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Ab nächste Woche Stallpflicht für Hühner

Hinter der Kreisgrenze bei Strehla und Riesa gilt sie bereits. Jetzt zieht auch der Landkreis Meißen nach. Zehntausende Hühner in der Region betroffen.

Noch dürfen die Hühner auf dem Großenhainer Geflügelhof das Leben im Freien genießen. Bald ist Schluss damit.
Noch dürfen die Hühner auf dem Großenhainer Geflügelhof das Leben im Freien genießen. Bald ist Schluss damit. © Brühl

Landkreis. Wermsdorf ist nicht weit von Riesa. Als auf der dortigen Gänsefarm Eskildsen Ende Dezember die Geflügelgrippe ausbrach, musste 9.000 Tiere getötet werden. Seitdem sind auch die hiesigen Hühnerbesitzer in Sorge, dass sich die Seuche auch in die Region Riesa-Großenhain ausbreitet.

Anfang der Woche verhängte der Nachbarkreis Nordsachsen eine Stallpflicht für Hühner. Sie reicht bis in die Dörfer hinter den Kreisgrenzen bei Riesa und Strehla. Andere sächsische Landkreise haben mittlerweile reagiert. Und auch der Landkreis Meißen zieht nach.

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Nach Informationen des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes des Landkreises Meißen schätzt das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut) die Gefahr für den Eintrag des AI-Virus (AI - Aviäre Influenza) als sehr hoch ein. Daraufhin habe das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt die Veterinärämter im gesamten Freistaat aufgefordert, eine risikoorientierte Aufstallung des Geflügels zu verfügen. Sie soll zunächst für einen Zeitraum von 30 Tagen gelten.

Schon damit gerechnet

Aus diesem Grund hat das Veterinäramt des Landkreises Meißen momentan Risikoanalysen für die jeweiligen Zuständigkeitsbereiche erstellt. Dabei würden besonders die Rastgebiete von Zugvögeln, große Wasserflächen und Gebiete mit hoher Geflügeldichte berücksichtigt. "In der Umgebung dieser Gebiete ist also auch mit der Anordnung der Stallpflicht für Hausgeflügel zu rechnen", teilt die Pressestelle des Landratsamtes Meißen mit.

Im Landkreis Meißen wird der Erlass der Allgemeinverfügung zur Aufstallung von Geflügel Anfang der nächsten Woche erfolgen. Sie wird dann auf der Website des Landkreises veröffentlicht.

Alexander Riedel, der Geschäftsführer des Großenhainer Geflügelhofes, hat zwar schon mit entsprechenden Maßnahmen gerechnet. Dass die Stallpflicht für Hühner nun doch so schnell kommt, habe ihn aber überrascht.

Mit seinen Hühnerställen in Großenhain, Skassa, Medessen und Merschwitz ist der Geflügelhof der größte Eierproduzent in der Region Riesa-Großenhain. Mehrere Zehntausend Tiere wären von dem Stallzwang betroffen.

Keine Nachteile für Eier

Große Nachteile für die Hühner sieht Riedel eher nicht. "Wenn Menschen in Quarantäne müssen, ist das natürlich eine Umstellung für sie. Genauso ist es bei den Hühnern", stellt er eine aktuelle Parallele zur Corona-Pandemie her. Wichtig sei - und auch das trifft sowohl für Hühner als auch Menschen zu - dass sie abgelenkt oder beschäftigt werden.

Das Problem: Legehennen neigen dazu, im Stall ihre Artgenossen mit dem Schnabel zu hacken und sich gegenseitig die Federn auszurupfen. Bis vor ein paar Jahren wurden deshalb die Schnäbel gekürzt. Seit 2017 ist das verboten.

Die Lösung: Die Tiere erhalten gepresste Mineralstoffe in den Stall, die wie runde Schüsseln aussehen. An ihnen wetzen sich die Hühner ihre Schnäbel ab und erhalten dabei auch noch Futter und Kalzium.

Wenn die Stallpflicht kommt, dann will der Geflügelhof mehr dieser Mineralschüsseln in den Ställen verteilen. "Das hat keinen negativen Einfluss auf die Qualität der Eier", sagt Riedel. "Der Geschmack wird eher besser, weil die Hühner weniger Gras und Dreck fressen als draußen."

Das letzte Mal, dass wegen der Vogelgrippe die Hühner mehrere Wochen in den Ställen bleiben musste, ist mittlerweile vier Jahre her. Damals wurden tote Wildvögel in der Region entdeckt, bei denen später das H5N8-Virus nachgewiesen wurde.

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