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Traditionsgeschäft verlässt Riesa

Fast 30 Jahre lang prägte das Modehaus Haase die Hauptstraße. Jetzt ist Schluss. Die Corona-Regeln brachten den letzten Ausschlag.

Im Stammhaus in Frauenhain hat Christoph Haase gerade das Erdgeschoss aufwendig umbauen lassen. Den Standort Riesa gibt der Modehändler nun allerdings auf.
Im Stammhaus in Frauenhain hat Christoph Haase gerade das Erdgeschoss aufwendig umbauen lassen. Den Standort Riesa gibt der Modehändler nun allerdings auf. © Kristin Richter

Riesa/Frauenhain. In riesigen Lettern steht es im Schaufenster geschrieben: Sale. Ausverkauf. Wieder verlässt ein Geschäft den Riesaer Boulevard. Dieses Mal ist es ein bekannter Name: Fast 30 Jahre lang hatte das Modehaus Georg Haase an der Hauptstraße eine Filiale. 1992 hatte der Frauenhainer Unternehmer das Riesaer "Bekleidungshaus Sack" übernommen und dort eine Filiale eröffnet. Nun ist Schluss.

Corona ist dabei nicht der einzige Grund, sagt Geschäftsführer Christoph Haase, der das Unternehmen von seinem Vater übernommen hatte. "Die Rücklagen sind aufgebraucht", sagt er. "Damit können wir in Riesa nicht mehr investieren, das müssten wir aber."

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So habe man die Entscheidung schon im vergangenen Jahr getroffen, noch vor dem zweiten Lockdown. Nun werde man sich auf das Haupthaus in Frauenhain (Gemeinde Röderaue) konzentrieren. Auch die Filiale in Dresden im Hochhaus an der Prager Straße ist bereits dicht. In Riesa soll es noch bis Ende März einen Ausverkauf geben - sollten das die Corona-Regeln zulassen.

Und was wird nun aus den Mitarbeiterinnen in Riesa? "Da haben wir Vorruhestands-Lösungen finden können", sagt der 44-Jährige. Wie andere Modehändler auch hatte Haase zuletzt monatelang nicht öffnen dürfen, weil die Corona-Schutzverordnungen das so vorschrieben.

Unübersehbar: Das Modehaus Haase zieht auf der Riesaer Hauptstraße aus. Für die knapp 400 Quadratmeter auf zwei Etagen wird nun ein Nachmieter gesucht.
Unübersehbar: Das Modehaus Haase zieht auf der Riesaer Hauptstraße aus. Für die knapp 400 Quadratmeter auf zwei Etagen wird nun ein Nachmieter gesucht. © Eric Weser

Auf einen Online-Shop hatte das Modehaus Haase ganz bewusst verzichtet. Die Entscheidung hatte der Geschäftsführer schon vor Jahren getroffen - und steht bis heute dazu. "Unsere Stärken können wir nur im Angesicht von Mensch zu Mensch ausspielen", sagt Christoph Haase. Der schönste Online-Shop könne die persönliche Beratung nicht ersetzen, zudem drehe sich im Internet-Geschäft alles nur um den Preis. "Das ist nicht unser Metier. Wir wollen den Menschen was bieten!"

Derzeit geht das freilich nur im vorgeschriebenen Verfahren per Anmeldung: Die Kunden können anrufen, eine Uhrzeit ausmachen - und werden dann bedient. "Das wird in Frauenhain tatsächlich sehr gut angenommen", sagt Christoph Haase. Die ländliche Lage des Traditionsgeschäfts abseits der Autobahnen nähme mancher in Kauf. "Zu uns kommen Kunden bis aus dem Raum Dresden, aus Meißen, aus Senftenberg, Herzberg oder Torgau", sagt der Geschäftsführer.

Das Modehaus Haase in Frauenhain bleibt erhalten. Hier war zuletzt mehrfach vorgerichtet worden - 2019 (Foto) und dann auch noch einmal 2020.
Das Modehaus Haase in Frauenhain bleibt erhalten. Hier war zuletzt mehrfach vorgerichtet worden - 2019 (Foto) und dann auch noch einmal 2020. © Eric Weser

Für sie wurde in Frauenhain im vergangenen Jahr groß umgebaut: Nachdem 2019 die obere Etage dran war, nutzte das Unternehmen 2020 die Zeit, auch das Erdgeschoss komplett umzubauen. "Fußboden, Wände, Decken, Licht - wir haben alles in die Hand genommen", sagt Christoph Haase. Den Corona-Lockdown habe man für die Arbeiten genutzt, sie aber danach nicht geplant. "Das war absoluter Zufall", sagt Haase, der das 1856 gegründete Familiengeschäft bereits in sechster Generation führt.

Unterdessen stehen die Räume der bisherigen Riesaer Filiale schon zur Neuvermietung: 2.200 Euro Warmmiete sollen die 387 Quadratmeter pro Monat kosten. Die Fläche sei "bestens geeignet für ein Ladengeschäft, eine Tagespflegeeinrichtung, eine Praxis, aber auch aufgrund der Größe, für ein Fitnessstudio oder ähnliches", heißt es in einem Inserat auf Ebay-Kleinanzeigen. In den vergangenen gut 180 Jahren, so kann man es der Publikation "Häusergeschichte(n)" des Riesaer Museumsvereins entnehmen, war die Adresse Hauptstraße 24 ganz dem Thema Bekleidung verschrieben: Erst hatte dort ein Strumpfwirkermeister Holey seinen Sitz, 1914 entstand das heutige Gebäude als "Wollhaus Gustav Holey" - mit einem Sortiment von Wollwaren, Trikotagen, Strümpfen, Herrenartikeln. 1932 folgte "Fischel's Herrenbekleidung", 1939/40 das Bekleidungshaus Sack - das bis nach der Wende existierte.

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Nur noch bis Ende März ist das Modehaus Haase dort anzutreffen. "Wir danken unseren Kunden, die uns lange Jahre die Treue gehalten haben", sagt Christoph Haase.

Kontakt zum Modehaus Haase: 035263 3260

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