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Riesaer Bahnhof wie ausgestorben

Bis Dienstagabend dauert noch die Vollsperrung der Bahnstrecke Riesa-Priestewitz an.

An den Gleisen 1 bis 3 stehen weder ICE noch Regionalexpress. Bis Dienstag ist auf dem Riesaer Bahnhof nicht viel los.
An den Gleisen 1 bis 3 stehen weder ICE noch Regionalexpress. Bis Dienstag ist auf dem Riesaer Bahnhof nicht viel los. © Jörg Richter

Riesa. Kurz nach 9 Uhr im Riesaer Bahnhof. Der morgendliche Hauptandrang ist durch. Die Bahnsteige sind verlassen. Eine fast schon gespenstische Stille liegt über den Gleisen. Nur eine Stimme ertönt aus den Lautsprechern und weist auf den Schienenersatzverkehr hin. Doch keiner ist da, es zu hören.

Auch im Bahnhofsgebäude ist nicht viel los. Zwei Leute stehen am Fahrkartenschalter. Der Bäcker hat zwar auf, aber an diesem Tag wird er nicht viel verkaufen. In der Halle haben es sich drei Bahnkunden auf den Plastiksitzen bequem gemacht, natürlich im gebührenden Abstand. Sie sind leise.

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Ein älterer Herr am Eingang, der zu den Gleisen führt, ist es ganz und gar nicht. Er schimpft wie ein Rohrspatz. "So etwas gibt es nur in diesem Staat", wiederholt er immer wieder. Offenbar ist er von der Vollsperrung zwischen Zeithain und Priestewitz überrascht worden und stinksauer, dass es an diesem Tag keinen Zug von Riesa nach Dresden gibt. Auch über die angeblich fehlende Information zum Schienenersatzverkehr wettert er. Dabei ist diese ausgehängt: Seine Begleiterin liest sie im Schaukasten. Die Frau kann den Mann etwas beruhigen, denn sie weiß, in einer Viertelstunde kommt der von der Deutschen Bahn gecharterte Bus und bringt sie nach Priestewitz, wo beide in den nächsten Zug nach Dresden einsteigen können.

Der Mann und seine Begleiterin verlassen die Bahnhofshalle in Richtung Busbahnhof. Jetzt tritt wieder Ruhe ein. Auf der automatischen Anzeige mit den Ankunfts- und Abfahrtszeiten sind nur zwei Städtenamen zu lesen: Leipzig, Chemnitz, Leipzig, Chemnitz, Leipzig. Das geht hier seit Freitagabend so.

Ab Mittwoch geänderte Fahrzeiten

Bis Dienstagabend fahren von Riesa aus keine Züge in Richtung Dresden oder Elsterwerda. Die Deutsche Bahn will in dieser Woche damit beginnen, das erste Gleis zwischen Zeithain und Leckwitz abzureißen. Dafür ist es notwendig, am Zeithainer Stellwerk Veränderungen durchzuführen, was auch den Zugverkehr nach Elsterwerda beeinträchtigt.

Der Neubau des ersten Gleises soll bis April 2023 dauern. So lange wird der Zugverkehr zwischen dem Bogendreieck Zeithain und dem Abzweig Leckwitz eingleisig erfolgen. "Während der Zeit des eingleisigen Betriebs fahren die Züge des Fern- und Regionalverkehrs mit geänderten Abfahrts- und Ankunftszeiten", teilt die Bahn mit. Alle Fahrplan-Anpassungen sind online im DB Navigator und unter bahn.de hinterlegt. "Die Züge der Regional-Express-Linie 50 halten in dieser Zeit nicht in Radebeul Ost", heißt es in einer Pressmitteilung.

Mancher Pendler ist darüber nicht erfreut. "Die Bahn nutzt den Bau, um den Halt in Radebeul Ost nicht mehr mit dem RE 50 zu bedienen", schreibt ein SZ-Leser, der aus beruflichen Gründen zwischen Riesa und Radebeul pendelt. "Die größte Stadt im Landkreis wird quasi vom Fernverkehr der Bahn abgehangen", ärgert er sich und vermutet, dass der Bahnbau bei Riesa nur vorgeschoben ist.

"Der RE 50 ist bestellter Verkehr", entgegnet eine Pressesprecherin der Bahn. "Damit entscheidet der Zweckverband, welche Halte angefahren werden." In diesem Fall ist es der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO).

Spätestens Dienstag 18 Uhr soll die aktuelle Vollsperrung aufgehoben werden. Nach Rücksprache mit der Bauüberwachung vor Ort liegen die Arbeiten voll im Plan. "Wir können also davon ausgehen, dass auch die Freigabe für Dienstag erfolgen kann", so die Bahnsprecherin.

Dann können auch Fußgänger und Radfahrer wieder den Bahnübergang am Glaubitzer Bahnhof passieren. Dagegen bleibt der zweite Glaubitzer Bahnübergang an der Poststraße für immer dicht. Wie Passanten berichten, sind die Schranken am Wochenende bereits abgebaut worden.

Die Deutsche Bahn will bis Juli 2025 die Strecke Zeithain-Leckwitz für die ICE-Geschwindigkeit von 200 km/h ausbauen. Mit dem Fahrplanwechsel 2026 soll das möglich sein. Diese Baumaßnahme ist der vorletzte Abschnitt im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nummer 9. 2028 soll der Bau des letzten Teilstückes beginnen. Dann werden der Bahnhof Riesa sowie die Gleisanlagen bei Röderau modernisiert.

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