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Riesa und Strehla räumen auf

In beiden Städten greifen Bürger freiwillig zu Müllsacken und Besen – und machen einige unerfreuliche Entdeckungen.

© Lutz Weidler

Von Kevin Schwarzbach

Riesa/Strehla. Kaum haben Kornelia Zietzschmann und Renate von Wascinski ihre Fahrräder an der Schlossremise in Gröba abgestellt, haben sie auch schon Besen und Müllsäcke in der Hand. Mit der Putzausrüstung bewaffnet, ziehen sie Richtung Radweg. Hier und da finden sich leere Zigarettenschachteln im Gebüsch, immer wieder auch Bierflaschen und Plastikverpackungen. Die Müllsäcke füllen sich schnell.

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Objektleitung (m/w/d)
Objektleitung (m/w/d)

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Elbufer nahe dem Stadtpark, Riesa: Lustige Pose – ernste Sache: Am Riesaer Elbufer war es für die Helfer ein Leichtes, Müll zu finden. Der wird dort regelmäßig entsorgt, obwohl das nicht erlaubt ist.
Elbufer nahe dem Stadtpark, Riesa: Lustige Pose – ernste Sache: Am Riesaer Elbufer war es für die Helfer ein Leichtes, Müll zu finden. Der wird dort regelmäßig entsorgt, obwohl das nicht erlaubt ist. © Lutz Weidler
Elberadweg Gröba, Riesa: Kornelia Zietzschmann (l.) und Renate von Wascinski parken ihre Räder an der Schlossremise, dann machen sie sich auf zum nahe gelegenen Radweg.
Elberadweg Gröba, Riesa: Kornelia Zietzschmann (l.) und Renate von Wascinski parken ihre Räder an der Schlossremise, dann machen sie sich auf zum nahe gelegenen Radweg. © Lutz Weidler
Renaissancegarten, Strehla: Auch im Stadtpark Strehla und einigen weiteren Stellen in der Nixenstadt ist am Sonnabend von vielen Freiwilligen Ordnung geschaffen worden.
Renaissancegarten, Strehla: Auch im Stadtpark Strehla und einigen weiteren Stellen in der Nixenstadt ist am Sonnabend von vielen Freiwilligen Ordnung geschaffen worden. © Lutz Weidler

Seit Jahren putzen Riesaer Bürgerinnen und Bürger einmal im Jahr ihre Stadt. Es ist mittlerweile eine schöne Tradition, wenn auch mit einem unschönen Hintergrund. Denn die Aktion wäre gar nicht nötig, wenn alle ihren Müll ordnungsgemäß entsorgen würden. Doch häufig dient die Natur als Mülleimer – den die Freiwilligen bei der Putzaktion am vergangenen Sonnabendvormittag mühsam entleeren müssen. Tags zuvor hatten sich schon die Schüler der Riesaer Schulen ans Putzen gemacht. – Ein paar unerfreuliche Entdeckungen macht auch der Putztrupp, der in Riesa zwischen Marinekameradschaft und ehemaligem Muskatorwerk am Elbufer unterwegs ist. „Neben dem üblichen Müll wie Plastikverpackungen und Bierflaschen haben wir auch einen Teil vom Gehäuse eines alten Fernsehers entdeckt“, berichtet Christian Geschke, der zu den etwa ein Dutzend Freiwilligen gehört, die am Sonnabendvormittag am Elbufer Vorbildliches für ihre Stadt leisten. „Aber wir sind natürlich nicht die Einzigen, die heute putzen. In Riesa verteilt sich das immer auf viele Stellen. Ich habe schon einige Aktive an den verschiedensten Orten gesehen“, meint Geschke.

Die sind auch in Strehla unterwegs. Im Renaissancegarten zwischen Schloss und Tierpark hocken circa 40 Freiwillige in den Beeten und befreien sie vom Unkraut. Daneben türmen sich Berge von Rindenmulch auf. Am Ende des Tages sollen die Beete so hergerichtet sein, dass sie über das Jahr nur noch gepflegt werden müssen. „Wir suchen uns in Strehla immer Bereiche oder Orte aus, von denen wir wissen, dass der Bauhof es über das Jahr mit seinen begrenzten Mitteln nicht schaffen kann, dort eine Grundordnung reinzubringen“, verrät Bürgermeister Jörg Jeromin (FWG). „Diese Orte richten wir her und begrenzen die anstehende Arbeit des Bauhofs somit auf die Pflege.“

Mehr Helfer als sonst

Dass die Beteiligung in diesem Jahr so rege ausfällt, freut den Bürgermeister. „Es kommen traditionell viele Helfer, aber dieses Mal sind es doch noch ein paar mehr als sonst“, sagt Jeromin. Zusätzlich zu den Freiwilligen im Renaissancegarten sind noch Putztrupps an der Nixe, im Barfußpfad, an Bushaltestellen und einigen anderen Stellen unterwegs. Aber was genau motiviert die Freiwilligen, den Dreck der anderen wegzumachen? Kornelia Zietzschmann und Renate von Wascinski, die eifrig den Bereich um die Schlossremise in Gröba abarbeiten, haben darauf eine klare Antwort. „Ich komme regelmäßig hierher und nutze die zahlreichen Angebote. Da greife ich den vielen engagierten Menschen hier gern auch mal unter die Arme“, sagt Renate von Wascinski. Und Kornelia Zietzschmann pflichtet ihr bei: „Als alteingesessene Gröbaerin komme ich gern in die Remise zum Schlosscafé. Durch meine Unterstützung bei der Putzaktion möchte ich etwas zurückgeben.“

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Trotzdem wäre es wohl allen Beteiligten lieber, wenn sie am Sonnabendvormittag nicht unterwegs sein müssten. Es wäre ein Zeugnis der Sauberkeit und des Anstands aller. „Doch leider gibt es noch immer welche, die zu faul sind, ihren Müll wegzuräumen. Da werden ganze Grillstellen mit Asche, Plastik und Glas zurückgelassen“, schimpft ein Helfer. Und auch Christian Geschke appelliert an die Vernunft: „Es kann doch nicht sein, dass jemand seinen Kompost samt Plastiksack ans Elbufer wirft.“ Dank der zahlreichen Putztrupps ist es dort nun erst einmal wieder sauber. Die Dauer dieses Zustands hängt von der Vernunft der Menschen ab.