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Corona verzögert Riesas Citymanagement

Eigentlich sollte der Ansprechpartner für die Händler noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen. Doch bisher ist die Stelle nicht einmal ausgeschrieben.

Wer wird es - und zieht der Riesaer Citymanager tatsächlich ins Juweliergeschäft an der Hauptstraße? Viele Fragen im Zusammenhang mit dem Posten sind weiterhin offen.
Wer wird es - und zieht der Riesaer Citymanager tatsächlich ins Juweliergeschäft an der Hauptstraße? Viele Fragen im Zusammenhang mit dem Posten sind weiterhin offen. © Sebastian Schultz

Riesa. Das neue Innenstadt-Management in Riesa wird seine Arbeit voraussichtlich später aufnehmen können, als zunächst erhofft. Das hat Kurt Hähnichen vom Handels-, Gewerbe- und Verkehrsverein (HGV) am Freitag auf Nachfrage bestätigt. Es seien nach wie vor Fragen offen, was die Ausgestaltung der Stelle angeht, die dann beim HGV angesiedelt sein soll. 

Unter anderem betrifft das laut Kurt Hähnichen "die Stundenzahl und konkreten Aufgabenbereiche" des neuen Citymanagers. Inspiration dafür, was der neue Manager für die Innenstadt zu leisten vermag, hatten sich HGV und Stadtverwaltung eigentlich in der Lausitz holen wollen. "Es war eine Reise nach Hoyerswerda geplant gewesen", sagt Hähnichen. Die allerdings musste wegen Corona verschoben werden, weil nacheinander verschiedene Mitglieder der geplanten Riesaer Delegation in Quarantäne mussten, zuletzt Oberbürgermeister Marco Müller selbst. "Ursprünglich wollten wir schon Ende Oktober dort hin", sagt Hähnichen. Ob jetzt ein neuer Termin gesucht werde, sei offen. 

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Stadtrat kritisiert dem Zeitverzug

Warum fast vier Monate nach dem Beschluss, das Citymanagement beim HGV anzusiedeln, noch eine solche Reise aussteht, kann Stadtrat Gunnar Hoffmann nicht nachvollziehen. Das Fraktionsmitglied von Gemeinsam für Riesa hat als Geschäftsführer eines Ladenbauunternehmens viel mit dem Einzelhandel zu tun. Er wundert sich, dass es in Sachen Innenstadt-Management so langsam vorwärts gibt. "Es gab voriges Jahr in Zittau ein großes Treffen von Citymanagern. Da war von Riesa leider niemand da." Anders als übrigens andere Städte, die einen solchen Posten bei sich schaffen wollten. Vertreter aus Großenhain hätten die Veranstaltung beispielsweise genutzt, um sich über die Aufgabenfelder zu informieren. Davon abgesehen sei das Thema nicht völlig neu und auch im Vorfeld schon diskutiert worden. "Eigentlich müssten wir wissen, wie das funktionieren muss. Und im Zweifel fragt man in Großenhain." 

Dass HGV und Stadt gerade Hoyerswerda ins Auge gefasst haben, hängt wohl auch mit der guten Arbeit zusammen, die dort geleistet wird. "Die haben schon viel auf die Beine gestellt. Generell sind die Lausitzer in der Hinsicht sehr fit", bestätigt auch Gunnar Hoffmann. In Hoyerswerda, wo das Citymanagement unter anderem Schaufensterwettbewerbe ausgerufen sowie sich für Park- und Abstellmöglichkeiten für Autos und Fahrräder eingesetzt hat, stehen laut Kurt Hähnichen allerdings auch mehr Mittel zur Verfügung, als das voraussichtlich in Riesa der Fall sein wird. "Die sind relativ großzügig ausgestattet." Man müsse deshalb sehen, was sich tatsächlich auf die Sportstadt übertragen lässt. "Aber wir wollen natürlich auch etwas Zukunftsträchtiges machen." Daher hält Hähnichen die Suche nach Inspiration nicht für verkehrt. 

Was ein Citymanager in Riesa leisten könnte, liegt für Gunnar Hoffmann auf der Hand. "Erst am Freitag wurden die Sieger des Wettbewerbs Ab in die Mitte gekürt. Da hatte sich Riesa diesmal nicht einmal beworben - und das als Titelverteidiger." Einerseits ist Hoffmann, selbst Jurymitglied des Wettbewerbs, davon enttäuscht. Andererseits sagt er auch: Tragfähige Konzepte für diesen Wettbewerb zu entwickeln, "das kann eine Stadtverwaltung alleine nicht leisten". Die häufig auftauchenden Sieger im Städtewettbewerb hätten nicht unbedingt bessere Rahmenbedingungen als Riesa. In diesem Jahr gingen die Preise neben Zittau und Görlitz an Städte wie Lugau, Delitzsch und Oederan. "Die haben die gleichen Probleme wie wir." Aber häufig gebe es da eben einen Citymanager, der auch die Ressourcen habe, sich Gedanken um die Innenstadtentwicklung zu machen. "Oft ist das Fördergeld aus dem Wettbewerb nur das Sahnehäubchen, grundsätzlich steht die Finanzierung dann schon." 

Manager soll Akteure an einen Tisch bringen

Aus Hoffmanns Sicht wäre die wichtigste Aufgabe eines Innenstadtmanagers, die innerstädtischen Akteure zusammenzubringen. "Wir haben da schon zum Beispiel die Werbegemeinschaft Innenstadt und den HGV, die machen das auch nicht schlecht. Aber das gemeinsame Ziel fehlt." Dazu kommen seiner Ansicht nach das Bespielen leerer Ladenflächen und längerfristig die Suche nach neuen Nutzungen für Ladenlokale, für die sich kein Händler findet. "Ein Citymanager sollte auch dafür sensibilisieren, dass die Innenstadt schön ist - für Kunden, aber auch für Leute, die dort hinziehen." Dazu komme noch das Organisieren von Veranstaltungen. "Das macht Riesa aber schon sehr gut. Was in der Stadt los ist, ist nicht schlecht." 

Und anders als etwa der Einzelhändler Ronny Rühle kürzlich im Gespräch mit der SZ, sagt Hoffmann: Die ersten Ergebnisse sollten schon frühzeitig zu sehen sein. "Ein Citymanager muss im Hier und Jetzt arbeiten, man muss schon in den ersten vier Wochen bemerken, dass es ihn gibt - sonst ist er falsch auf der Stelle." In Großenhain beispielsweise habe der neue Manager Alexander Ehrke direkt losgelegt, mehrere Projekte sind schon umgesetzt. "Citymanagement ist wichtig", sagt Gunnar Hoffmann deshalb. Umso wichtiger sei es, dass das Thema nicht auf die lange Bank geschoben wird. 

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