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Woher kommen die Löcher in den Deichen?

Stellenweise gibt es in den Elbdeichen sichtbare Schäden. Was es damit auf sich hat - und wie die Behörden damit umgehen.

Löcher im Elbdeich bei Promnitz lassen auf einen massiven Mäusebefall schließen. Hier bei Flusskilometer 106 etwa reiht sich ein Mauseloch ans nächste.
Löcher im Elbdeich bei Promnitz lassen auf einen massiven Mäusebefall schließen. Hier bei Flusskilometer 106 etwa reiht sich ein Mauseloch ans nächste. © Klaus Dieter Bruehl

Riesa/Zeithain. Aufmerksame Spaziergänger oder Radfahrer können sie kaum übersehen: die Löcher im Elbdeich zwischen Grödel und Promnitz. SZ-Leserin Birgit Lange macht sich ihre Gedanken über die Schäden in dem Flutschutzbauwerk, welche die Zeithainerin vor allem auf Mäuse zurückführt. Was die Verantwortlichen bei der Landestalsperrenverwaltung (LTV) dazu sagen, möchte sie wissen – speziell zu den Schäden im Elbkilometer-Abschnitt 107 bis 105. Sächsische.de hat sich dazu bei der Behörde erkundigt.

Generell, so LTV-Sprecherin Katrin Schöne, seien die Deiche um Riesa in einem guten Zustand. "Viele Abschnitt wurden in den letzten Jahren instand gesetzt." Als Beispiele nennt die Sprecherin den Flutschutz für Gröba, die Deichstrecke zwischen Riesa und Göhlis und einen Deichabschnitt in Leutewitz.

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Schäden, nicht zuletzt von Menschen verursacht

Der Abschnitt, den Leserin Birgit Lange anspricht, befindet sich nach LTV-Angaben in der sogenannten Gewährleistung. "Für den Abschnitt Promnitz-Überströmstrecke ist für 2021 durch die Baufirma noch eine Pflege auszuführen. Der sich angrenzende Abschnitt bis Moritz ist noch zwei Jahre zu pflegen."

Zum Thema Wühltiere erklärt die Behörde, diese beeinträchtigten durchaus die Tragfähigkeit der Deiche. "Insbesondere bei größeren Grabungen, welche durch Füchse verursacht werden" sei das der Fall. In solchen Fällen müsse der Deich aufwändig geöffnet und wieder fachgerecht aufgebaut werden. Normale Feldmäuse indes würden nicht so tief in den Deich eindringen. "Sie bewegen sich in der Regel in der Mutterbodenschicht."

Nach derzeitiger Einschätzung der LTV sind die angesprochenen Schäden zwischen Grödel und Promnitz auch nicht durch Mäusebefall verursacht, "sondern durch den Menschen." So würden Deichkronen zum Teil sehr stark frequentiert, so dass sich Trampelpfade bilden oder die Grasnarbe komplett verschwinde." Es würden Verbots- und Hinweisschilder ignoriert sowie Absperrungen umfahren und umgangen. "Derzeit würden unter anderem Quadfahrer zu einem immer größeren Problem."

Behörde kontrolliert regelmäßig

Löcher im Elbdeich, wie hier bei Promnitz, sind ein Problem. Doch wer verursacht sie? Mäuse allein sind nach Angaben der Landestalsperrenverwaltung nicht daran Schuld.
Löcher im Elbdeich, wie hier bei Promnitz, sind ein Problem. Doch wer verursacht sie? Mäuse allein sind nach Angaben der Landestalsperrenverwaltung nicht daran Schuld. © Klaus Dieter Bruehl

Doch wie oft kontrolliert die Behörde die Deiche? Das passiere bei den regelmäßigen Unterhaltungs- und Wartungsarbeiten, aber auch vor und nach Ereignissen wie Hochwasser oder Eisgang, erklärt LTV-Sprecherin Katrin Schöne. Hinzu kämen in der Regel jährliche Deichschauen mit weiteren Behörden. Bei der sogenannten Anlagenüberwachung würden durch speziell geschulte Mitarbeiter der LTV Deichbesichtigungen durchgeführt. Dabei werden Abschnitte komplett begangen und deren Zustand protokolliert. Falls sich zeigt, dass es Reparaturen braucht, würden die in den Arbeitsprozess eingeordnet und nach Dringlichkeit abgearbeitet. Die Beseitigung von Tierbauen hat in den letzten Jahren zugenommen, allerdings gehe es dabei nicht um Mäuse, so die LTV-Sprecherin. Generell sei festzustellen, dass sich wegen veränderter klimatischer Bedingungen Schädlinge immer mehr ausbreiten. Auch langanhaltende Trockenheit und die milden Winter der letzten Jahre tragen dazu bei, dass sich Schädlinge vermehren.

Mauslochschließung durch Schafe

Um die Deiche in Schuss zu halten, greift die LTV nach eigenen Angaben zu verschiedenen Maßnahmen. Einige sind pflegerischer Art. So finde eine abschnittsweise Düngung statt. Zweimal im Jahr gebe es eine Grasmahd. Deren Ziel: eine feste und geschlossene Grasnarbe. Das gleiche Ziel verfolge die sogenannte Hutung der Deiche mit Schafen, die auf der Hälfte der Elbdeiche stattfinde. Die Huftiere sollen dabei auch die Mäuselöcher gewissermaßen zutreten – die Behörde spricht von "Trippelversiegelung". Neben der Pflege greift die LTV zudem auf bauliche Maßnahmen zurück, zu denen etwa die normgerechte Deichinstandsetzung gehört. Außerdem würden Deichverteidigungswege angelegt, die die Bauwerke zusätzlich stabilisieren sollen. Teilweise würden auch Innendichtungen in den Deichen eingebaut. Solche Dichtungen gibt es laut Katrin Schöne beispielsweise auch am Deich in Promnitz (Elbkilometer 107 bis 107,3) oder am Deich zwischen den Strehlaer Ortsteilen Görzig und Trebnitz (Elbkilometer 117,6 bis 120,4). Um den Wühltierbefall zu verringern, würden Sitzkrücken aufgestellt, von denen aus Raubvögel Jagd auf die Schädlinge machen können.

Mit Schadnagern habe indes nicht nur die LTV bei ihren Deichen zu kämpfen, sondern auch benachbarte Landwirte auf ihren Feldern. Zu einer Zusammenarbeit hat das nach LTV-Angaben bisher aber anscheinend nicht geführt: Gemeinsame Projekte zur Mäusebekämpfung gebe es derzeit nicht, heißt es auf Nachfrage.

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