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Debatte um geplanten Poliklinik-Bau

Auf einer städtischen Brache am Elbufer soll ein Ärztehaus entstehen. Es gibt Zuspruch – aber auch Einwände. Was die Kommune dazu sagt.

Auf der Freifläche oberhalb der Mauer planen ein Investor und die Elbland-Polikliniken ein Medizinisches Versorgungszentrum.
Auf der Freifläche oberhalb der Mauer planen ein Investor und die Elbland-Polikliniken ein Medizinisches Versorgungszentrum. © Eric Weser

Riesa. Noch wächst Gras auf dem Areal an der Bahnhofstraße. Aber schon in einigen Monaten sollen auf dem ehemaligen Chlorodontfabrik-Gelände die Bagger anrollen. Geplant ist, dass auf der Brache ein Ärztehaus mit neun Praxen entsteht. Die Pläne wurden jetzt im städtischen Verwaltungs- und Finanzausschuss öffentlich. Betrieben werden soll das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) demnach von den Elbland-Polikliniken während ein Ableger der Firma Hentschke Bau aus Bautzen als Investor auftritt, der das Gebäude errichtet.

Das Projekt hat nach dem Bekanntwerden für einige Reaktionen gesorgt. Neben Zuspruch für das Neubauvorhaben gibt es auch kritische Stimmen – vor allem, was den geplanten Standort angeht.

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Auch Riesas OB Marco Müller (CDU) hatte deutlich gemacht, dass aus seiner Sicht die Mudra-Kaserne an der Riesaer Heinestraße die Vorzugsvariante gewesen wäre. Das denkmalgeschützte Gebäude liegt neben der Landratsamts-Außenstelle und gilt als Schandfleck, weil es seit Jahrzehnten verfällt. Verhandlungen über einen Umbau der ungenutzten Mudra-Kaserne in ein MVZ waren aber offenbar wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen bei den Beteiligten gescheitert.

"Guter Ersatz für Konsumtempel"

Während man sich in der Stadtverwaltung, die den Standort an der Elbe vorgeschlagen hat, freut, dass jahrelange Bemühungen für einen neuen Poliklinik-Standort fruchten, sähe manch Riesaer das Objekt woanders im Stadtgebiet besser aufgehoben.

Als Alternative zu dem Grundstück am Elbufer bringt ein Kommentator in den Sozialen Netzwerken die Widmann-Fläche an der Pausitzer Straße ins Gespräch. Das MVZ dort anzusiedeln "wäre doch ein guter Ersatz für den nicht benötigten Konsumtempel dort", schreibt Nutzer Bernd Kühne, der das an der Stelle geplante Einkaufszentrum offensichtlich für unnötig hält. Was aus Sicht von Bernd Kühne für die Widmann-Fläche spricht, ist die ÖPNV-Anbindung. Tatsächlich ist ein Bushalt dort weniger als 100 Meter entfernt.

Im Falle des geplanten Standorts am Elbufer liegen die derzeitigen Bushalte mehrere hundert Meter weit weg – am Puschkinplatz und an der Breitscheidstraße am Fußgängertunnel.

Eine direkte ÖPNV-Anbindung gäbe es auch an einem weiteren Alternativstandort, den ein anderer Nutzer bei SZ Riesa anregt: am Grube-Stadion. Dort ist neben Bushalten und dem Busbahnhof auch der Bahnhof gleich nebenan.

Stadtsprecher Uwe Päsler verweist auf Nachfrage zu möglichen Alternativen darauf, dass die Standort-Entscheidung gefallen ist: "Der Verwaltungs- und Finanzausschuss hat am Dienstag den Grundstücksverkauf beschlossen." Von den angesprochenen Flächen befinde sich etwa das Widmann-Areal zudem nicht im Stadteigentum – und sei deshalb auch nicht für die Stadt verfügbar. Auch läuft derzeit ein Planungsverfahren für ein Einzelhandels-Projekt auf der Freifläche. Auf das Grube-Stadion, das in städtischer Hand ist, geht die Kommune auf Anfrage von sächsische.de nicht ein.

Detailplanungen kommen später

Bleibt die Frage, was mit der Überflutungsgefahr ist, die in etlichen Reaktionen auf das Bekanntwerden des Poliklinik-Projekts am Elbufer thematisiert wird.

Investor Hentschke hatte dazu bereits in verfügbaren Unterlagen deutlich gemacht, das Objekt hochwassersicher errichten zu wollen: Demnach soll das Erdgeschoss des geplanten, nicht unterkellerten Gebäudes 1,40 Meter über den Pegelstand der letzten Flut von 2013 liegen.

Überflutet war das zur Elbe hin etwas abschüssige Grundstück damals allerdings nicht. Das belegen Luftaufnahmen vom Juni 2013. Auch bei der Jahrhundertflut von 2002 stand das Wasser nach Informationen von sächsische.de an der Stelle nur unwesentlich höher; die Rede ist von weniger als zehn Zentimetern über dem 2013er Niveau. Auch 2002 war das designierte Poliklinik-Areal Fotos zufolge nicht überschwemmt. Ebenso weisen die offiziellen Hochwasserkarten des Landes Sachsen das Grundstück nur am Rand als Überschwemmungsgebiet aus. Bis dorthin, wo das Klinikgebäude einmal stehen soll, reicht das Wasser demnach auch bei einem HQ-100-Hochwasser nicht.

Ein Luftbild vom 7. Juni 2013. Das geplante Poliklinik-Gelände im oberen Bildbereich.
Ein Luftbild vom 7. Juni 2013. Das geplante Poliklinik-Gelände im oberen Bildbereich. © Detlev Müller
Eine Aufnahme vom 6. Juni, als das Hochwasser mit 9,40 Meter seinen Scheitel erreichte. Das geplante Poliklinik-Gelände im unteren Bildbereich blieb dennoch trocken.
Eine Aufnahme vom 6. Juni, als das Hochwasser mit 9,40 Meter seinen Scheitel erreichte. Das geplante Poliklinik-Gelände im unteren Bildbereich blieb dennoch trocken. © Feuerwehr Riesa

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Da mit dem Grundstücksverkauf, der knapp 191.000 Euro in die Stadtkasse bringt, der Weg für die neue Poliklinik am Elbufer geebnet scheint, bleibt unter anderem die Frage, wie künftig die Zuwegung dorthin gestaltet werden soll. Die jetzige Zufahrt über die Bahnhofstraße ist vergleichsweise steil, der in einer Kurve gelegene Kreuzungsbereich auch deshalb von unten kommend nicht ganz leicht einzusehen. Einen gesonderten Fußweg gibt es nicht. – Plant die Kommune Änderungen?

Technische Details seien Teil späterer Planungen, erklärt das Rathaus. Offen lässt es auch, ob etwa ein neuer Bushalt in der Nähe des neuen Ärztehauses vorgesehen wird.

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