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DB-Schild von Weißiger Bahnhaus vermisst

Es gehörte zu einem der beiden Holzgebäude, die vor Kurzem mit Tiefladern ins Eisenbahnmuseum Chemnitz transportiert wurden.

Dieses Schild der Deutschen Bahn ist am ehemaligen Bahnhofsgebäude in Weißig angebracht. Ein gleiches Schild befand sich auch auf einem der Weißiger Bahnsteighäuser, die jetzt ins Museum gekommen sind.
Dieses Schild der Deutschen Bahn ist am ehemaligen Bahnhofsgebäude in Weißig angebracht. Ein gleiches Schild befand sich auch auf einem der Weißiger Bahnsteighäuser, die jetzt ins Museum gekommen sind. © Jörg Richter

Nünchritz/Chemnitz. Es war wohl das aufregendste Ereignis seit Jahrzehnten in dem kleinen Nünchritzer Ort Weißig. Vor Kurzem wurden am dortigen Bahnhof zwei hölzerne Bahnsteighäuser von einem Autodrehkran angehoben und auf Tieflader gehievt. Ihr Ziel: das sächsische Eisenbahnmuseum in Chemnitz-Hilbersdorf.

Viele solcher historischen Unterstellmöglichkeiten entlang der Bahnstrecken gibt es im Freistaat Sachsen nicht mehr. Deshalb waren zwei Chemnitzer Vereine, die gemeinsam im Hilbersdorfer Museum den Schauplatz Eisenbahn betreiben, sehr an den beiden Weißiger Bahnsteighäusern interessiert.

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"Sie sind wohlbehalten bei uns angekommen", sagt Maximilian Claudius Noack, der Kurator des Schauplatzes Eisenbahn, der im letzten Jahr Teil der Sächsischen Landesausstellung war. "Alles hat geklappt." Die Häuser blieben beim Verladen heil, wurden noch am selben Abend im Konvoi über die B 98 bis Thiendorf und von dort aus über die Autobahnen nach Chemnitz transportiert.

Das längere der beiden Weißiger Bahnsteighäuser wurde geteilt, damit es auf die Tieflader passte. Vor Kurzem wurden sie abgeholt.
Das längere der beiden Weißiger Bahnsteighäuser wurde geteilt, damit es auf die Tieflader passte. Vor Kurzem wurden sie abgeholt. © Sebastian Schultz
Der Konvoi mit insgesamt drei Tiefladern kam auch durch Wildenhain.
Der Konvoi mit insgesamt drei Tiefladern kam auch durch Wildenhain. © undefined
Am nächsten Tag wurden die Weißiger Bahnsteighäuser auf dem Gelände des Sächsischen Eisenbahnmuseums in Chemnitz-Hilbersdorf abgeladen.
Am nächsten Tag wurden die Weißiger Bahnsteighäuser auf dem Gelände des Sächsischen Eisenbahnmuseums in Chemnitz-Hilbersdorf abgeladen. © undefined

Am nächsten Tag wurden sie wieder abgeladen und erhielten ihre neuen Standorte. Dabei fiel den Vereinsmitgliedern auf, dass ein wichtiges Detail fehlt: das Schild der Deutschen Bahn. "Wir sind interessiert daran, die Häuser so original wie möglich zu erhalten", sagt Noack. Und dazu gehöre auch das DB-Schild.

Es befand sich am längeren der beiden Holzhäuser, das am Bahnsteig Richtung Dresden aufgestellt war. Es ist etwa 80 Zentimeter breit und 60 Zentimeter hoch. Ein baugleiches Schild ist in der Gegenrichtung (Dresden-Leipzig) am ehemaligen Bahnhofsgebäude angebracht und noch vorhanden.

"Das Schild, das wir suchen, ist schon länger weg", sagt Noack. Möglicherweise schon seit einem halben Jahr. Der Kunsthistoriker aus Meißen vermutet, dass ein Bahnfreund das Schild in guter Absicht gesichert hat, damit es bei den Bauarbeiten an der Bahnstrecke nicht wegkommt. Nun hoffen er und die beiden Chemnitzer Vereine, dass sich das Schild wieder anfindet.

Der Nachwelt erhalten

Die beiden Weißiger Bahnsteighäuser stehen unter Denkmalschutz. Eigentümer war die Deutsche Bahn, die schon frühzeitig einen Interessenten dafür suchte und im Schauplatz Eisenbahn fand. Die Bahn finanzierte den Transport nach Hilbersdorf und war damit ein Problem los. Das Sächsische Eisenbahnmuseum bekam kostenlos eine neue Attraktion. Eine typische Win-win-Situation für beide Seiten. Auch der Denkmalschutz stimmte zu und dürfte erfreut darüber sein, dass die Gebäude der Nachwelt erhalten bleiben, wenn auch an einem anderen Ort.

Selbst die Einwohner von Weißig-Bahnhof sind glücklich darüber, dass die Bahnsteighäuser nicht einfach abgerissen worden sind. Denn die Älteren von ihnen verbinden manche Kindheitserinnerung damit. Hier zählten sie die Waggons der vorbeifahrenden Dampfloks oder warteten auf den nächsten Zug, der sie zu Ausflügen nach Dresden oder Leipzig fuhr.

Seit letztem Jahr wird hier der Ausbau der ICE-Strecke zwischen Zeithain und Leckwitz vorbereitet. Er soll im September richtig starten. Bis 2025 sollen die Gleise neu verlegt und mehrere Eisenbahnbrücken gebaut werden. Denn die ICE-Richtgeschwindigkeit von 200 km/h macht es erforderlich, dass es keine ebenerdigen Bahnübergänge mehr gibt.

  • Wer Hinweise auf das vermisste Weißiger DB-Schild geben kann, soll sich bitte an den Schauplatz Eisenbahn in Chemnitz-Hilbersdorf unter der Telefonnummer 0371 46400892 oder per E-Mail an [email protected] wenden.

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