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Riesas vergessene Werksruine

Das hiesige Aropharm-Werk war Teil eines großen Kombinats, bis es die Treuhand zerschlug.

Auf den Gelände des ehemaligen Aropharm-Werks in Riesa soll eine Solarfläche entstehen.
Auf den Gelände des ehemaligen Aropharm-Werks in Riesa soll eine Solarfläche entstehen. © Sebastian Schultz

Riesa. Stahl, Nudeln, Autoreifen, Zündhölzer und Elektronikbauteile von Robotron haben Riesa in Ostdeutschland bekannt gemacht. Dass die Elbestadt aber bis zur Wende auch ein wichtiger Chemiestandort war, ist in Vergessenheit geraten. Erst jetzt, nachdem bekannt wurde, dass auf dem Gelände des ehemaligen Aropharm-Werks eine Solaranlage errichtet werden soll, besinnt sich manch älterer Riesaer an die leerstehenden Gebäude an der Lommatzscher Straße.

Bis 1992 gab es hier das Arzneimittelwerk, bevor die Treuhand dessen Stilllegung anordnete. Dabei hatte die Produktion chemisch-technischer und chemisch-pharmazeutischer Zwischenprodukte in Riesa eine lange Tradition.

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Schon vor dem Krieg gab es eine Lackfabrik. 1948 zog sie vom Gelände des heutigen Reifenwerkes in den Stadtteil Merzdorf auf die Lommatzscher Straße. Am neuen Standort entwickelte sich der VEB Aropharm-Werk Riesa zu einem wichtigen Hersteller von chemischen Zwischenprodukten wie zum Beispiel der Geschmackzusatz für Puddingsorten.

1979 wurde der Riesaer Betrieb in das neu gegründete Pharmaziekombinat Germed einverleibt. Zu ihm gehörten fast alle Arzneimittelhersteller der DDR. Zentrum des Kombinats war das Arzneimittelwerk Dresden, wo auch die Arzneimittelforschung angesiedelt war. Ende der 1980er Jahre gehörten 13 Betriebsteile mit etwa 3600 Beschäftigten dazu. Davon arbeiten allein 280 in Riesa.

Hoffnungen begraben

Mit der Wende kam der Bruch. 1990 wurde Riesa wieder aus dem Betriebsverbund ausgegliedert. Die Hoffnung, weiterarbeiten und wenigstens ein paar Arbeitsplätze erhalten zu können, wurde durch die Treuhand zerschlagen. So berichtete es der letzte Geschäftsführer des hiesigen Aropharm-Werkes, Eberhard Mendow, im August 2007.

Damals sollten die Gebäude wieder mal versteigert werden. Das Mindestgebot betrug 15.000 Euro. Doch daraus wurde nichts. Es blieb in Besitz der Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten GmbH (GESA). Das ist ein Unternehmen im mittelbaren Besitz der Bundesrepublik Deutschland, das über einen erheblichen Grundbesitz vorwiegend in den neuen Bundesländern verfügt. Es beschäftigt sich mit der Sanierung und Entwicklung von ehemaligen Industriearealen, aber auch mit dem Verkauf von "problembehafteten Grundstücken", die nach dem Jahr 2000 aus dem Treuhandnachfolgebereich übernommen wurden.

Zwischenzeitlich gab es große Pläne für das Gelände. Sogar ein Gründerzentrum für Handwerker und handwerksorientierte Dienstleistungen war im Gespräch. Doch geworden ist daraus nichts. Die Gebäude verfielen zusehends. Dazu haben Vandalismusschäden, insbesondere demontierte Fenster, maßgeblich beigetragen.

Zuletzt war das Riesaer Aropharm-Werk vor ein paar Jahren in die Schlagzeilen geraten. In den Morgenstunden des 21. Mai 2013 wurde die Feuerwehr Riesa dorthin alarmiert. Sie konnte auch schnell den Brandherd im Gebäude an der Lommatzscher Straße lokalisieren. Die Zwischendecke zum Spitzboden stand in Flammen. Offenbar hatte jemand auf dem Dachboden ein Feuer gelegt.

Im Mai 2013 brannte es in einem der Gebäude des ehemaligen Arzneimittelwerkes.
Im Mai 2013 brannte es in einem der Gebäude des ehemaligen Arzneimittelwerkes. © SZ-Archiv

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