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„Riesa trotzt dem Trend“

In Deutschland wird immer weniger Bier getrunken. Im Hammerbräu hingegen steigt der Absatz.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Christoph Scharf

Deutschlands Brauer klagen über den schlechtesten Bierabsatz seit der Wiedervereinigung (siehe Infokasten). Im Riesaer Hammerbräu – dort sitzt die hauseigene Brauerei – hat man sich im vergangenen Jahr gegen den Trend behauptet. Die SZ sprach mit Reiner Striegler, dem Chef der Betreibergesellschaft Magnet, und Restaurantleiterin Sandra Affeldt.

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Herr Striegler, Frau Affeldt: Der Bierabsatz in Deutschland ging vergangenes Jahr um 2,5 Prozent zurück. Wie lief das im Riesaer Hammerbräu?

Striegler: Viel besser! Wir haben gegen den Trend 5,8 Prozent mehr Bier verkauft. Das entspricht einer Steigerung um eine vierstellige Literzahl.

Woran liegt das?

Striegler: Regionale Brauereien werden mittlerweile auch in Ostdeutschland viel stärker angenommen. Wir profitieren vom seit Jahren zu beobachtenden Trend zum handgemachten Craft-Bier. Aber natürlich hängt der Bierverkauf auch von der Hotelauslastung im Mercure ab und von den Veranstaltungen in Riesa, etwa in der Arena. Von denen profitiert übrigens die Riesaer Gastronomie insgesamt.

Affeldt: Im Hammerbräu machen sich auch die Nutzer des Elberadwegs bemerkbar. Die kommen in der Regel aus Richtung Bad Schandau und haben in Riesa gerade die Sächsische Weinstraße hinter sich. Hier bei uns treffen sie auf die erste kleine Gasthausbrauerei – und nutzen das. Manche haben auch Interesse am Bierbrauen selbst. Erst zu Himmelfahrt war eine Gruppe aus Pirna da, die jedes Jahr zum Feiertag eine andere Brauerei aufsuchen, um sie sich anzuschauen.

Das ist auch in Riesa möglich?

Affeldt: Wir haben eine Brauhausführung mit Braumeister Gunter Spies im Programm. Da kann man für gerade mal sechs Euro drei kleine Biere verkosten und erhält noch Fettbemmen zum Neutralisieren des Geschmacks dazu. Solche Führungen für Gruppen machen wir jährlich mehr als 100-mal.

Das ist aber ziemlich oft ...

Affeldt: Die Führungen und unser Bierseminar werden gern als Rahmenprogramm für Familienfeiern gebucht.

Gibt es dieses Jahr in Riesa auch wieder neue Biersorten?

Striegler: Im Winter haben wir einen Sud Schwarzbier angesetzt. Der geht jetzt langsam zur Neige. Aktuell planen wir als Sommerbier ein helles Edelbräu – mit etwas weniger Alkohol. Und für den Herbst bereiten wir auch schon ein neues Produkt vor, das ist aber noch nicht spruchreif.

Und was ist der Klassiker?

Striegler: Das ist nach wie vor das Hammerbräu Gold, ein Bier nach Pilsener Brauart. Das macht etwa 50 Prozent des Bierumsatzes aus. Aber auch die Saisonbiere kommen bei vielen Riesaern gut an. Gefragt ist auch unsere Spezialität, das Märzen.

Und wie steht es beim Essen?

Affeldt: Auch da achten Touristen sehr auf regionale Angebote. Bei uns gibt es selbstverständlich Riesaer Nudeln, etwa mit Lachsforelle.

Striegler: Und 80 Prozent unserer Fleischwaren kommen von der Fleischerei Kerscher in Wülknitz. Sehr beliebt ist auch die Bratwurst von dort, die wir etwa beim Stadtfest anbieten.

Dieses Jahr ist WM. In der Arena wird es kein Public Viewing mehr geben. Wie ist das bei Ihnen?

Striegler: Wir bieten im Hammerbräu die Spiele unserer deutschen Elf an, die während der regulären Öffnungszeiten laufen. Alle feststehenden deutschen Spiele haben wir uns schon vorgemerkt. Je nach Nachfrage haben wir Platz für zwei Leinwände. Auch wenn die Anstoßzeiten dieses Jahr günstig liegen: Mit einem riesigen Absatzplus beim Bier durch die WM rechnen wir aber nicht.

Welche Riesaer Veranstaltungen merkt man sonst im Hammerbräu am Umsatz?

Striegler: Jede Abendveranstaltung in der Arena mit mehr als 1 500 Besuchern macht sich im Abendessen-Geschäft bemerkbar. Ansonsten sind wir zu Ostern und in der Weihnachtszeit sehr gut gebucht. Das gilt auch bei eigenen Veranstaltungen wie den Travestie-Shows: Die sind immer ausverkauft. Auch für den Brauhaus-Tanz zu Pfingsten gab es schon drei Wochen vorher keine Karten mehr.

Eine Frage bleibt noch: Wie entwickelt sich der Bierpreis im Hammerbräu?

Striegler: Die Preise für unsere Siphons zum Mitnehmen bleiben schon seit Jahren unverändert: Da kostet der Liter 1,95 Euro – plus Pfand für die Flasche. Im Restaurant selbst gibt es den halben Liter für 3,80 Euro. Wir gehen sorgsam mit dem Thema Preissteigerungen um. Aber das Thema Mindestlohn trägt dazu bei, dass die Schere zwischen den Bierpreisen im Discounter und in der Gastronomie überall weiter auseinandergehen wird.