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Anwohner wollen keinen Kreisverkehr

Sie rechnen mit mehr Lärm am Ortsausgang von Lichtensee. Das Straßenbau-Landesamt bestreitet es.

Am Ortsausgang nach Tiefenau bindet die Straße aus Richtung Heidehäuser ein. Ein Kreisverkehr soll diese Stelle sicherer machen.
Am Ortsausgang nach Tiefenau bindet die Straße aus Richtung Heidehäuser ein. Ein Kreisverkehr soll diese Stelle sicherer machen. © Sebastian Schultz

Lichtensee. Im Juli sollen die Bagger anrücken. Dann beginnt der Bau des Kreisverkehrs am nördlichen Ortsausgang von Lichtensee in Richtung Tiefenau. Daran gibt es nichts zu rütteln. Es wird geschehen. Doch die Anwohner sind über die Art und Weise, wie sie über dieses Straßenbauvorhaben informiert worden, sehr enttäuscht.

"So richtig geredet hat man das letzte Mal vor zwei Jahren mit uns", sagt einer der Anwohner, der nicht genannt werden möchte. Das war im Bürgerbüro in Wülknitz. Bürgermeister Hannes Clauß war anwesend und auch Vertreter des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Der Mann hat keine guten Erinnerungen an dieses Gespräch. Denn in der Endkonsequenz lautete das Ergebnis: "Wir bauen so oder so, egal ob mit oder ohne Ihre Zustimmung."

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Der Lichtenseer lehnt den Kreisverkehr nicht grundsätzlich ab. "Aber nicht so nah an unseren Grundstücken", sagt er. Der Mann und seine Nachbarn, die ebenfalls betroffen sind, hätten den Kreisverkehr lieber ein paar hundert Meter vorm Ortseingangsschild gesehen. Etwa in Höhe des Steiggrabens. Das ist ein kleiner Bach, ungefähr 400 Meter vor der Kurve, die nach Lichtensee hineinführt.

Lkw landete im Garten

Diese Kurve hat es in sich. Besonders bei Neuschnee. Vor ein paar Jahren war ein Lkw aus der Kurve getragen worden und landete im Garten des Mannes. Auch ein Motorradfahrer habe vor etwa zehn Jahren diese Kurve unterschätzt, knallte an eine Mauer, überlebte aber zum Glück.

Der Kreisverkehr würde für mehr Sicherheit sorgen. Unfälle wie diese würde es dann wohl nicht mehr geben. Da sind sich der Mann und seine Nachbarn mit dem Lasuv und Bürgermeister Clauß einig. Aber sie befürchten, dass durch das Abbremsen und Gasgeben der Verkehrslärm zunimmt.

Das Lasuv teilt diese Ansicht nicht. "Gerade das Gegenteil ist bei der Lösung in Form eines Kreisverkehres der Fall", sagt Lasuv-Pressesprecher Franz Grossmann. Im Gegensatz zu zwei- oder mehrarmigen Kreuzungen sei der Vorteil die Verstetigung des Verkehrs. Bei zwei- oder mehrarmigen Kreuzungen müssten die Fahrzeuge regelmäßig abbremsen und anfahren. "Bei Kreisverkehren ordnen sich die Verkehrsteilnehmer unter Minimierung von Abbrems- und Anfahrvorgängen in den fließenden Verkehr ein und somit werden auch die Geräuschimmissionen in den benachbarten schutzbedürftigen Grundstücken abgesenkt", so Grossmann.

Gutachten geht von wenig Lärm aus

Das habe auch ein schalltechnisches Gutachten ergeben. Aus dem Lasuv heißt es: "Die Berechnung der Beurteilungspegel für die schutzbedürftigen Nutzungen in der Nachbarschaft des geplanten Kreisverkehrs von B 169 und S 89 ergab, dass an den untersuchten Immissionsorten die gesetzlich vorgegebenen Anforderungen an den Schallimmissionsschutz (nach der Verkehrslärmschutzverordnung – 16. BImSchV) zur Tages- und Nachtzeit erfüllt werden. Damit ergeben sich für die Eigentümer der benachbarten Wohngrundstücke keine Ansprüche auf Lärmvorsorge, die ursächlich auf das Bauvorhaben zurückzuführen sind."

Grossmann bestätigt, dass mit den von dauerhafter und vorübergehender Inanspruchnahme von Flurstücken für das Straßenbauvorhaben betroffenen Eigentümern und Pächtern gesprochen wurde. Daraufhin wurden mit den meisten von ihnen Vereinbarungen über Grundstückskäufe geschlossen. "Für wenige zwingend erforderliche Grundstücke war eine Besitzeinweisung notwendig", so Grossmann. Das kommt letztlich einer Enteignung im Interesse der Allgemeinheit gleich. Doch dieses Wort vermeidet er.

"Die machen, was sie wollen", schimpft ein Nachbar. Er erzählt, dass nicht nur die Anwohner am nördlichen Dorfrand, sondern auch die vom südlichen Ortsausgang wenig erfreut über die weiteren Pläne des Lasuv sind. Denn auch in Richtung Zeithain soll ein Kreisverkehr entstehen und in diesem Zusammenhang eine neue Straße gebaut werden, die durch mehrere Grundstücke verlaufen soll. Auch hier würden Grundstückskäufe oder im schlimmsten Fall Enteignungen notwendig werden. Entsprechend wenig Zustimmung hat das Projekt bei den Einwohnern von Lichtensee.

Beide Kreisverkehre sollen später einmal durch eine westliche Ortsumfahrung verbunden werden. Auch wenn sie noch nicht mal im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes 2030 auftaucht, so machen sich die Leute in Lichtensee ihre Gedanken darüber. Ein paar von ihnen halten eine weiträumigere Ortsumfahrung über den Bettelweg und die Panzerstraße für die bessere Variante. "Doch bis es soweit ist, da sind wir alt", sagt eine Anwohnerin. Sie und ihr Mann hoffen, dass das Lasuv sie dann eher und ausführlicher über die Pläne informiert, als es beim Kreisverkehr der Fall war.

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