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Aus Afghanistan zurück nach Zeithain

Die Fahrzeuge der deutschen Schutzgruppe sind in der hiesigen Bundeswehrkaserne erst einmal gründlich überprüft worden.

Kasernenfeldwebel Tassilo Heinrich steht vor einem der gepanzerten Fahrzeuge, die vom ISAF-Einsatz aus Afghanistan zurück nach Deutschland gekommen sind.
Kasernenfeldwebel Tassilo Heinrich steht vor einem der gepanzerten Fahrzeuge, die vom ISAF-Einsatz aus Afghanistan zurück nach Deutschland gekommen sind. © Sebastiam Schultz

Zeithain. Die Bundeswehrkaserne am Rande der Gohrisch-Heide liegt abseits. Passanten kommen hier kaum vorbei. Und wenn sich doch mal jemand hier hinter verirrt, dann kann er seit ein paar Wochen hinter den Zäunen lauter Militärfahrzeuge mit Wüsten-Tarnfarbe sehen. Eine G-Klasse steht neben der anderen. Ein Augenschmaus für jeden, der die kantigen Geländewagen von Mercedes-Benz mag.

Mancher hofft vielleicht sogar, dass der eine oder andere Pkw, der hier steht, in nächster Zeit von der Bundeswehr ausgemustert wird. Doch soweit ist es noch lange nicht, weiß Hauptmann Falk Rosenberg. Er ist der Betriebsführer des Materiallagers Zeithain. Es ist ein Betriebsteil des Bundeswehr-Depots Ost, das seinen Hauptsitz in Utzedel (Mecklenburg-Vorpommern) hat. Das ist auch der Grund, warum auf seiner Felduniform nicht das Sachsenwappen als Ärmelabzeichen dient, sondern der pommersche Greif.

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"Die Fahrzeuge hier stammen fast alle vom Afghanistan-Einsatz", bestätigt Rosenberg. Nur ein paar wenige waren in Mali. Sie sind leicht an der weißen Farbe der UN-Truppen zu erkennen. Auf ein paar der mit Schlämmkreide getarnten Geländewagen klebt noch die Flagge der deutschen ISAF-Truppen in Afghanistan. Auf Schwarz-Rot-Gold ist ein weißer, arabischer Schriftzug zu erkennen. Auf Dari-Persisch, dem Dialekt, der rund um Kabul gesprochen wird, steht da "Deutschland" geschrieben.

So schnell wie möglich wieder einsatzbereit

Der Aufkleber kommt bald ab. Er wird nicht mehr gebraucht, nachdem sich die Bundeswehr und ihre Nato-Partner im Sommer aus dem asiatischen Land Hals über Kopf zurückgezogen haben. Zu dem Einsatz verliert der Hauptmann kein Wort. Das ist nicht seine Aufgabe. Er muss sich darum kümmern, dass die Militärfahrzeuge so schnell wie möglich wieder einsatzbereit sind.

Nicht alle Fahrzeuge, die in Afghanistan dabei waren, sind anschließend nach Zeithain gekommen, aber viele. Insgesamt 59, bestätigt Hauptmann Rosenberg. Und dazu noch etliche Container mit Ausrüstung. Die meisten Geländewagen sind per Flugzeug nach Deutschland transportiert worden. Die Nähe zum Flughafen Halle/Leipzig, wo mehrere Großfracht-Flugzeuge des Typs Antonov stationiert sind und von der Bundeswehr gemietet werden können, ist einer der Gründe, warum es in Zeithain überhaupt noch eine Kaserne gibt.

Bis 2007 gab es in Zeithain noch ein eigenes Bundeswehr-Bataillon mit rund 600 Soldaten, von denen viele beim KFOR-Einsatz im Kosovo dabei waren. Zusammen mit den Zivilangestellten zählten damals insgesamt rund 1.000 Leute zu der hiesigen Kaserne, die für Händler, Bäcker und Dienstleister ein wichtiger Arbeitgeber in der Region war. Das hat sich geändert. Heute arbeiten sechs Soldaten und rund 140 Zivilangestellte in der Kaserne Zeithain.

Auf ein paar der mit Schlämmkreide getarnten Geländewagen klebt noch die Flagge der deutschen ISAF-Truppen in Afghanistan.
Auf ein paar der mit Schlämmkreide getarnten Geländewagen klebt noch die Flagge der deutschen ISAF-Truppen in Afghanistan. © Sebastiam Schultz
Die meisten Fahrzeuge, die in der Zeithainer Kaserne auf ihren nächsten Einsatz warten, haben noch die Wüstentarnung. Doch es sind auch ein paar weiße UN-Wagen darunter.
Die meisten Fahrzeuge, die in der Zeithainer Kaserne auf ihren nächsten Einsatz warten, haben noch die Wüstentarnung. Doch es sind auch ein paar weiße UN-Wagen darunter. © Sebastiam Schultz
Hauptmann Falk Rosenberg ist der Betriebsleiter der Zeithainer Kaserne.
Hauptmann Falk Rosenberg ist der Betriebsleiter der Zeithainer Kaserne. © Sebastian Schultz

Immerhin hat der hiesige Bundeswehr-Standort vor vier Jahren eine sogenannte Struktursicherheitsbescheinigung erhalten. "Das heißt, er bleibt auch in Zukunft erhalten", so Rosenberg.

Das hat auch mit der strategisch wichtigen Lage zu tun. "Zeithain ist der Nabel zur Welt", sagt Oberstleutnant Florian Mahiny. Der Pressestabsoffizier bezeichnet das hiesige Materiallager auch als die Drehscheibe der Bundeswehr im Osten Deutschlands. Von hier gehen viele Fahrzeuge und Container raus zu den Kasernen im Inland und den Einsätzen im Ausland. Und hier kommen sie auch als Erstes wieder rein und werden gründlich überprüft.

So auch die ISAF-Fahrzeuge aus Afghanistan. Sie werden hier grundgereinigt und auf Schäden kontrolliert. Wenn diese groß sind, gehen sie zurück zu den Rüstungsfirmen. Kleinere Reparaturen werden in Zeithain erledigt. Mittlerweile ist der Auftrag für die 59 Afghanistan-Fahrzeuge abgearbeitet. Die hier noch stehen, warten darauf, für nächste Einsätze neu ausgerüstet zu werden, je nachdem, wofür sie gebraucht werden. Das können Führungs-, Pionier- und Sanitätsfahrzeuge oder Truppentransporter sein.

"Vieles ist auch abhängig davon, wie viele Geräte und Fahrzeuge für die Bundeswehr neu angeschafft werden", so Oberstleutnant Mahiny. Dann könne man auch darüber reden, ältere G-Klasse-Modelle zu demilitarisieren und zum Verkauf an Privatleute über die Vebeg, die Verwertungsgesellschaft des Bundes, anzubieten. Doch wie die Bundeswehr in Zukunft ausgerüstet wird, wird sich nach der Bildung der neuen Bundesregierung zeigen.

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