merken
PLUS Riesa

Rettung für die Röhrbornmühle

Der markante Bau in Altriesa hat eine bewegte Geschichte. Seit einiger Zeit wird ihr ein neues Kapitel hinzugefügt.

Die Röhrbornmühle von der Großenhainer Straße aus gesehen. Rechts das frühere Müllerwohnhaus, das auch heute als Wohnhaus dient.
Die Röhrbornmühle von der Großenhainer Straße aus gesehen. Rechts das frühere Müllerwohnhaus, das auch heute als Wohnhaus dient. © Sebastian Schultz

Riesa. Viele, die mit dem Auto von Riesa nach Meißen unterwegs sind, kommen momentan an ihr vorbei. Schließlich liegt die Röhrbornmühle an der Großenhainer Straße – und auf der rollt aktuell einiges an Umleitungsverkehr. Wer beim Vorbeifahren etwas genauer hinsieht, dem könnte auffallen, dass sich allerhand auf dem Mühlengrundstück getan hat.

Schon seit längerer Zeit wird an der Röhrbornmühle gebaut. Genau genommen sind die Eigentümer Torsten Halang und Anika Keller bereits seit einigen Jahren dabei, das denkmalgeschützte Ensemble rund um den markanten Mühlenturm instand zu setzen.

Anzeige
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte

Ab sofort gibt es den sportlich-eleganten Teutonia II Chronographen exklusiv bei DDV Lokal zu erwerben. Die Edition ist auf nur 100 Stück limitiert.

Vor elf Jahren kam das Paar aus Leipzig zur Brückenmühle nahe dem Altmarkt. Für Torsten Halangs Frau hatte sich schon einige Zeit zuvor eine berufliche Chance in Riesa ergeben. Um der Pendelei aus der Messestadt ein Ende zu setzen, machten sich beide auf die Suche nach einem dauerhaften Zuhause in Riesa. Die Maßgabe: Es sollte etwas Bestehendes sein. Kein Neubau – und möglichst kein Reihenhaus. „Wir sind keine Siedlungsmenschen“, sagt Torsten Halang. Als der Makler dem Paar die Röhrbornmühle anbot, wollten beide wissen, ob es nicht eine Nummer kleiner geht. Etwas Kleineres hatte der Immobilienvermittler aber nicht im Angebot. So wurde es das ganze Mühlengut.

Im Gegensatz zum intakten Wohnhaus waren die anderen Gebäude auf dem Gelände teilweise arg mitgenommen. Jahrelang war nichts an ihnen passiert – außer, dass der Zahn der Zeit genagt hatte. „Wir wussten schon, dass wir die Gebäude in irgendeiner Art und Weise sanieren wollen, aber einen genauen Plan hatten wir nicht“, erinnert sich Torsten Halang.

So sieht die Röhrbornmühle von hinten aus. Das Gewässer ist der Mühlgraben.
So sieht die Röhrbornmühle von hinten aus. Das Gewässer ist der Mühlgraben. © Eric Weser
Die alte Mühlentechnik wurde im Zuge der Sanierungsarbeiten gesichert.,
Die alte Mühlentechnik wurde im Zuge der Sanierungsarbeiten gesichert., © Eric Weser

Den Plan musste die Familie schließlich beinahe notgedrungen entwickeln. Die alten Mühlengebäude fingen an, massiv zu bröckeln. „In einer Nacht ist eine komplette Wand mit einem Kubikmeter Steinen heruntergefallen“, schildert Torsten Halang eine Begebenheit am Gebäude zwischen Wohnhaus und Mühlenturm. „Wir mussten anfangen, etwas zu tun, weil das Gebäude sonst eingestürzt wäre.“

Seitdem hat sich viel getan. Die kaputten Gebäudeteile wurde mithilfe von Fachfirmen rückgebaut, darin befindliche alte Mühlentechnik mit einem Kran herausgehoben und eingelagert. Dann begann der Wiederaufbau. Inzwischen ist das Gebäude so gut wie fertig und auch bewohnt. Torsten Halangs Schwiegereltern sind eingezogen. Auch seine Eltern werden voraussichtlich noch mit auf den Mühlenhof ziehen.

Das andere an den Mühlenturm grenzende Gebäude ist derzeit noch im Umbau. Auch dort soll bald gewohnt werden können. Bis Ende dieses Jahres sollen alle der insgesamt vier neuen Wohnungen auf dem Mühlenhof fertig sein.

Die Wohnbereiche sind dabei alle in den oberen Etagen angesiedelt. Im Erdgeschoss gibt es nur Funktionsräume, etwa zum Abstellen von Fahrrädern. Schließlich sei man im Überflutungsgebiet, sagt Torsten Halang, der das Hochwasser 2013 selbst vor Ort miterlebt hat.

Dass sich für alle Wohnungen in der Mühle Mieter finden werden, da ist der 41-jährige Bauherr optimistisch. Es gebe bereits Anfragen. Schließlich sei ja auch die Wohnlage sehr schön, sagt Torsten Halang, der aus dem Erzgebirge stammt, nach eigenem Bekunden auch selbst gern in Altriesa lebt. „Wir sind zugezogen und glücklich.“ Riesa biete Lebensqualität, gerade für Menschen mit einem guten Job. Ein manchmal schlechter Ruf, der Riesa vorauseile, sei ungerechtfertigt. Alles sei gut zu erreichen, es gebe eine gute Auswahl an Bildungsmöglichkeiten, findet der dreifache Familienvater.

Lobende Worte hat Torsten Halang aber nicht nur für die Stadt, sondern auch für die Stadtverwaltung. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtbauamt sei super gewesen, sagt er mit Blick auf das Bauprojekt in der Mühle. Auch zum Stadtmuseum und dem Stadtarchiv, über die die Familie viele Informationen zur langen Historie ihrer Mühle bekommen haben, gibt es einen guten Kontakt.

Der Stadt etwas zurückgeben wollen die Mühlenbesitzer deshalb gern. Beim Tag des offenen Denkmals hat die Röhrbornmühle schon mal mitgemacht – das soll sich wiederholen. Wenn die Bauarbeiten so weit beendet sind, könnte auch ein Wunsch der Mondscheinführungs-Organisatoren in Erfüllung gehen und die Mühle bei einer künftigen Ausgabe als Kulisse dienen. Für Torsten Halang und seine Familie ist es ein erklärtes Ziel, die Mühle in Zukunft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dafür ist zum Beispiel ein Raum im Erdgeschoss des sanierten Mühlengebäudes vorgesehen, in dem man alte Technik sehen kann.

Bis es so weit ist, gibt es beim Bau auf dem Mühlenhof noch einiges zu tun. Wie sich die Dinge entwickeln, können Interessierte womöglich beim Vorbeifahren an der Röhrbornmühle beobachten.

Auszug aus der Historie der Röhrbornmühle (Quelle)

  • um 1560 erbaut
  • 1748 kaufte Johann Gottfried Röhrborn aus Thellwitz bei Wurzen für 1.415 Gulden beide Mühlen
  • 1922 wird der Elevatorturm errichtet
  • 1959 endet nach mehr als 400 Jahren die Zeit des Mehlmahlens in der Röhrbornmühle, es wird nur noch Futter hergestellt
  • 1980 findet mit dem Tod von Kurt Röhrborn die Brückenmühlen-Tradition ihr Ende
  • 1992 wird das Anwesen verkauft, der neue Besitzer baut Wohnhaus und saniert den Turm teilweise, während die übrigen Gebäude weiter verfallen

» Mehr lokale Nachrichten – aus Riesa, Großenhain, Meißen, Radebeul

Mehr zum Thema Riesa