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Drohne landet im Fundbüro

Das Fluggerät ist eins der eher außergewöhnlichen Stücke, das in letzter Zeit den Weg in die städtische Stelle gefunden hat. Ein Besuch.

Im vorigen Jahr fand erstmals eine Drohne den Weg ins Riesaer Fundbüro. Sachgebietsleiterin Lisanne Halupczok zeigt das Fluggerät, das ein Finder am Karl-Marx-Ring entdeckte.
Im vorigen Jahr fand erstmals eine Drohne den Weg ins Riesaer Fundbüro. Sachgebietsleiterin Lisanne Halupczok zeigt das Fluggerät, das ein Finder am Karl-Marx-Ring entdeckte. © Eric Weser

Riesa. Die Kamera hat keinen Kratzer. Auch sonst wirkt das graue Gehäuse mit der Aufschrift "DJI", als sei es noch intakt. Die klappbaren Ausleger lassen sich jedenfalls problemlos bedienen. Nur die Propeller machen einen leicht lädierten Eindruck. Ob der kleine Apparat aber tatsächlich fliegt? Lisanne Halupczok weiß es nicht. "Wir testen solche Geräte nicht auf Funktionalität", sagt die Sachgebietsleiterin des Bereichs Zentrale Dienste bei der Riesaer Stadtverwaltung.

Beruflich kümmert sie sich unter anderem um den Fuhrpark der Verwaltung, die Mobil- und Festnetztelefone oder auch den Einkauf von Büromaterial. Zu den Zentralen Diensten gehört aber auch das Fundbüro. In diesem ist vor einem reichlichen Jahr der eingangs beschriebene Flugapparat gelandet – eine Drohne vom Typ DJI Mavic Mini.

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Gelandet allerdings im übertragenen Sinne. Denn ob der Quadrocopter tatsächlich bei einem Flug verlorenging, ob er abstürzte oder einfach abgestellt wurde, das wissen weder Lisanne Halupczok noch ihre Mitarbeiterin Petra Beulich. Im städtischen Fundbuch ist lediglich der Karl-Marx-Ring als Fundort angegeben. Dort entdeckte jemand das rund 250 Gramm leichte Gerät und gab es dann im Fundbüro ab, wo es zunächst ein halbes Jahr für den rechtmäßigen Eigentümer aufbewahrt wurde.

Weil der sich aber nicht meldete und auch der Finder das Teil nicht haben wollte, steht die Drohne nun für 50 Euro zum Verkauf – was im Vergleich zu den bis zu 400 Euro Neupreis günstig erscheint. Einen Abnehmer gibt bislang trotzdem nicht. Wohl auch, weil das Gerät ohne Zubehör wie Fernbedienung, Akkus, Kabeln, Speicherkarte oder Koffer kaum zu gebrauchen ist. Außerdem besteht das Risiko, dass der Flugapparat gar nicht (mehr) fliegt. Daher auch der eher günstige Preis, sagt Lisanne Halupczok.

Ob betriebsbereit oder nicht: Zu den außergewöhnlichen Fundstücken des vergangenen Jahres im Riesaer Fundbüro zählt das kleine Gerät allemal. 155 Fundstücke waren es 2020 insgesamt. Das geht aus dem Fundbuch hervor, das Mitarbeiterin Petra Beulich führt. Den Großteil machten 63 Fahrräder aus. Hinzu kamen 36 Schlüssel(-bunde). Außerdem zehn Geldbörsen und acht Handys.

Dutzende Fund-Fahrräder hat die Stadtverwaltung in ihrem Lager abgestellt. Manche wirken schrottreif und sind kaum mehr als ein Ersatzteillager. Andere hingegen sind recht gut in Schuss.
Dutzende Fund-Fahrräder hat die Stadtverwaltung in ihrem Lager abgestellt. Manche wirken schrottreif und sind kaum mehr als ein Ersatzteillager. Andere hingegen sind recht gut in Schuss. © Eric Weser

An die rechtmäßigen Besitzer ist mit 31 Stücken ein eher überschaubarer Teil der gefundenen Sachen zurückgegangen. Woran es liegt, dass nur jede fünfte Fundsache an den Besitzer zurückgeht? Da können die Frauen vom Fundbüro nur mutmaßen. "Vielleicht denkt mancher, es wird eh nicht abgegeben und fragt gar nicht erst nach", meint Lisanne Halupczok. Petra Beulich erlebt, dass durchaus nachgefragt wird – sie aber manchmal leider nicht weiterhelfen kann, weil gerade diese Dinge gar nicht bei ihr abgegeben worden sind.

Bizarre Fundstücke hat Petra Beulich in fast 25 Jahren im Fundbüro unterdessen schon einige gesehen. Als besonders skurril sind ihr Gebisse in Erinnerung. Auch da habe sich der rechtmäßige Besitzer nicht gefunden. Der Zahnersatz sei daher vernichtet worden.

Zur Vernichtung von Fundstücken kommt es nach Rathaus-Angaben immer wieder, wenn diese nicht abgeholt werden. Handys beispielsweise würden grundsätzlich nach der sechsmonatigen vorgeschriebenen Aufbewahrungsfrist aus Datenschutz-Gründen zerstört, wenn sich der Besitzer nicht finde. Auch Schlüssel würden dann entsorgt.

Manche Fundstücke werfen auch bei den Stadt-Mitarbeitern Fragen auf. So wie dieser Kinderwagen, der gewissermaßen mit allem Drum und Dran ins Fundbüro gelangte. Und dort auf einen neuen Eigentümer wartet.
Manche Fundstücke werfen auch bei den Stadt-Mitarbeitern Fragen auf. So wie dieser Kinderwagen, der gewissermaßen mit allem Drum und Dran ins Fundbüro gelangte. Und dort auf einen neuen Eigentümer wartet. © Eric Weser

Anders sieht es bei Fundstücken wie dem voll ausgestatteten Kinderwagen vom Typ "Speed Skrzat Sport" aus, der voriges Jahr von einer Bürgerin auf einem Parkplatz entdeckt wurde, dessen Besitzer sich ebenfalls nicht meldete und der deshalb jetzt für 100 Euro zum Verkauf angeboten wird. Findet sich dafür niemand, geht der mit Sonnen- sowie Regenschutz und Wickeltasche ausgestattete Wagen an das Deutsche Rote Kreuz. Um Dinge lange aufzubewahren, dafür habe man im Rathaus auch einfach nicht die Lagerkapazitäten, macht Lisanne Halupczok deutlich.

Den meisten Platz brauchen die gut und gern mehr als 100 Fahrräder, die in einem gesonderten Lager abgestellt sind und sich teilweise noch in der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist befinden, teils aber auch schon im Verkauf sind. Von der verbogenen Rostlaube bis zum schicken Mountainbike ist fast alles vertreten. Sorgen, dass der Platz irgendwann nicht mehr reicht, machen sich die Fundbüro-Frauen nicht. Denn es gebe eine regelrechte Stammkundschaft, die teils auch von außerhalb komme und sich über die Räder im Fundbüro-Abverkauf günstig mit Ersatzteilen versorge. Ausschlachten ist dabei allerdings nicht erlaubt – es müsse das ganze Rad gekauft werde, auch wenn es der Interessent beispielsweise nur auf ein Schutzblech oder allein den Sattel abgesehen habe. Der Rest vom Rad müsse dann eben verschrottet werden.

Bedingt durch die Coronapandemie und die dadurch nötige Voranmeldung sei beim Abverkauf zuletzt aber auch etwas weniger los gewesen. Aber da das Frühjahr ansteht, geht Petra Beulich davon aus, dass gerade die Nachfrage bei den Fahrrädern jetzt wieder zunimmt.

Drittel der Finder nutzen Vorkaufsrecht

  • Laut Rathaus macht ein Drittel der Finder Gebrauch vom Vorkaufsrecht, also davon, die von ihnen gefundenen Gegenstände selbst zu erwerben, wenn sich der rechtmäßige Eigentümer nicht binnen sechs Monaten im Fundbüro meldet. Der Finder muss dann fünf Euro Aufbewahrungsgebühr ans Rathaus zahlen.
  • Auch rechtmäßige Besitzer müssen fünf Euro Aufbewahrungsgebühr ans Rathaus zahlen, wenn sie ihre Sachen über das Fundbüro zurück bekommen. Über einen Finderlohn müssen sich laut Rathaus Finder und Besitzer einig werden.
  • Die Preise für die Fundstücke legt das Fundbüro auf Basis von Erfahrungswerten fest. Mitunter besteht noch ein Verhandlungsspielraum.
  • Das Fundbüro im Riesaer Rathaus ist auch gleichzeitig die Poststelle. Das Fundbüro allein gäbe laut der Verwaltung keine Stelle her, so die Verwaltung.
  • Eine aktuelle Liste mit Fundsachen und Fundgegenständen im Abverkauf gibt es auf der Internetseite der Stadt Riesa.
  • Der Verkauf der Fundsachen findet derzeit dienstags und donnerstags von 14 bis 15 Uhr nach vorheriger Terminabsprache statt (Per Mail oder Telefon 03525 700239). (SZ)

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