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Weinempfang für lang vermissten Dampfer

Zum ersten Mal nach zwei Jahren hat wieder ein Schiff der Weißen Flotte Gäste ins Elbweindorf gebracht. Bald wäre nichts daraus geworden.

(V.l.n.r.) Die ehemalige sächsische Weinkönigin Maria Lehmann und Bürgermeister Gerd Barthold begrüßen Maschinist Falk Hering und Kapitän Jan Schröter an Land mit einem Glas Secco.
(V.l.n.r.) Die ehemalige sächsische Weinkönigin Maria Lehmann und Bürgermeister Gerd Barthold begrüßen Maschinist Falk Hering und Kapitän Jan Schröter an Land mit einem Glas Secco. © Klaus-Dieter Brühl

Diesbar-Seußlitz. Fahrradfahrer radeln an der Elbe entlang und erfreuen sich an dem selten gewordenen Anblick. "Endlich ist hier wieder ein Dampfer zu sehen", sagt eine Frau, während sie in die Pedale tritt und den Leuten auf dem Schiff zuwinkt. Es ist die "Diesbar", der älteste Schaufelraddampfer der Welt.

Den hat die Weiße Flotte für diesen Sonntagsausflug von Dresden über Meißen nach Diesbar-Seußlitz ausgesucht. Denn es ist rund zwei Jahre her, dass zum letzten Mal ein Dampfer im nördlichsten Elbweindorf anlegen konnte. 2019 verhinderte dies ab Ende Juni der fast ausgetrocknete Fluss. Im vergangenen Jahr machten Corona-Einschränkungen und die Insolvenz der ehemaligen Sächsischen Dampfschifffahrt zu schaffen.

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Und an diesem Sonntag wäre beinahe auch nichts daraus geworden, bestätigt Kapitän Jan Schröter. Denn der Dresdner Elbe-Pegel lag am Morgen bei 3,38 Meter. "Bei 3,50 Meter kriegen wir unsere Gäste nicht mehr von Bord", sagt er. Als das Schiff in Seußlitz pünktlich um 12.50 Uhr anlegt, schleppen deshalb zwei Matrosen einen Holzsteg heran, damit die Passagiere trockenen Fußes an Land gehen können.

In Höhe des Bösen Bruders leitet Kapitän Jan Schröter das Wendemanöver ein, damit der Schaufelraddampfer rückwärts in Seußlitz anlegen kann. Wegen des hohen Wasserpegels ist das Schiff auf der Elbe sehr flott unterwegs.
In Höhe des Bösen Bruders leitet Kapitän Jan Schröter das Wendemanöver ein, damit der Schaufelraddampfer rückwärts in Seußlitz anlegen kann. Wegen des hohen Wasserpegels ist das Schiff auf der Elbe sehr flott unterwegs. © Klaus-Dieter Brühl

Dort warten bereits der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold und seine Frau. Sie haben extra ihren Ostseeurlaub verkürzt, um bei der ersten Dampferfahrt seit Langem dabei sein zu können. Sie schieben ihre Fahrräder an Bord. In Meißen wollen die beiden aussteigen und dann zurück nach Diesbar-Seußlitz radeln. "Meine Familie hat das genau andersrum gemacht", verrät Kapitän Schröter, der in Meißen wohnt.

Zuvor stoßen er und sein Maschinist Falk Hering mit dem Bürgermeister und Maria Lehmann an. Die ehemalige sächsische Weinkönigin von 2017 bis 2018 hat einen selbst kreierten Secco mitgebracht und eingeschenkt. Auch sie ist glücklich, dass nach so langer Zeit endlich wieder ein Dampfer hier anlegt. Denn die Schiffe der Weißen Flotte sind nicht nur ein Hingucker, sondern werden dringend benötigt.

Im Gespräch mit dem Bürgermeister und dem Kapitän berichtet sie, dass die Touristenzahlen in diesem Sommer noch sehr zu wünschen übrig lassen. Vor einem Jahr seien nach dem ersten Lockdown noch deutlich mehr Gäste dagewesen. Sie hofft, dass einige der etwa 50 Passagiere die 40-minütige Pause zu einem Abstecher ins Weingut Lehmann nutzen.

Die benachbarten Seußlitzer Weinstuben sind zu diesem Zeitpunkt schon sehr gut besucht. Viele Tische sind besetzt. Wirt Ullrich Lehmann muss einige Passagiere der "Diesbar", die hier essen wollten, leider wieder wegschicken. Diesmal hat er also nichts davon, dass ein Dampfer potenzielle Gäste bringt. Dennoch ist er froh über das Wiedersehen mit dem Schiff. Ullrich Lehmann bezeichnet die Weiße Flotte als "Werbeträger für die ganze Region". Schon oft hätten sich Gäste in seinem Lokal als frühere Passagiere zu erkennen gegeben und zu ihm gesagt: "Jetzt haben wir mehr Zeit mitgebracht."

13.30 Uhr legt die "Diesbar" wieder ab und verabschiedet sich mit lautem Hupen. Ab nächstem Donnerstag will die Weiße Flotte wieder regelmäßiger Diesbar-Seußlitz ansteuern, bestätigt Kapitän Schröter. Dann abwechselnd mit der "Wehlen" oder der "Pillnitz". Damit die Weiße Flotte besser planen kann, empfiehlt er das Onlineticket. Schröter ergänzt lächelnd: "Aber natürlich kann jeder auch spontan auf unsere Dampfer."

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