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Der Nauwalder Spargel kommt spät

In anderen Jahren wird das Edelgemüse im Gröditzer Ortsteil um diese Zeit längst geerntet. Diesmal ist es anders. Und das ist nicht die einzige Veränderung.

Landwirt Julius von der Decken am Spargelfeld in Nauwalde: Noch sind in den frisch gefrästen Dämmen keine Stangen zu sehen. Es ist schlicht zu kalt.
Landwirt Julius von der Decken am Spargelfeld in Nauwalde: Noch sind in den frisch gefrästen Dämmen keine Stangen zu sehen. Es ist schlicht zu kalt. © Eric Weser

Gröditz/Landkreis Meißen. Julius von der Decken hebt die Plastefolie an. Zum Vorschein kommt ein akkurat gezogener Spargeldamm. Erst vor ein paar Tagen ist dieser mit schwerem Gerät gefräst worden. Allein: Die Spargelstangen, die eigentlich im Damm zu sehen sein sollten, die fehlen noch. "Hier passiert jetzt leider gar nichts", sagt der Landwirt und deckt den Damm wieder mit Folie ab. "Aber der Wetterumschwung soll nächste Woche kommen."

Es ist der letzte Apriltag auf dem Spargelhof im Gröditzer Nauwalde. In anderen Jahren wird das Edelgemüse um diese Zeit eigentlich schon geerntet. Diesmal aber nicht. Und wenn Spargelhof-Chef Hartwig Kübler recht behalten sollte, wird es wohl auch erst am Freitag nach Himmelfahrt so richtig losgehen mit der Saison – also erst am 14. Mai.

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"Es ist extrem", sagt der erfahrene Landwirt. Einen so kalten April habe er in 30 Jahren hier nicht erlebt. Wegen der niedrigen Temperaturen kommt das Spargelwachstum nicht recht voran. Erst Ende der ersten Maiwoche soll es laut Wetterprognosen wärmer werden. Ist es so weit und die Temperaturen steigen auf die mindestens zwölf Grad Celsius, die der Spargel braucht, kann es aber ganz schnell gehen: Fünf und mehr Zentimeter Wachstum sind dann am Tag möglich.

Wenn die Ernte dann startet, werden in Nauwalde diesmal wieder rumänische Arbeiter zugange sein. Drei Erntehelfer sind es – und damit deutlich weniger als in vergangenen Jahren, als zehn bis 15 Helfer auf den Flächen unterwegs waren. Da die Gastronomie als wichtiger Spargelabnehmer fehlt, braucht es auch weniger Erntehelfer.

Im Vorjahr waren pandemiebedingt allerdings gar keine ausländischen Kräfte da. Damals hatte der Spargelhof erstmals ermöglicht, dass die Kunden selbst Spargel ernten konnten. Die Resonanz darauf sei überwältigend gewesen, sagt Hartwig Kübler. Viele ältere Menschen seien gekommen, aber auch jüngere, um selbst einmal zu probieren, wie das mit dem Ernten des Edelgemüses funktioniert. Manche seien regelrecht süchtig geworden und die ganze Saison über zweimal die Woche gekommen. "Das waren dann schon gute Bekannte", sagt Hartwig Kübler und schmunzelt.

Die Sorge, dass die empfindlichen Gewächse durch zu forsches Hantieren der Laien mit dem Spargeleisen beschädigt werden könnten, erwies sich als unbegründet. "Man muss die Leute loben", sagt Julius von der Decken. Viele hätten ordentlich gestochen. Zumal es auch Tipps von einer Handvoll Profis vom Spargelhof gegeben hatte, die als Helfer mit auf dem Feld waren. Nur das Mitbringen eigener Spargeleisen hatte der Hof unterbunden – um die Pflanzen zu schützen. Über die Ausleihe von 80 hofeigenen Werkzeugen mit Pfand ließ sich außerdem die Zahl der Menschen auf dem Feld gut regulieren.

Wegen der guten Erfahrungen aus dem Vorjahr sind auch in dieser Saison wieder dreieinhalb Hektar Bleichspargel-Fläche in Nauwalde für die sogenannte Selbsternte reserviert. An zwei Wochentagen können die Leute dann wieder aufs Feld. Viele fragen schon nach, wann sie wieder dürfen, sagt Hartwig Kübler.

Weil dieses Jahr aber auch wieder ausländische Helfer in Nauwalde ernten, wird es aber auch wieder gestochene Ware geben, die in den Hofläden in Nauwalde und Raitzen verkauft wird. Außerdem sind Spargel-Verkaufsstände in Mühlberg, Lommatzsch und Nossen vorgesehen. Immerhin drei, nachdem es im Vorjahr wegen der Pandemie gar keine Stände gegeben hatte. Gleichwohl sind es deutlich weniger als in der Vergangenheit, als der Nauwalder Spargelhof einmal mehr als 20 Stände in der Region betrieben hatte.

Der Abbau hat mehrere Gründe, sagt Hartwig Kübler. Zum einen den zuletzt gestiegenen Mindestlohn, der das Betreiben der Stände wirtschaftlich erschwere. Hinzu komme, dass man die vielfach älteren Verkäuferinnen keinem Infektionsrisiko aussetzen wolle. Ein weiterer Aspekt ist laut Julius von der Decken, dass das eher ältere Stammpublikum an den Ständen zurückgehe, während kaum jüngeres nachkomme. Viele Jüngere würden eher auf Großeinkäufe setzen: Schnell rein in die großen Märkte, alles da einkaufen und zurück nach Hause. Am Spargelstand schaue da kaum jemand vorbei.

Der Nauwalder Spargelhof setzt deshalb auf neue Vertriebskanäle und beteiligt sich dieses Jahr erstmals an Marktschwärmereien. Deren Konzept besteht darin, mehrere regionale Lebensmittelproduzenten und Verbraucher an einem Ort zusammenzubringen. Die Kunden bestellen die Ware dabei übers Internet vor und können sie bei einem Markttag abholen, zu dem auch die Produzenten kommen. In Riesa findet dieser donnerstags im Gröbaer Stadtteilhaus statt. Neben Riesa will der Spargelhof Nauwalde auch die Marktschwärmereien in Freiberg, Leipzig und Lossatal beliefern.

Welche Preise dann für das Edelgemüse aufgerufen werden, da wagt Hartwig Kübler keine Prognose. "Da warten wir ab, bis wir am Markt sind, wie da die Situation ist." Auch, was die Qualität angeht, ist Julius von der Decken noch zurückhaltend. "Bevor wir nicht die erste Stange in der Hand haben, lässt sich dazu nichts sagen."

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Momentan können Senior-Landwirt Kübler, der Ende Juni in den Ruhestand wechseln und seinen Betrieb an Nachfolger Julius von der Decken übergeben wird, zunächst nur auf Sonne und deren Wärme hoffen. "Jetzt heißt es abwarten, die Arbeit ist gemacht", sagt der Chef in spe beim Blick auf die mit Folie bezogenen Dämme. Und der scheidende Chef meint: Diesmal könnte sich die Spargelsaison vielleicht gar über deren eigentlich traditionelles Ende am Johannistag am 24. Juni hinaus verlängern. Die kommenden Wochen werden es zeigen.

Die Selbsternte auf dem Nauwalder Spargelhof findet nach dem Start der Saison immer dienstags und donnerstags, 14 bis 18 Uhr, statt. Weitere Informationen gibt es auch auf der Internetseite des Unternehmens.

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