merken
PLUS Riesa

Erst neue Schranke, dann Sackgasse

Die Bahn plant an der Moritzer Straße eine Personenunterführung. Für Kraftfahrzeuge ist dann endgültig kein Durchkommen mehr.

So könnte die geplante Eisenbahnüberführung an der Moritzer Straße einmal aussehen.
So könnte die geplante Eisenbahnüberführung an der Moritzer Straße einmal aussehen. © DB Netz AG

Zeithain. Ist es Bürgernähe oder Verschwendung von Steuergeldern? Ein Bauvorhaben der Deutschen Bahn im Zuge des ICE-Streckenausbaus von Zeithain nach Riesa, der 2028 beginnen soll, sorgt für unterschiedliche Meinungen.

Die Bahn plant an der Moritzer Straße auf der Bahnstrecke Dresden-Leipzig eine Personenunterführung. Das bedeutet: einen schmalen Tunnel unter der Gleisanlage. Das bestätigt eine Bahnsprecherin auf Anfrage der SZ.

Anzeige
Fit und ohne Erkältung durch den Winter
Fit und ohne Erkältung durch den Winter

Nicht nur ein gesunder Lebensstil, auch ein Griff in die Phytothek kann dabei helfen, den Körper zu stärken. Professionelle Beratung gibt es in den StadtApotheken.

Bislang können auch Kraftfahrzeuge den dortigen Bahnübergang passieren. Die Bahn zog eine komplette Schließung in Erwägung, weil es nach der Fertigstellung der ICE-Strecke zwischen der Landeshauptstadt und der sächsischen Messestadt keine ebenerdigen Bahnübergänge mehr geben darf.

Die Gemeinde Zeithain hat die vorzeitige Schließung hinausgezögert. Der ehemalige Bürgermeister und jetzige Landrat Ralf Hänsel (parteilos) setzte sich für die Nachbarn des Kieswerks an der Moritzer Straße ein. Er handelte mit der Bahn eine Übergangslösung aus.

Eine halbe Million Euro für Übergangslösung

Danach soll der jetzige Bahnübergang neu ausgebaut werden. Doch statt der herkömmlichen Schranken, die sich bei jedem Zug schließen und danach wieder öffnen, soll eine Knopfdruck-Schranke entstehen. Das bedeutet, dass die Schranken meistens geschlossen sind und sich erst per Knopfdruck öffnen, vorausgesetzt, dass kein Zug kommt.

Rund eine halbe Million Euro soll der Bau der neuen Schrankenanlage kosten. Die Deutsche Bahn und die Gemeinde Zeithain haben am 4. November eine entsprechende Kreuzungsvereinbarung unterschrieben. Seit dem 9. November befindet sich diese nun beim Sächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) in Leipzig zur Prüfung und Genehmigung des Bundesanteils, so die Bahnsprecherin. Schon in diesem Jahr soll die Knopfdruck-Schranke gebaut werden und voraussichtlich im September fertig sein.

Dass die neue Schrankenanlage bereits in wenigen Jahren wieder stillgelegt wird, kalkuliert die Bahn ein. Denn mit Baubeginn des letzten Teilabschnitts Riesa-Zeithain fallen ohnehin alle Bahnübergänge für immer weg. Wann genau das ist, lasse sich so früh in der Projektierungsphase noch nicht sagen. "Frühestmöglicher Baubeginn des Projekts Eisenbahnknoten Riesa ist im Jahr 2028. Da dann aber zunächst bauvorbereitende Maßnahmen anstehen, ist mit einer Schließung des Bahnübergangs erst in den folgenden Jahren zu rechnen", so die Bahn.

Anwohner müssen einverstanden sein

Die Planung und Realisierung des Ausbaus der Strecke Leipzig–Dresden sei sehr komplex. "Dabei ist es unvermeidlich, dass an den Planungsgrenzen Schnittstellen und Zwischenzustände zu benachbarten und zeitlich nachfolgenden Projektabschnitten eingerichtet werden müssen", sagt die Pressesprecherin. Der Bahnübergang Moritzer Straße resultiere aus einer solchen Schnittstelle.

Bei einer Informationsveranstaltung per Internet-Videokonferenz Anfang Dezember verrieten die Prokjektmanager, dass auch die Variante in Betracht gezogen würde, den Bahnübergang ab 2028 ersatzlos zu beseitigen. "Diese Möglichkeit stellt im jetzigen Stadium vielmehr eine Idee dar", betont die DB-Sprecherin. "Diese ist nur dann möglich, wenn mit den betroffenen Anwohnern Einvernehmen hergestellt werden kann." Dazu hätten bereits erste Gespräche mit betroffenen Anwohnern stattgefunden. "Ohne deren Einvernehmen wird auch zukünftig ausschließlich die aktuell geplante Variante mit Personenunterführung weiter geplant." Auf alle Fälle wird die Moritzer Straße für Kraftfahrzeuge eine Sackgasse. Das steht jetzt schon fest.

Aber warum erst eine halbe Million Euro für einen neuen Bahnübergang verschwenden, wenn er in spätestens zehn Jahren wieder abgerissen wird? "Die Variante, den Bahnübergang heute schon zu schließen und damit die notwendigen Anpassungen zu vermeiden, hätte eine sofortige Ersatzlösung für die betroffenen Anwohner erfordert", sagt die Bahnsprecherin. "Aufgrund der mit dem Ausbau auf 200 km/h vorgesehenen Änderungen der Gleislage kann diese jedoch nicht vorab hergestellt werden."

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa