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"Beim Muskator ist noch Luft nach oben"

Den Plan der Stadt, das Gelände an der Elbe umzugestalten, findet der Riesaer Unternehmer Sven Wendisch richtig. Doch ihn treibt eine Sorge um.

Sven Wendisch auf dem Riesaer Muskator-Gelände: Aus Sicht des Unternehmers steckt in dem Areal ein großes Potenzial.
Sven Wendisch auf dem Riesaer Muskator-Gelände: Aus Sicht des Unternehmers steckt in dem Areal ein großes Potenzial. © Eric Weser

Riesa. Wenn Sven Wendisch ins Reden kommt, dann sprudeln die Ideen nur so aus ihm heraus. Sachsens höchste Jugendherberge, Startup-Zentrum, Urban Farming – sprich: Landwirtschaft in der Stadt. Das und noch viel mehr kann sich der Riesaer auf dem Muskator-Gelände im Stadtzentrum vorstellen. Man könne aus dem Areal so Vieles machen, ist Wendisch überzeugt. "Das ist eine Riesen-Chance für Riesa", sagt der Unternehmer beim Besuch vor Ort, während er schon die nächste Idee entwickelt: Eine Brücke vom Gelände des Mischfutterwerks, über die man hinaus zur Elbe laufen kann. Eine "Sky Bridge".

Sven Wendisch ist in Riesa kein Unbekannter. Der Inhaber einer Autowerkstatt war Vorsitzender des Vereins, der sich vor rund zehn Jahren erfolgreich für den Wiederaufbau der Gröbaer Schlossbrücke eingesetzt hat. In seinem Stadtteil tritt der Unternehmer auch anderweitig in Erscheinung. Nun mischt sich Wendisch in die Diskussion um das Muskator-Gebiet ein.

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Das Thema beschäftigt ihn schon länger. So richtig ins Nachdenken darüber sei er gekommen, als vor einiger Zeit die Fassaden mehrerer Häuser in Gröba künstlerisch gestaltet wurden, erzählt er. Bei einer Stadtrundfahrt habe er den Fassadenmalern Riesas Sehenswürdigkeiten gezeigt – Heimatmuseum, Erdgasarena, Klosterkirche. Den Künstlern aus Paris und Berlin fiel beim abendlichen Rundgang seinerzeit aber besonders das ungenutzte Muskator-Areal auf. Der Tenor: Unglaublich, dass so ein Grundstück – mitten in der Stadt und gleichzeitig direkt am Fluss – brach liegt.

Sven Wendisch sieht das genauso. Aus seiner Sicht ist das Gelände die Entwicklungschance für Riesa schlechthin. Ein Filetstück, mit dessen Entwicklung Riesas Zukunft die nächsten zehn bis zwanzig Jahre positiv geprägt werden und Trends wie Überalterung und Schrumpfung entgegengewirkt werden kann. Stadtleben, Kultur, Tourismus, Wirtschaft und Stadtbild können profitieren – wenn die Sache richtig angefasst wird.

Doch an dem Punkt hat der Riesaer Sorgen. So groß seiner Meinung nach die Chance ist, mit der Umgestaltung des Geländes einen positiven Impuls für die Stadt zu setzen – so groß ist seiner Ansicht nach auch das Risiko, wenn nicht die richtigen Akzente gesetzt werden. Oder, wenn Riesa zu zögerlich agiert. Nichts sei schlimmer, als Geld zu investieren, das letztlich verpuffe. Diese Gefahr sieht Wendisch. Zumal er auch bei manchen Stadträten eine gewisse Gleichgültigkeit verspüre, wie er sagt. Bei einer Muskator-Besichtigung vor einiger Zeit seien die Wenigsten dabei gewesen.

Wendisch wirbt deshalb dafür, sich das Potenzial des Areals klar zu machen – und zu überlegen, was dort passieren könnte. Der Gröbaer selbst stellt sich das Gelände als ein vibrierendes Zentrum im Stadtzentrum vor. Dafür sollen nach seinen Vorstellungen auch bestehende Strukturen verändert werden: Stadtmuseum und Bibliothek – heute im Haus am Poppitzer Platz untergebracht – sollten aus seiner Sicht ins Muskator-Gelände verlagert werden. "Die sind im Moment zu weit weg vom Zentrum." Auch die aktuell in Gröba beheimatete Elbland Philharmonie gehört für Wendisch dorthin. Die Jugendarbeit solle man ebenfalls auf dem Areal konzentrieren. Und noch einiges mehr: Räume für innovative Firmen oder Künstler zum Beispiel. Letztlich soll ein großer, vielfältiger Innenstadt-Magnet entstehen, der sowohl Touristen anlockt als auch junge Menschen, die gern in Riesa leben wollen.

Was die Architektur angeht, regt der Unternehmer an, in die weite Welt zu schauen. Zum Beispiel nach Kapstadt, Südafrika. Dort wurde 2017 ein Museum eröffnet, das in einem umgebauten ehemaligen Getreidesilo beheimatet ist. Äußerlich erinnert der für 33 Millionen Euro umgestaltete Bau durchaus an die Riesaer Silos und den Maschinenturm.

Ein Vorbild für Riesa? Das MOCAA, das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa, in Kapstadt ähnelt dem Riesaer Muskator baulich. Der vor einigen Jahren umgebaute ehemalige Getreidespeicher steht außerdem inmitten der südafrikanischen Metropole.
Ein Vorbild für Riesa? Das MOCAA, das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa, in Kapstadt ähnelt dem Riesaer Muskator baulich. Der vor einigen Jahren umgebaute ehemalige Getreidespeicher steht außerdem inmitten der südafrikanischen Metropole. © Screenshot: SZ, Quelle: zeitzmocaa.museum

Eine andere Inspirationsquelle könne Singapur sein, sagt Wendisch und verweist auf grüne Architektur, die dort ausprobiert wird. Ein Fernsehbericht darüber hat ihn nachhaltig beeindruckt. Ohnehin schwebt dem Gröbaer ein ökologisch umgebauter Muskator vor – mit viel Grün, Solaranlagen und Tanks für Regenwasserspeicherung auf den Dächern und Parkflächen mit Elektroladesäulen im Innenhof. Das sei die Zukunft.

Grüne Architektur wie in Singapur – diese Vision für das Riesaer Muskator-Gelände hat auch Sven Wendisch.
Grüne Architektur wie in Singapur – diese Vision für das Riesaer Muskator-Gelände hat auch Sven Wendisch. © Screenshot: SZ, Quelle: ARD Mediathek

Dass die Stadt Riesa sich kürzlich beim Bund um Fördermillionen für die Entwicklung des Geländes beworben hat, findet Sven Wendisch richtig. Vielem, was in der städtischen Projektskizze auftaucht, kann der Riesaer zustimmen – zumal es sich mit seinen Ideen durchaus deckt. Alles in allem geht dem Unternehmer der kürzlich veröffentlichte städtische Entwurf aber nicht weit genug. "Da ist noch viel Luft nach oben", findet Sven Wendisch, aus dessen Sicht längst nicht alle möglichen Synergien gehoben werden, die möglich seien.

Dem Gröbaer ist deshalb wichtig, dass möglichst viele Riesaer das Potenzial des Areals erkennen, sich Gedanken machen – und dann der Stadtpolitik Druck machen. Damit für Riesa ein möglichst großer Wurf herauskommt.

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Warum er nicht den Weg in die Politik geht, um sich für seine Vision einzusetzen? Das sei nichts für ihn, wiegelt der Unternehmer ab. Er sehe sich eher als Ideengeber und Umsetzer. Dann spricht Wendisch schon über seinen nächsten Vorschlag für das Muskator-Gelände: die Ansiedlung einer Landesbehörde.

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