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Brückenbau gibt Rätsel auf

Die angekündigte Baudauer beim Projekt an der Poppitzer Landstraße sorgt für Verwunderung. Aber nicht nur das.

Wo bis vor wenigen Tagen eine Brücke stand, klafft jetzt an der Poppitzer Landstraße ein Loch. Hier soll nun die neue Querung über die Jahnaflutrinne entstehen. Dass es noch Monate dauern wird, bis alles fertig ist, findet mancher unverständlich.
Wo bis vor wenigen Tagen eine Brücke stand, klafft jetzt an der Poppitzer Landstraße ein Loch. Hier soll nun die neue Querung über die Jahnaflutrinne entstehen. Dass es noch Monate dauern wird, bis alles fertig ist, findet mancher unverständlich. © Eric Weser

Riesa. So ruhig wie im Moment ist es selten an der Staatsstraße 87 zwischen Riesa und Poppitz. Nur vereinzelt fahren Autos dort entlang, wo sonst reger Verkehr ist. Grund ist der Brückenbau auf der Strecke. Weil die Stadt das sogenannte Bauwerk 15 ersatzweise neu bauen lässt, müssen viele Autofahrer auf Umleitungen ausweichen. Sehr zur Freude mancher Anwohner in Altriesa und Poppitz, die auch mal ganz gut mit weniger vorbeibrausenden Autos leben können.

Und das werden sie auch noch für einige Monate. Angekündigt ist, dass die Straßensperrung für den Brückenbau bis 25. Oktober bestehen wird.

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Der monatelange Bau- und Sperrzeitraum sorgt bei manchem für Unverständnis. Eine Riesaerin hat sich jetzt mit der Frage an sächsische.de gewandt, warum alles so lange dauert. Ihrer Meinung nach könnte alles viel schneller gehen. Technisch sei das möglich, habe ihr ein Verwandter gesagt, der in einem Unternehmen arbeitet, das Betonfertigteile herstellt. Würden Fertigteile für die Brücke verwendet, könnte alles binnen Wochen erledigt sein und der Verkehr wieder wie gewohnt auf der S 87 rollen.

Was die Anwohnerin an dem Projekt außerdem kritisiert: Dass neben der jetzt im Bau befindlichen Brücke nicht auch gleich die andere baufällige Querung über die Jahna mit saniert wird, die nur wenige Meter entfernt kurz vom Ortseingang Poppitz liegt. Damit hätte die Straßensperrung samt Umleitungsverkehr nur einmal sein müssen, sagt die Ruheständlerin. So aber stehen irgendwann wieder monatelange Sperrungen und Umleitungen an.

Beide Brückenmaßnahmen sind städtische Projekte. Zur Bauzeit sagt Stadtsprecher Uwe Päsler auf Nachfrage, diese sei vom beauftragten Planungsbüro "auf der Grundlage von Erfahrungswerten mit ähnlichen Bauwerken festgelegt und mit der Baufirma vertraglich vereinbart." Teil von deren Angebot sei immer auch die Technologie. "Als Standardbauweise für Brücken dieser Größe wurde bei der Planung aus wirtschaftlichen Gründen die so genannte Ortbetonbauweis gewählt", so der Stadtsprecher. Dabei werde die Brücke aus sogenanntem Frischbeton hergestellt, der vor Ort in eine Schalung eingebaut wird. "Die alternative Fertigteilbauweise führt im Allgemeinen zu deutlich höheren Baukosten."

Dass nicht beide baufälligen Brücken in einem Rutsch erneuert werden, hatte die Stadt bereits Ende 2020 mit Verweis auf die Finanzen erklärt. "Natürlich wäre eine 'Großaktion' mit beiden Brücken insofern geeigneter, dass man nur einmal sperren müsste", hatte der Rathaussprecher damals eingeräumt. Eigenmittel der Stadt seien in dem erforderlichen Umfang aber aktuell nicht darstellbar. Im Riesaer Haushalt ist die Jahnabrücke für das Jahr 2022 eingeplant.

Ob sie tatsächlich nächstes Jahr gebaut werden kann, ist derzeit ungewiss. Hintergrund ist laut Stadtsprecher Uwe Päsler die Fördermittelvergabepraxis des Dresdner Verkehrsministeriums. Demnach wird dort aktuell kein Fördergeld für Neuprojekte vergeben, sondern bis Ende 2022 erst einmal der aufgelaufene Projektbestand abgearbeitet.

Zu diesem Bestand gehört die Jahnabrücke aber nicht, weil dafür noch keine Fördermittel beantragt sind. Das beauftragte Ingenieurbüro sei derzeit mit der Vorplanung beschäftigt. Fördergelder können aber erst in einer späteren Planungsphase beantragt werden, wenn Eckpunkte wie Kosten oder Bauumfang genauer feststehen. Von der Dimension her sei das Jahnabrücken-Projekt aber ähnlich wie das aktuell laufende Brückenbauprojekt. Dessen reine Baukosten belaufen sich auf etwa 350.000 Euro.

Unterdessen sorgt die Brückenbaumaßnahme auf den offiziellen Umleitungsstrecken als auch inoffiziellen Schleichwegen für deutlich mehr Verkehr. "Es ist extrem laut geworden, abgesehen von der Menge der Autos und Lkw", wandte sich eine Anwohnerin bereits kurz nach Einrichtung der Umleitung per Facebook an Autofahrer und erinnerte daran, dass auf der Großenhainer Straße an der Stadthalle "Stern" Tempo 30 gilt.

Doch viele Fahrer sind offenbar schneller unterwegs. Nicht nur in Altriesa. Auch im Ortsteil Poppitz, durch den auch viele Ortskundige fahren, anstatt die offizielle, aber weiträumigere Umfahrung über Leutewitz, Schänitz, Boritz und Heyda zu nutzen, die über zwei Kreisstraßen führt.

Die Ordnungsbehörden haben den Verkehr auf den Umleitungsstrecken aber anscheinend auf dem Schirm: So kontrolliere die Polizei des Öfteren am Reiter. Die Stadtverwaltung hat laut Stadtsprecher Uwe Päsler kürzlich zudem an der Moritzer Straße am Poppitzer Spielplatz kontrolliert, wo ebenfalls Tempo 30 gilt. Ergebnis dabei: 64 Verstöße.

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