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Der den Dampferplatz pflegt

Die einstige Anlegestelle in Riesa wird längst nicht mehr bedient – weckt aber noch immer Emotionen.

Rudolf Schmitz ist Teil der Fachgruppe Elbeschifffahrt Dresden und hat mit weiteren Mitgliedern die alte Anlegestelle herausgeputzt. Ob die Dampfer je wieder regulär in Riesa halten?
Rudolf Schmitz ist Teil der Fachgruppe Elbeschifffahrt Dresden und hat mit weiteren Mitgliedern die alte Anlegestelle herausgeputzt. Ob die Dampfer je wieder regulär in Riesa halten? © Eric Weser

Riesa. Rudolf Schmitz packt kräftig zu. Mit dem Spaten legt der 73-Jährige ein zugewuchertes Pflasterstück am einstigen Dampferlandeplatz frei. Dass die langjährige Anlegestelle zwischen Riesas Elbbrücken nicht unter Gestrüpp verschwindet, ist das Verdienst des Wülknitzers und seiner Mitstreiter von der Fachgruppe Elbeschifffahrt Dresden. 

So sah es 1989 aus: Damals legten die Dampfer noch zwischen Riesas Elbbrücken an. Am rechten Bildrand erkennbar: der alte Mast.
So sah es 1989 aus: Damals legten die Dampfer noch zwischen Riesas Elbbrücken an. Am rechten Bildrand erkennbar: der alte Mast. © Michael Fichte

An der Stelle wieder Hand anzulegen, dazu musste sich Rudolf Schmitz allerdings erst überreden lassen. Denn vor zehn Jahren, erzählt er, habe er den Platz gemeinsam mit einem Bekannten schon einmal aufgeräumt. Ein halbes Jahr Arbeit habe darin gesteckt, die Fläche zwischen beiden Brücken zu säubern.

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Anlass für den großen Putz habe das 175-jährige Jubiläum der Elbdampfer im Jahr 2011 gegeben, bei dem es in Riesa eine kombinierte Fahrt mit Dampfschiff und Dampfeisenbahn geben sollte. Alles sei vorbereitet gewesen. Doch aus der Kombifahrt wurde nichts. Das habe damals an der Bahn gelegen, sagt Rudolf Schmitz.

Nach dieser Enttäuschung sei das Kapitel für ihn für Jahre erledigt gewesen. Bis seine Elbschifffahrts-Freunde ihn kürzlich breitgeschlagen hätten, das wieder zugewachsene Stück Elbufer anzupacken und so die Erinnerung an die Dampfertradition wach zu halten.

Das ist jetzt passiert: Das Grünzeug kam weg. Ein fünf Meter hoher Holzmast vom Wülknitzer Imprägnierwerk wurde aufgestellt und mit Farbe sowie Sachsenflagge versehen. Weiß getüncht wurden auch die großen Steine am Rand der Treppe, die zum Wasser hinabführt. So fällt sie auch von der anderen Elbseite und den Brücken aus auf.

Dass das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bedenken wegen des grün-weißen Anstrichs des Masts Bedenken angemeldet hat, sieht Rudolf Schmitz gelassen. Schon, weil der Reflektor auf der Mastspitze fehle, sei es kein Schifffahrtszeichen, sagt er. 

Gänzlich getan ist das Werk für Rudolf Schmitz auch nach mehreren Arbeitseinsätzen noch nicht. Löcher im Pflaster vor der Treppe will er noch flicken. Damit Leute vom Radweg besser über die Gleise zur alten Anlegestelle laufen können, soll noch eine Tritthilfe ins Gleisbett kommen. Auch eine kleine Tafel, die über Riesas Dampfertradition informiert, kann sich der Wülknitzer vorstellen. 

Stadtpolitik sieht eine Chance

Rudolf Schmitz, der sich seit den Wirbel um die Privatisierung der Dampferflotte in den Wendejahren für die Weiße Flotte interessiert, würde es sich wünschen, dass die Schiffe wieder regelmäßig in Riesa anlegen. Er kann sich – in Anlehnung an die Dresdner Schlösserfahrt – auch eine Schlösstertour in der Gegend um Riesa vorstellen. Immerhin gebe es elbnahe Schlösser in Promnitz, Hirschstein oder Diesbar-Seußlitz.

Allerdings: In diesem Jahr kamen die Dampfer schon nicht bis Diesbar-Seußlitz – obwohl es dort zwei reguläre Anlegestellen gibt. Laut Robert Körner, bei der Weißen Flotte Sachsen verantwortlich für Marketing und Vertrieb, lag das an einem Mix aus der Corona-Situation, dem Straßenbau im Ort und nicht zuletzt auch der finanziellen Lage beim Anfang Juni insolvent gegangenen früheren Flottenbetreiber Sächsische Dampfschifffahrt. Mit Blick auf die nächste Dampfersaison soll Diesbar-Seußlitz aber wieder Bestandteil des regulären Tourenplans werden, so Körner.

Dass die Dresdner Dampferflotte seit Kurzem zum Schweizer Binnenschifffahrtsunternehmen United Rivers gehört und sich neu aufstellen will, sieht man unterdessen auch in Riesa als Chance, sich wieder als Anlegeort ins Gespräch zu bringen. Das hatte Torsten Pilz (Unabhängige Liste) kürzlich im Stadtrat angeregt. OB Marco Müller (CDU) hatte das begrüßt und erklärt, in Dresden vorstellig werden zu wollen.

Man werde im Zuge der neuen Streckenplanungen alles prüfen, heißt es dazu von der Weißen Flotte Sachsen. Derzeit liefen dazu Gespräche. Für konkrete Aussagen sei es aber noch zu früh. Als Ziel für Sonderfahrten, etwa zur Industriegeschichte, sei Riesa mit seiner Stahltradition aber durchaus denkbar. 

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Möglich also, dass das Kapitel Riesa und die Weiße Flotte eine Fortsetzung findet. Nur der historische Landeplatz dürfte dann wohl eher keine Rolle spielen. Die Schiffe dürften  dann eher unterhalb der Elbstraße anlegen.

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