dass er derjenige gewesen sei, der sie psychisch unter Druck gesetzt hatte. Nicht nur strafrechtlich liegt das Ex-Paar im Clinch miteinander. Derzeit muss sich auch ein ziviles Gericht mit dem unrühmlichen Ende der Beziehung beschäftigen. Im konkreten Fall geht es um die Herausgabe beziehungsweise die ersatzweise Bezahlung von Einrichtungsgegenständen, die angeblich der Beklagten gehören, aber sich immer noch im Haus ihres ehemaligen Partners befinden. Auch da sind die Fronten verhärtet.

So sehr sich Richter Walter Voigt bemüht, er schafft es nicht, in dieser Sache eine Klärung herbeizuführen. Was die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung betrifft, kommt er aber zu dem Ergebnis, dass es für die Angeklagte sehr wohl einen Grund gab, zum Kerzenständer zu greifen. Außerdem, so führt er weiter aus, hätte der Geschädigte wesentlich schwerere Verletzungen davongetragen, wenn seine Partnerin tatsächlich gezielt nach ihm geschlagen hätte. Der Richter hebt das Urteil vom Amtsgericht Dippoldiswalde auf und stellt das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 300 Euro ein. Zudem muss die Angeklagte für die Hälfte der Kosten aufkommen, die ihrem Ex-Partner durch das Verfahren entstanden sind. Er trat im Prozess als Nebenkläger auf.