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Neuer Ort für Nünchritzer Ticketautomat

Bahnreisende können sein Display nicht immer deutlich erkennen. Deshalb soll er umgestellt werden. Aber hilft das?

Neben dem Treppenaufgang zum Nünchritzer Bahnhaltepunkt steht der Fahrkartenautomat, der wieder mal für Schlagzeilen sorgt.
Neben dem Treppenaufgang zum Nünchritzer Bahnhaltepunkt steht der Fahrkartenautomat, der wieder mal für Schlagzeilen sorgt. © Klaus-Dieter Brühl

Nünchritz. Manchmal dauert es eben, bis man den richtigen Ansprechpartner gefunden hat. Vor allem, wenn es sich dabei um ein riesiges Unternehmen mit vielen nachfolgenden Tochtergesellschaften und Abteilungen handelt wie bei der Deutschen Bahn AG. Diese Erfahrung hat der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) machen müssen.

Ende Juli 2019 wandte er sich an die Bahn-Abteilung Kundendialog, um ein öffentliches Ärgernis zu schildern. Er schrieb damals: "Sehr geehrte Damen und Herren, in der letzten Gemeinderatssitzung tauchte ein Problem mit dem Fahrkartenautomaten am Haltepunkt Nünchritz auf. Das Display des Fahrkartenautomaten ist in der späten Abendsonne nicht mehr lesbar. Oft stellen sich mehrere Personen davor zur Schattenbildung, um einem Fahrgast das Lesen zu ermöglichen. Nach der Debatte im Gemeinderat habe ich es selbst mit meiner Frau getestet und musste den Gemeinderäten recht geben."

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Die Vorschläge der Gemeinderäte zur Abhilfe reichten vom Drehen des Automaten bis zur einfachen Variante, vor den Fahrkartenautomaten eine Werbetafel der Bahn zu errichten, damit genügend Schatten da ist.

Barthold schrieb damals weiter: "Da unsere Bahnstrecke in naher Zukunft ausgebaut wird und der Automat sowieso versetzt wird, wäre eine preiswerte Zwischenvariante die beste Lösung. Ich würde mich über eine zeitnahe Rückantwort freuen, um den Gemeinderat über die geplanten Maßnahmen in Kenntnis setzen zu können. Mit freundlichen Grüßen Gerd Barthold."

Erste Antwort von einem Computer

Noch am gleichen Tag erhielt er eine automatische Antwort: "Vielen Dank für Ihre Nachricht. Wir werden uns schnellstmöglich mit Ihnen in Verbindung setzen und Ihre Anfrage gerne beantworten."

Tatsächlich meldete sich im darauffolgenden August 2019 kein Computer, sondern eine echte Bahn-Mitarbeiterin von der Abteilung Kundendialog. Sie bedankte sich höflich für die "Anregung" und versprach, Bartholds Anfrage an den verantwortlichen Fachbereich weiterzuleiten. Doch schon damals ergänzte sie: "Ob eine Umsetzung Ihres Vorschlages zeitnah möglich ist, müssen wir an dieser Stelle offenlassen."

Die Zeit verging. Aber kein Fachbereich der Bahn meldete sich beim Nünchritzer Bürgermeister. Im Oktober 2019 fragte er bei der Pressestelle der Bahn nach. Denn die Nachfragen im Gemeinderat zu dem Fahrkartenautomaten rissen nicht ab. Immerhin gab es sofort eine Antwort. Die DB Vertrieb GmbH in Berlin sei dafür zuständig. Auch die Adresse und eine kostenlose Telefonnummer wurden genannt.

In den vergangenen Jahren war der Fahrkartenautomat am Nünchrítzer Bahnhaltepunkt schon zweimal in den Nachrichten. Beide Male, weil ihn Unbekannte gesprengt hatten, um an das Geld zu gelangen.
In den vergangenen Jahren war der Fahrkartenautomat am Nünchrítzer Bahnhaltepunkt schon zweimal in den Nachrichten. Beide Male, weil ihn Unbekannte gesprengt hatten, um an das Geld zu gelangen. © Sebastian Schultz

Barthold hoffte nun, dass er endlich Hilfe oder zumindest nähere Informationen zum Stand der Dinge erhält. Leider nicht. Deshalb wandte er sich an die SZ. Sie fragte bei der Pressestelle der Deutschen Bahn in Leipzig nach, ob man den Nünchritzer Fahrkartenautomaten wegen der ungünstigen Lichtverhältnisse nicht umdrehen könnte.

"Mit einfach mal umdrehen, ist es nicht getan", sagte ein Bahnsprecher. Es müsse ein neues Fundament gebaut und das alte abgerissen werden. Zudem muss auch die Verkabelung neu verlegt werden.

Ein paar Wochen konnte der Bahnsprecher erste Ergebnisse nennen. Die Bahn habe die Kosten für einen neuen Stellplatz des Fahrkartenautomaten grob überschlagen und rechnet mit rund 8.500 Euro. Diese Kalkulation gelte aber für die derzeitigen Preise auf dem Bau, so der Bahnsprecher. In ein paar Jahren können sie ganz anders sein. Und das sie sinken, damit rechnen die wenigsten Experten.

Umbau kostet voraussichtlich 8.500 Euro

Wie der Bahnsprecher weiterhin mitteilte, sei außerdem noch offen, wer das Ganze bezahlen soll. 8.500 Euro sind auch für Bahn kein Klacks. Grundsätzlich gelte die Regel: Wer bestellt, muss auch bezahlen. Es sei noch zu klären, ob der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) die Kosten übernimmt oder die Bahn. - Das war der Informationsstand vom Herbst.

Mittlerweile haben die ersten Vorarbeiten zum Ausbau des Bahnstreckenabschnitts Zeithain-Leckwitz, den Barthold in seinem ersten Schreiben an die Bahn erwähnte, begonnen. Und im Zuge dessen soll es auch eine Lösung für den Nünchritzer Fahrkartenautomaten geben. Er soll einen neuen Standort erhalten, wo das Display auch bei tiefstehender Abendsonne sichtbar ist.

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