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"2020 war für uns ein Erfolgsjahr"

Gröditz' Stadtchef Jochen Reinicke hat gerade eine Corona-Erkrankung hinter sich. Mit seiner Stadt ist er zufrieden, doch es gibt auch Themen, die ihm Sorge machen.

Der Gröditzer Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos) zieht kurz vor Weihnachten ein positives Resümee über das Jahr 2020 in seiner Stadt.
Der Gröditzer Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos) zieht kurz vor Weihnachten ein positives Resümee über das Jahr 2020 in seiner Stadt. © Lutz Weidler

Herr Reinicke, als Bürgermeister gratulieren Sie persönlich bei diamantenen Hochzeiten oder wenn Bürger 90 oder 100 Jahre werden. Wie läuft das eigentlich in Corona-Zeiten?

Das wird im Moment per Post gemacht. In der ersten Welle haben wir es schon nicht mit persönlicher Präsenz gemacht und sind – bis auf wenige Ausnahmen während der Lockerungen, als mich Leute gefragt haben, ob ich vorbeikomme – dabei geblieben.

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Gibt es denn auch in der Stadtverwaltung Corona-Fälle?

Ja. Einer davon war ich. Ich bin positiv getestet worden und habe auch Symptome gehabt. Das ist jetzt zwei Wochen her, heute endet meine Quarantäne.

Wie ging es, wie geht es Ihnen?

Ich hatte grippeähnliche Symptome. Bei mir ist es insgesamt glimpflich verlaufen, ich gehöre also nicht zu den Leuten, die ernsthafte Komplikationen deswegen hatten. Ich denke, ich bin so weit wieder fit.

Lassen Sie uns über das Gröditzer Jahr 2020 sprechen. Worauf sind Sie im Rückblick stolz?

2020 ist für Gröditz ein Erfolgsjahr gewesen. Wir haben den Parkplatz für unser Kultur- und Vereinszentrum Dreiseithof gebaut. Das Feuerwehrgerätehaus in Nauwalde wurde begonnen. Das ist weiter voll im Gange. Dann gab es den Spatenstich für die neue Zweifeldhalle am Eichenhain. In der Stadtbibliothek ist der Lesegarten eröffnet worden. Und dann gab es noch mehr Dinge. Wenn ich sehe, was geworden ist, war das ein effektives Jahr.

Gibt es denn Dinge, die nicht so geklappt haben?

Nein. Was uns umtreibt, ist die Digitalisierung. Nicht nur in den Schulen, auch in der Verwaltung. Wie Sie wissen, haben wir unter anderem auch die Stadträte mit Tablet-Computern ausgestattet. Wir sind also auf einem Niveau, dass wir auch Ratssitzungen digital abhalten könnten. Aber: Die Rechtsgrundlage fehlt. Es ist einfach ein Trauerspiel, dass ich nach einem Dreivierteljahr Corona noch immer zum Stadtrat mit physischer Präsenz einladen muss. Ich hoffe, dass die Gesetzgebung wachgerüttelt wird. Denn die Leute, die "an der Front" sind und handeln müssen, brauchen diese Instrumente. Und das nicht erst in drei Jahren.

Lassen Sie uns erst mal ein wenig ins nächste Jahr blicken. Gibt es da etwas, was Ihnen Sorgen bereitet?

Eigentlich nicht. Denn wir haben 2020 genutzt, um voranzugehen. Konzeptionell zum Beispiel bei zwei Themen. Zum einen betrifft das unsere Oberschule. Da gibt es ein Strategiepapier, in dem es darum geht, dass wir von einer "belehrenden Schule" in die "lernende Schule" übergehen wollen. Es geht darum, eine zukunftsfähige Schule zu machen, in der Architektur und Pädagogik zusammenpassen. Da geht es um Fragen von Räumen, Klassenstärken und anderes. Da muss man überlegen, wie es weitergeht. Auch mit Blick auf den möglichen Bau einer neuen Schule.

Und das zweite Thema?

Wir sind uns auch einig, dass Altenbetreuung und -pflege künftig nicht mehr weitergehen kann wie jetzt. Sondern es muss kleinteiliger und strukturierter organisiert werden im ländlichen Raum. Man kann nicht nur ein großes Pflegeheim nach dem anderen bauen, das sieht man ja jetzt besonders in der Corona-Zeit. Zu dem Thema wollen wir uns als Kommune mit Trägern und Bürgerschaft austauschen. Es geht letztlich darum, dass die Menschen, die im Ort alt geworden sind, dort bleiben können und wie man das organisiert. Das sind Dinge, die uns 2021 begleiten werden neben dem Tagesgeschäft.

Ein Thema, das Sie 2020 immer wieder angesprochen haben, war die Zusammenarbeit mit Wülknitz, der Röderaue, Zeithain und anderen Kommunen, die in Gemeindefusionen münden könnte. Wie ist da der Stand?

Es ist so, dass dieser Prozess doch länger dauert. Nimmt man die Studie, die es dazu gibt, muss man sagen, dass wir eigentlich nicht sehr weit vorangekommen sind. Das muss man so sagen.

Woran liegt das?

Dass man noch nicht den Blick dafür bekommen hat, wie wichtig es gerade im ländlichen Raum ist, seine Kräfte zu konzentrieren. Es wird immer noch gemeint, "wir sind wir". Aber diese Kleinstaaterei funktioniert im ländlichen Raum nicht mehr. Ein "Flächenstaat", wenn man das so nennen möchte, hätte ganz andere Möglichkeiten, zum Beispiel bei der medizinischen Versorgung oder im Bereich Schulen und Bildung. Das alles ist natürlich ein schwieriger Prozess. Und man kann ja Bewährtes auch erhalten. Aber man muss eben auch Neues schaffen. Das ist vielleicht auch eine Generationsfrage; je älter man wird, desto weniger ist die Initiative da, etwas zu ändern. Meine Hoffnung ist deshalb, dass sich die junge Generation mehr einmischt. Wir werden das Thema nächstes Jahr weiter besprechen. Aber ich muss sagen, es ist schon ernüchternd.

Schauen wir mal kurz nach Brandenburg: Im nahen Bad Liebenwerda ist kürzlich der Betreiber vom Wonnemar insolvent gegangen. Das dürfte auch in Gröditz für Ernüchterung gesorgt haben. Was erhoffen Sie sich für das Bad?

Was mit dem Wonnemar passiert ist, hat sich angedeutet. Ich bin überzeugt, dass es wieder eröffnet. Allerdings denke ich auch, dass es ein, zwei Jahre dauern wird. Das hängt damit zusammen, dass Eigentümer- und Betreiberfragen zu klären sind und es einen Investitionsstau gibt. Ich denke, dass Bad Liebenwerda dort eine Lösung findet. Die Fördermittel, die das Bad bekommen sollte, stehen ja immer noch im Raum. In dem Prozess wird das Bad aber eben, schätze ich, ein bis zwei Jahr geschlossen sein.

Wagen wir einen Blick zwölf Monate voraus. Was wünschen Sie sich, wo Gröditz dann steht?

Ich wünsche mir natürlich, dass wir bei den angesprochenen Dingen ein Stück weiter sind. Dass wir hoffentlich die Bauvorhaben wie die Sporthalle fertig haben. Die Halle soll im November so weit fertig sein. Im Frühjahr bereits das Feuerwehrhaus in Nauwalde, dort geht es dann mit der Umfeldgestaltung weiter. Unter anderem sollen Grundstücke parzelliert und ein Spielplatz gebaut werden. Springen wir zurück nach Gröditz, da wollen wir nahe neben dem Freizeitpark am Kanal einen Klimapark anlegen. Für die Pflanzung von bis zu 100 Laubbäumen haben wir Geld von der EU bekommen. Das soll zusammen mit Kindern passieren. Wir wollen also Gröditz ein bisschen aufforsten. Den Friedhof, auf dem jetzt schon begonnen wurde, wollen wir 2021 auch so weit fertigstellen mit den Außenanlagen. Und dann wird das Jahr auch fast rum sein.

Es fragte: Eric Weser.

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