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Nünchritzer Bürgermeister gratuliert seiner Nachfolgerin

So lief der Wahlabend für die künftige Rathauschefin Andrea Beger ab. Erst sehr spät erfährt sie von ihrem ungeahnt deutlichen Sieg.

Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) war einer der ersten Gratulanten, die Andrea Beger zum Wahlsieg beglückwünschten.
Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) war einer der ersten Gratulanten, die Andrea Beger zum Wahlsieg beglückwünschten. © Sebastian Schultz

Nünchritz. Am Morgen nach dem Wahlsieg ist Andrea Beger immer noch sprachlos. Dass sie mit rund 72,7 Prozent der gültigen Stimmen so deutlich gewinnt, macht sie fast verlegen. Damit hatte sie nicht gerechnet, eher mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Jürgen Schmidt von der SPD.

Zu den ersten Gratulanten zählte der amtierende Bürgermeister Gerd Barthold (CDU). Er ließ es sich nicht nehmen, noch am Wahlabend vom Rathaus nach Leckwitz zu fahren, um seiner Nachfolgerin persönlich zu gratulieren. Da war es bereits kurz nach 23 Uhr.

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Andrea Beger hatte an diesem Tag Besuch. Doch es war keine Wahlparty, die da im Garten gefeiert wurde, sondern der nachträgliche Geburtstag ihres Mannes Hagen. Dieser ist eigentlich Anfang September. "Aber wegen meiner vielen Wahlkampftermine sind wir nicht dazu gekommen, ihn zu feiern", sagt die 45-Jährige. Deshalb stand am Sonntag ihr Mann im Mittelpunkt, auch wenn die Bürgermeisterwahl sicherlich auch ein Thema war.

Kegelfreundin überbrachte erste Wahl-Info

Viele der Freunde, die geladen waren, hatten Andrea Beger beim Verteilen der Handzettel geholfen. Sie brachten ihre Kinder mit, weshalb es bereits weit vor dem Schließen der Wahllokale sehr lustig auf dem Grundstück der Familie Paust/Beger zuging.

Erst nachdem die Sonne untergegangen war, trudelten langsam die ersten zaghaften Informationen zum Wahlausgang ein. Mitspielerinnen aus Andrea Begers Kegelmannschaft vom TSV Merschwitz, für den sie auch seit zwei Jahren im Nünchritzer Gemeinderat sitzt, hatten das Auszählen der Stimmen in der Wackersporthalle mitverfolgt. Hier erreichte die Leckwitzerin 71,3 Prozent der gültigen Stimmen.

Das war schon ein Ausrufezeichen, zumal sich Jürgen Schmidt in seinem Heimatort einen größeren Zuspruch erhoffte. Immerhin ist er langjähriger Gemeinderat und seit über 20 Jahren Vorsitzender des hiesigen Spielmannszuges. Wegen seines größeren Bekanntheitsgrades hatte ihn auch Andrea Beger in Nünchritz in der Favoritenrolle gesehen.

Gegen 21 Uhr tauchte eine TSV-Wahlbeobachterin bei Familie Beger auf und überreichte eine Blume. Da allerdings noch als Glückwunsch für einen engagierten Wahlkampf. Denn entschieden war zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

Jeder Dritte mit Briefwahl

Auch die Ergebnisse aus den anderen drei Wahllokalen sprachen für die studierte Sozialarbeiterin, die mehrere Jahre im Landratsamt Meißen arbeitete und seit drei Jahren im Familienamt der Stadt Meißen tätig ist. Im zweiten Nünchritzer Wahllokal, in der Kita "Kinderland", votierten 70,1 Prozent für Andrea Beger. Noch deutlicher fiel ihr Ergebnis in Weißig (82,9 Prozent) und Merschwitz (82,1 Prozent) aus.

Dennoch hielt sich Gemeindewahlleiter Ullrich Matthess mit einer Prognose zurück, solange nicht die Stimmen der Briefwähler ausgezählt waren. Immerhin jeder dritte Nünchritzer, der von seinem Wahlrecht Gebrauch machte, hatte sich für die Briefwahl entschieden.

Doch auch wenn alle 1.146 Briefwähler - davon waren 15 Stimmen ungültig - für Jürgen Schmidt gestimmt hätten, stand die Wahlsiegerin nach der Auszählung der vier Wahllokale schon fest. Andrea Beger hatte bis dahin bereits 1.802 Stimmen auf sich vereint. Am Ende wurden es 2.547 Stimmen. Für Schmidt votierten insgesamt 959 Bürger.

Immerhin kann der Fraktionschef der Nünchritzer Sozialdemokraten für sich beanspruchen, dass er mit rund 27,4 Prozent ein deutlich besseres Ergebnis für seine Partei eingefahren hat, als die SPD in der Gemeinde Nünchritz bei der gleichzeitig ausgetragenen Bundestagswahl einheimsen konnte. 18,4 Prozent fielen hier auf die Bundes-SPD um Kanzler-Kandidat Olaf Scholz.

Wie in allen anderen Kommunen des Landkreises Meißen ist die AfD bei der Bundestagswahl auch in Nünchritz die stärkste Partei gewesen. Mit 30,9 Prozent ist der Vorsprung der Alternative für Deutschland vor der SPD und den anderen Parteien deutlich. Die CDU kommt auf 17,5 Prozent, die FDP auf 10,7 Prozent, die Linke auf 8,6 Prozent und die Grünen auf 3,7 Prozent.

Dass die Sozialdemokraten kreisweit ihr viertbestes Ergebnis eingefahren haben, ist sicherlich auch dem engagierten Wahlkampf von Jürgen Schmidt und seinen hiesigen Genossen zu verdanken. Im Gegensatz zur Bundes-SPD verzichtete der Ingenieur aber gänzlich auf Wahlplakate für seinen eigenen Wahlkampf. Möglicherweise war das eine Fehlentscheidung. Vielleicht wäre dann die Nünchritzer Bürgermeisterwahl knapper ausgefallen.

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