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Alle Ringe sind schon da

Der Röderauer Handwerksmeister Holger Krüger baut eine Kletter-Rakete aus DDR-Zeiten nach. Jetzt beginnt er mit dem Zusammenschweißen.

Aus diesen Stahlringen will Holger Krüger die neue Kletter-Rakete bauen.
Aus diesen Stahlringen will Holger Krüger die neue Kletter-Rakete bauen. © Foto: Lutz Weidler

Zeithain. Die Menschen in der ehemaligen DDR waren es gewohnt zu improvisieren. Eine Eigenschaft, die sie nach der Wende im wieder vereinten Deutschland durchaus zu gefragten Mitarbeitern auch in westdeutschen Unternehmen machte. Und so manches, was in Zeiten sozialistischer Mangelwirtschaft entstand, ist heute nicht so einfach zu kopieren. Das hat jetzt auch Holger Krüger feststellen müssen.

Der Röderauer Handwerksmeister für Zentralheizungs- und Lüftungsbau hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kletter-Rakete im ehemaligen Rohrwerker-Kindergarten in Zeithain nachzubauen. Er selbst hat im Rohrwerk gelernt. Nicht nur deshalb besitzt er eine emotionale Bindung. Auch sein langjähriger Mitarbeiter Martin Huth hat selbst noch als junger Mann 1974 an der Kletter-Rakete mit gebaut. Sie war ein Geschenk der Rohrwerkschlosser an den Kindergarten. Denn sie waren die Patenbrigade für die Zeithainer Knirpse, die heute alle um die 50 Jahre alt sind.

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Bei einem Spaziergang durch Zeithain war Holger Krüger das Spielgerät aufgefallen, das an den ersten Weltraumflug von Juri Gagarin erinnern soll. Da kam dem engagierten Gemeinderat, der bereits auf eigene Kosten einen Bolzplatz für Kinder errichtete, die Idee, die Kletter-Rakete nachzubauen. So weit es geht originalgetreu.

Das Original von 1974 steht auf dem eingezäunten Gelände des ehemaligen Kindergartens am Ring der Freundschaft.
Das Original von 1974 steht auf dem eingezäunten Gelände des ehemaligen Kindergartens am Ring der Freundschaft. © Sebastian Schultz

Deshalb nahm er vor zwei Monaten die Maße ab. Genau notierte er sich die Anzahl und Längen der Streben und die unterschiedlichen Durchmesser der Ringe, die sie zusammenhalten. Zu Hause zeichnete er die Rakete auf und musste feststellen, dass die Schlosser von damals hier und da improvisierten, um das Klettergerüst zusammenzubauen.

Diese Herausforderung hat Krüger nur noch mehr gereizt. Zudem muss er auf die Vorgaben des Tüvs achten, auf die die Erbauer des Originals keine Rücksicht nehmen mussten. Die Abstände der Stangen dürfen nicht zu klein sein, damit sich die Kinder nicht ihre Finger einklemmen können. Unter jedes Klettergerüst gehört eine 40 Zentimeter dicke Kiesschicht, damit sich die Mädchen und Jungen nicht weh tun, wenn sie herunterfallen. Dass scharfe Kanten verboten sind, war schon zu DDR-Zeiten klar. Sie müssen abgerundet sein.

Seit Kurzem liegen die Rohre auf dem Hof von Krügers Firma. Einige davon hat er in die Biegetechnik Sachsen nach Glaubitz gebracht, um sie zu Ringen zu biegen. Sie sind mittlerweile wieder zurück. Holger Krüger schweißt in diesen Tagen ihre Enden zusammen. Und das unter freiem Himmel und bei dieser Hitze mit mehr als 30 Grad Celsius. "Das macht mir nichts aus", sagt der 61-Jährige und lacht.

Holger Krüger schweißt die Enden eines der gebogenen Rohre zusammen, damit daraus ein Ring wird.
Holger Krüger schweißt die Enden eines der gebogenen Rohre zusammen, damit daraus ein Ring wird. © Foto: Lutz Weidler

In der kommenden Woche soll der größte Ring zur Riesaer Metallbaufirma Nowotnik gebracht werden, um dort eine Stahlplatte zu erhalten. Sie ist das Rückteil der Kletter-Rakete, auf die die vier Rohre der Triebwerke aufgeschweißt werden. Aber das macht Holger Krüger wieder selbst. Auch die Rohre sollen nächste Woche mit den Ringen verschweißt werden. Zumindest will er damit anfangen. Er drängt ihn ja niemand.

Mittlerweile hat er auch andere Unternehmer der Region für die Zeithainer Kletter-Rakete begeistern können. So sponsern z. B. das Autohaus Pohlmann und der Handelshof Riesa die Rohre für die Streben und Ringe. Möglicherweise holt er noch andere Firmen mit ins Boot. "Wenn man ihnen ordentlich erklärt, dass es einem gemeinnützigen Zweck dient, machen viele mit", ist sich Krüger sicher. "Aber es muss in einer Hand liegen, sonst wird es nichts."

Mittlerweile hat er schon viele Reaktionen auf seinen Aufruf auf Facebook erhalten, wo denn die neue Kletter-Rakete aufgestellt werden soll. Die einzige Bedingung, die er vorgegeben hat, ist, dass sie auf einem öffentlichen Spielplatz stehen soll, wo möglichst viele Kinder Spaß am Klettern und Kosmonaut-Spielen haben können.

Erstaunt war er über eine lebhafte Debatte, ob die Rakete in Röderau oder Zeithain errichtet werden soll. Mancher, der sich da zu Wort meldete, betonte, dass die neue Kletter-Rakete genau wie das Original doch in Zeithain stehen soll. - Holger Krüger hat sich bereits für einen Platz entschieden. Verraten möchte er ihn aber noch nicht. Er sagt nur so viel: "Keine Sorge, die Rakete bleibt in Zeithain."

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