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Eine S-Bahn von Riesa nach Leipzig?

Für eine schnellere Verbindung nach Dresden gibt es schon Pläne. Eine Anbindung in die Messestadt könnte folgen. Doch es gibt einen Haken.

Vom Leipziger Hauptbahnhof – hier ein Archivfoto – gibt es bisher keine S-Bahn-Linie, die bis nach Riesa führt. Allerdings existieren Überlegungen, das zu ändern.
Vom Leipziger Hauptbahnhof – hier ein Archivfoto – gibt es bisher keine S-Bahn-Linie, die bis nach Riesa führt. Allerdings existieren Überlegungen, das zu ändern. © loesel-photographie.de

Riesa. Wer auf der Schiene von Riesa in die Landeshauptstadt Dresden will, soll das in absehbarer Zeit öfter am Tag können: Mit der S5 plant der hiesige Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) eine stündliche S-Bahn-Verbindung, die gemeinsam mit dem zeitlich versetzt fahrenden RE50 "Saxonia" künftig einen Halbstundentakt zwischen den beiden Elbestädten ermöglichen soll.

Ein Pendant dazu ins etwas weiter entfernte, westlich gelegene Leipzig gibt es nicht. Doch das könnte sich aber ändern. Denn es gibt Überlegungen, auch zwischen Riesa und der derzeit größten sächsischen Stadt eine S-Bahn einzurichten. Demnach ist eine Linie mit Namen S4 angedacht, die zwischen Leipzig, Wurzen und Riesa verkehrt.

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Linie würde neu geführt

Der hiesige Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) bestätigt auf Nachfrage indirekt, dass so eine Verbindung vorgesehen ist: Die Federführung liege allerdings beim ZVNL, dem Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig.

Dessen Geschäftsführer Oliver Mietzsch bestätigte auf Nachfrage von sächsische.de Überlegungen, die S4 neu zu führen. Denn an sich gibt es die Linie schon. Bisher führt sie von Markleeberg über Leipzig in Richtung Nordosten nach Torgau, dann weiter östlich über Falkenberg, Bad Liebenwerda und Elsterwerda durchs Brandenburgische, bis sie schließlich in Hoyerswerda zurück in Sachsen ankommt. Künftig könnte die S4 jedoch "im neuen Vergabenetz von Torgau über Leipzig und Wurzen bis Riesa" führen, so Oliver Mietzsch.

Vor allem Pendler dürften sich über die Pläne freuen. Schon seit Jahren sind Tausende zwischen Riesa und umliegenden Orten und Städten berufsbedingt unterwegs. Zwar stehen ihnen schon jetzt Schnell- und auch Regionalzugverbindungen zur Verfügung. Mit den geplanten S-Bahn-Verbindungen nach Dresden und auch Leipzig würde das Angebot aber voraussichtlich weiter verdichtet.

Verträge laufen aus

Wie genau das aussähe, ist allerdings offen. Konkrete Details zur angedachten S-Bahn-Verbindung von Riesa in die Messestadt – etwa zur Taktung oder den Verkehrszeiten – sind aktuell nicht zu erfahren. Offen ist damit zum Beispiel auch, ob eine S4 nach Leipzig Nachtschwärmern nutzen würde, die abends zum Konzert- oder Theaterbesuch einen Abstecher in die Metropole machen wollen.

Ohnehin ist das Projekt in einem noch vergleichsweise frühen Stadium. ZVNL-Chef Mietzsch verweist darauf, dass man momentan dabei sei, die Ausschreibung vorzubereiten. An der können Eisenbahnunternehmen wie zum Beispiel Transdev (Betreiber der Mitteldeutschen Regionalbahn), DB Regio oder andere teilnehmen und sich darum bewerben, den Streckenbetrieb in Zukunft übernehmen zu dürfen. Einige wenige Vorabinformationen sind bereits im EU-Amtsblatt veröffentlicht worden. Dort ist der Verlauf der künftigen S4 mit "Torgau – Eilenburg – Taucha – Leipzig Hbf. (tief) – Oschatz – Riesa" angegeben. Auch ein Hinweis, wann die neue Linie entstehen könnte, findet sich, da die Ausschreibung unter dem Titel MDSB 2025+ läuft, also für die Zeit nach dem Jahr 2025. Ende selbigen Jahres läuft ein Teil der bisherigen Verkehrsverträge nach zwölf Jahren aus. Daher auch die Ausschreibung.

Entscheidung im ersten Quartal

Allzu große Euphorie, dass es nach 2025 eine S-Bahn-Verbindung von Riesa nach Leipzig geben wird, bremst ZVNL-Chef Oliver Mietzsch allerdings. Denn der große Haken ist einmal wieder das Geld. So setzten die Pläne "eine auskömmliche Finanzierung durch den Freistaat Sachsen voraus", zumal der Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe bereits signalisiert habe "dass ihm die finanziellen Mittel für eine Anbindung von Riesa an das zukünftige mitteldeutsche S-Bahn-Netz fehlen."

Ob vom Freistaat allerdings die nötigen Gelder bereitgestellt werden, scheint fraglich. "Leider kommen aus Dresden bislang keine positiven Signale in Richtung einer auskömmlichen Finanzierung der Schienenpersonennahverkehr-Aufgabenträger und damit auch des ZVNL", so Oliver Mietzsch. Abzuwarten bleibe nun erst einmal eine endgültige Beschlussfassung der zuständigen Verbandsgremien und weiteren Beteiligten. Diese sei für das erste Quartal dieses Jahres zu erwarten.

S-Bahn ist nicht gleich S-Bahn

  • Was eine S-Bahn ist, ist nicht einheitlich definiert. In der Regel weisen sie einen Fahrplan mit vergleichsweise höherer Taktung auf.
  • Rund um Dresden gibt es bisher drei S-Bahnen: Schöna-Meißen Triebischtal (S1), Pirna-Dresden Flughafen (S2, DB Regio) und Dresden-Tharandt (S3). Im Gebiet um Leipzig und Halle gibt es zehn S-Bahn-Linien. Die jetzige Linie S3 endet in Wurzen bzw. Oschatz.
  • In Riesa hält bisher keine S-Bahn. (Quellen: SZ, VVO, S-Bahn Mitteldeutschland)

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