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Einblicke in die Landwirtschaft der Zukunft

Drohnen, Daten, Robotik: Nahe Riesa gab es jetzt einen Vorgeschmack, wie künftig mittels neuer, vernetzter Technologie im Agrarsektor produziert werden könnte.

Die autonomen Feldmaschinen, die beim Projekt "Feldschwarm" entwickelt wurden, waren ein Hingucker beim Feldtag in Raitzen zwischen Riesa und Oschatz.
Die autonomen Feldmaschinen, die beim Projekt "Feldschwarm" entwickelt wurden, waren ein Hingucker beim Feldtag in Raitzen zwischen Riesa und Oschatz. © Sebastian Schultz

Raitzen. Ein wenig sehen sie aus, als seien sie einem Science-Fiction-Film entstiegen – die Landmaschinen, die jetzt auf einem Feld nahe dem Gutshof Raitzen zu sehen waren. Entwickelt von einem interdisziplinären Team aus Forschung und Industrie, vermitteln die futuristisch anmutenden, autonom fahrenden Agrarmaschinen eine Idee davon, wie Landwirtschaft in Zukunft aussehen und ablaufen könnte.

Genau darum ging es jetzt beim Feldtag auf dem Gutshof in Raitzen zwischen Oschatz und Riesa. Geschätzte 300 Besucher kamen dort am Donnerstag zusammen. Etwa ein Drittel davon Landwirte, ein weiteres Drittel Forscher von Hochschulen wie der TU Dresden und ein weiteres Drittel Vertreter aus der Industrie.

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Grundgedanke hinter der Veranstaltung war die Frage, wie Landwirtschaft künftig tiergerechter arbeiten, wie sie mit Ressourcen effizienter wirtschaften und umweltschonender produzieren kann.

Bei Fachvorträgen ging es um die Möglichkeiten und Herausforderungen für die Landwirtschaft im Zeitalter der Digitalisierung.
Bei Fachvorträgen ging es um die Möglichkeiten und Herausforderungen für die Landwirtschaft im Zeitalter der Digitalisierung. © Sebastian Schultz
Im Außengeländes des Gutshofs präsentierten unter anderem mehrere Aussteller ihre Innovationen.
Im Außengeländes des Gutshofs präsentierten unter anderem mehrere Aussteller ihre Innovationen. © Sebastian Schultz
Bei Gesprächen tauschten sich Forscher, Landwirte und Vertreter aus Politik und Verwaltung über Probleme und Chancen der Digitalisierung und Vernetzung aus.
Bei Gesprächen tauschten sich Forscher, Landwirte und Vertreter aus Politik und Verwaltung über Probleme und Chancen der Digitalisierung und Vernetzung aus. © Sebastian Schultz

Nachgegangen wird diesen Punkten schon einige Zeit: Im sogenannten Experimentierfeld "Landnetz" forschen seit 2019 die TU Dresden, das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme sowie das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zusammen mit beteiligten Agrarbetrieben an Möglichkeiten, landwirtschaftliche Arbeitsprozesse zu erleichtern und Nahrungsmittel nachhaltiger zu erzeugen. Gelingen soll das nicht zuletzt mit neuen Technologien, nicht nur zur Feldbearbeitung, sondern auch zur flächendeckenden drahtlosen Datenübertragung und Vernetzung.

Landwirt Hartwig Kübler (r.) war Gastgeber der Veranstaltung auf seinem Raitzener Gutshof – und ein gefragter Interviewpartner.
Landwirt Hartwig Kübler (r.) war Gastgeber der Veranstaltung auf seinem Raitzener Gutshof – und ein gefragter Interviewpartner. © Sebastian Schultz
Auch Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) war vor Ort. Die Digitalisierung biete Chancen, in Sachen Umweltschutz oder Tierwohl voranzukommen und eine nachhaltige Landwirtschaft zu bekommen, sagte er.
Auch Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) war vor Ort. Die Digitalisierung biete Chancen, in Sachen Umweltschutz oder Tierwohl voranzukommen und eine nachhaltige Landwirtschaft zu bekommen, sagte er. © Sebastian Schultz
Thomas Herlitzius ist Professor für Agrarsystemtechnik an der TU Dresden und zudem Sprecher des Experientierfeldes "Landnetz". Das Verbundprojekt erforscht Möglichkeiten, Arbeitsprozesse zu erleichtern und Nahrungsmittel nachhaltiger zu erzeugen .
Thomas Herlitzius ist Professor für Agrarsystemtechnik an der TU Dresden und zudem Sprecher des Experientierfeldes "Landnetz". Das Verbundprojekt erforscht Möglichkeiten, Arbeitsprozesse zu erleichtern und Nahrungsmittel nachhaltiger zu erzeugen . © Sebastian Schultz

Gerade die Vernetzung ist ein großes Thema, denn bislang mangelt es daran meist noch. Zwar spielt die Digitalisierung im Agrarsektor laut Branchenkennern bereits eine große Rolle. Im Feldbau beispielsweise fließen Wetterdaten in die Planung mancher Betriebe schon heute ein, mittels digitaler Karten werden Dünge- und Pflanzenschutzmittel bedarfsgerecht eingesetzt. Auch in der Tierhaltung gibt es schon Sensoren und Ortungssysteme, die das Verhalten der Tiere überwachen und Daten über den Gesundheitszustand des Einzeltieres liefern. Dabei werden etliche Daten erhoben und verarbeitet, die den Landwirten helfen, ihre Produktion zielgenauer zu steuern. Gleichwohl sind die existierenden Anwendungen oft Insellösungen, die zum Teil an bestimmte Hersteller gebunden und untereinander nicht verknüpft sind.

Mit der aktuellen Forschung würden Strategien zu Vernetzung und Datenaustausch als grundlegende Bedingung für eine digitalisierte Landwirtschaft geschaffen, machte Thomas Herlitzius beim Feldtag in Raitzen deutlich. Der Inhaber der Professur für Agrarsystemtechnik an der TU Dresden ist auch Sprecher des Experimentierfeldes Landnetz. Gelingen soll die Vernetzung nach seinen Worten künftig über den 5G-Mobilfunkstandard, der Echtzeitkommunikation zwischen Maschinen – etwa einer Drohne und Feldrobotern – ermöglicht.

Da die Bereitstellung von 5G-Netzen im dünn besiedelten ländlichen Raum für große Telekommunikationsunternehmen nicht lukrativ ist, geht für die Landwirtschaft die Entwicklung wohl in Richtung sogenannter Mobilfunk-Campusnetze. Diese quasi betriebseigenen Netze können unabhängig von öffentlichen Mobilfunknetzen aufgebaut und betrieben werden. So etwas erproben die Forscher bei "Landnetz" derzeit.

Auch Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) war zum Feldtag in Raitzen gekommen. Ihm sei wichtig, die notwendige Nachhaltigkeit und die Chancen der Digitalisierung zu verknüpfen, machte er deutlich. "Wir brauchen mehr denn je nachhaltige Landwirtschaft und einen entsprechenden Umbau", so Günther. Das bedeute auch, den Einsatz von Düngern und synthetischen Pflanzenschutzmitteln deutlich zu reduzieren und das Tierwohl zu stärken. Die Digitalisierung sei bei diesen Herausforderungen einer der Pfade, um diese Ziele zu erreichen.

Auf Digitalisierung setzt Gastgeber Hartwig Kübler, der den Feldtag auf seinem Raitzener Gutshof ausrichtete, in seinem Landwirtschaftsbetrieb schon seit etlichen Jahren. Kübler, dessen Unternehmen als Betrieb in die aktuellen Forschungsbemühungen einbezogen ist, hält die Ökologisierung der konventionellen Landwirtschaft mittels Digitalisierung für die bessere Alternative als eine reine Ökologisierung. Hoffnungen setzt er außerdem darauf, dass Automatisierung und Datenaustausch in Zukunft auch die Bürokratie verringern und beispielsweise verwendete Düngemengen automatisch dokumentiert werden, statt bisher aufwendig manuell – was Kosten senken soll und wodurch sich Landwirte wieder auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können sollen.

Am Ende des Feldtages auf dem Raitzener Gutshof zeigte sich Hartwig Kübler zufrieden mit der Resonanz auf die Veranstaltung. Positiv sei zum einen, dass die verschiedenen Akteure – Verwaltung, Hersteller, Praktiker, Wissenschaftler – in einen Austausch gekommen seien. Als gute Aussicht wertete der Landwirt außerdem, dass die öffentliche Hand den technologischen Wandel im Agrarsektor weiter mit Steuergeld unterstützen will.

In den Ministerien und Ämtern erhofft man sich davon einiges, nicht nur in puncto Umweltschutz. Erklärtes Ziel ist unter anderem, den mitteldeutschen Landmaschinenbau am Weltmarkt zu etablieren und eine führende Position bei der Entwicklung autonomer Landmaschinen zu erarbeiten.

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