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Der schwierige Weg zum neuen Heim

Nach dem Kauf erweist sich eine Riesaer Immobilie als verfallen. Obwohl das Geld knapp ist, geben die neuen Eigentümer nicht auf.

Eigentlich wollte Marcel Rosenfeld mit seiner Familie Ende dieses Jahres in das kürzlich gekaufte Haus an der Großenhainer Straße in Riesa eingezogen sein. Wegen erheblicher Schäden wurde daraus nichts.
Eigentlich wollte Marcel Rosenfeld mit seiner Familie Ende dieses Jahres in das kürzlich gekaufte Haus an der Großenhainer Straße in Riesa eingezogen sein. Wegen erheblicher Schäden wurde daraus nichts. © Eric Weser

Riesa. Zwischendurch habe er mal ein paar Wochen Pause machen müssen. "Es war mir psychisch zu stressig geworden", sagt Marcel Rosenfeld. Er habe keine Lust mehr gehabt, sei gereizt gewesen. Es war einfach zu viel geworden – die Woche über auf Montage arbeiten und am Wochenende dann noch im künftigen Zuhause ranklotzen.

Doch diese Phase ist vorbei. Der Familienvater ist zurück auf seiner Baustelle. Im Moment dämmt er das Dachgeschoss in seinem Haus an der Großenhainer Straße in Riesa mit Steinwolle. Zuletzt hat der gelernte Elektriker eine Etage darunter ein Stück Fachwerk erneuert – nach einer Anleitung aus einem Video auf der Plattform Youtube im Internet, wie er erzählt.

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Die schadhaften Teile des Dachstuhls hat eine Fachfirma inzwischen ausgetauscht. Vom Dachgeschoss aus will Marcel Rosenfeld demnächst den Innenausbau vorantreiben.
Die schadhaften Teile des Dachstuhls hat eine Fachfirma inzwischen ausgetauscht. Vom Dachgeschoss aus will Marcel Rosenfeld demnächst den Innenausbau vorantreiben. © Eric Weser
Das Haus an der Großenhainer Straße ist derzeit eingerüstet. Anfang des neuen Jahres soll das Dach mit neuen Ziegeln eingedeckt werden.
Das Haus an der Großenhainer Straße ist derzeit eingerüstet. Anfang des neuen Jahres soll das Dach mit neuen Ziegeln eingedeckt werden. © Eric Weser
Vom Dach lässt sich bis hinunter ins Erdgeschoss blicken. Ein Kollege von Marcel Rosenfeld ist bei Arbeiten schon durch die mittlere Decke gebrochen und im Erdgeschoss gelandet. Es ging glimpflich aus.
Vom Dach lässt sich bis hinunter ins Erdgeschoss blicken. Ein Kollege von Marcel Rosenfeld ist bei Arbeiten schon durch die mittlere Decke gebrochen und im Erdgeschoss gelandet. Es ging glimpflich aus. © Eric Weser
So sah es an gleicher Stelle Anfang September 2020 aus: Marcel Rosenfeld (r.) und seine Schwägerin Daniela Lange vor den kaputten Balken im Dachgeschoss. Der Zustand war erst zutage getreten, als die Familie nach dem Hauskauf die Holzverkleidung entfernt hatte.
So sah es an gleicher Stelle Anfang September 2020 aus: Marcel Rosenfeld (r.) und seine Schwägerin Daniela Lange vor den kaputten Balken im Dachgeschoss. Der Zustand war erst zutage getreten, als die Familie nach dem Hauskauf die Holzverkleidung entfernt hatte. © Eric Weser

Wenn es nach Marcel Rosenfeld und seiner Familie gegangen wäre, hätten sie Weihnachten eigentlich in ihrem Haus in Riesa gefeiert. Nur den Fußboden erneuern, die Elektrik anpassen und eventuell noch die Wände malern – mehr hatte nach dem Hauskauf eigentlich gar nicht nötig sein sollen, um in die zwei Gebäude zwischen Meißner und Großenhainer Straße in Altriesa zu ziehen.

Dankbar für Spenden

Doch dann kam alles anders. Als die derzeit noch in Großenhain lebende Familie mit den Renovierungsarbeiten in den Riesaer Immobilien anfing, kamen Schäden zum Vorschein. Hinter je mehr Decken, Wände und Böden sie schauten, desto mehr Probleme wurden sichtbar. Für eine Rückabwicklung des Kaufs stehen die Chancen auch nach Einschätzung von Fachleuten eher schlecht. Schnell war klar: Es kann nur nach vorn gehen. Doch damit stand auch fest: Mit dem geplanten, bereits kreditfinanzierten Budget würde es schwer werden, das Haus zu entkernen, die Schäden zu beheben und es bewohnbar zu machen. Mit einem Hilferuf wandte sich Marcel Rosenfeld an die Öffentlichkeit, bat um Spenden. "Mir ist es eigentlich peinlich, um Geld zu betteln", hatte er der SZ Anfang September dazu gesagt. Aber es gehe nicht anders.

Inzwischen sind fast vier Monate vergangen. Die erhofften 10.000 Euro sind nicht zusammengekommen. Aber in Summe immerhin 2.500 Euro, bilanziert Marcel Rosenfeld und zeigt sich dankbar, dass Menschen trotz der Corona-Situation und der damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheit bereit waren, etwas zu geben. "Das Geld hilft." Mit der gesammelten Summe lasse sich eine Etage mit Fußboden ausstatten.

Neben der finanziellen Unterstützung ist Marcel Rosenfeld auch froh über andere Arten von Hilfe, die er und seine Familie erfahren haben. Sei es der Beistand durch einen Riesaer Statiker, der das Vorhaben durch seine Expertise mit voranbringt. Oder sei es die Unterstützung durch Kollegen und Freunde, die zuletzt zum Beispiel beim Abdecken der alten Dächer mit angepackt hatten.

Malheur auf der Baustelle

Die Baustelle verlangt Helfern und Bauherren jedoch einiges ab. Ein Kollege sei durch eine Decke gebrochen und eine Etage nach unten gefallen, erzählt Marcel Rosenfeld. Er habe den Sturz aber glücklicherweise gut überstanden. Nicht ganz so glimpflich ging für den Hauseigentümer selbst der Tritt in einen alten Vierkantnagel aus. Durch den Fuß drang das Metallstück zwar nicht und ins Krankenhaus habe er auch nicht gemusst, sagt Marcel Rosenfeld. "Das tat nur höllisch weh, es ging bis auf den Knochen." Bei einem anderen Malheur ging eine Duschkabine zu Bruch, die eigentlich noch verwendbar gewesen wäre.

Trotz aller Probleme, Hindernisse – und auch Schmerzen: Marcel Rosenfeld zeigt sich kurz vor Ende des Jahres dennoch zufrieden. Die abgedeckten, nun zunächst mit Folie verschlossenen Dächer sind dicht, nachdem zuvor die schadhaften Dachstühle repariert beziehungsweise erneuert worden waren. Eine geliehene Dieselheizung sorgt für etwas Wärme auf der winterlichen Hausbaustelle. Anfang des neuen Jahres sollen die roten Biberschwanz-Dachziegel auf seinem Haus verlegt werden, die schon angeliefert im Grundstück liegen. Danach soll der Innenausbau richtig vorankommen. Derzeit schaut sich Marcel Rosenfeld zum Beispiel nach einer Heizung für das künftige Zuhause seiner Familie um.

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Auf Eis gelegt sind indes vorerst Pläne eines TV-Senders, der über den Fall der Familie in einem seiner Formate berichten wollte. Verantwortliche waren nach Medienberichten auf den Fall aufmerksam geworden. Marcel Rosenfeld hat aber kein Problem, dass die Fernsehpräsenz womöglich nichts wird. "Wir haben genug damit zu tun, die Gebäude hier bewohnbar zu machen."

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