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Empfänge-Ebbe in Riesa

Nach dem Jahreswechsel wird sich traditionell bei verschiedenen Anlässen getroffen, geredet, getanzt, gespendet. Dieses Jahr sieht es anders aus.

So sah es 2020 aus: Rund 250 Gäste waren zum Riesaer Wirtschaftsball gekommen. Die Veranstaltung gilt als eine Art Neujahrsempfang der Stadt. Dieses Jahr fällt sie aus – ersatzlos.
So sah es 2020 aus: Rund 250 Gäste waren zum Riesaer Wirtschaftsball gekommen. Die Veranstaltung gilt als eine Art Neujahrsempfang der Stadt. Dieses Jahr fällt sie aus – ersatzlos. © Eric Weser

Riesa. Da war allen noch zum Scherzen zumute: Freigiebig reichte Moderator Marco Branig beim Riesaer Wirtschaftsball Ende Februar 2020 Bier der Marke "Corona Extra" aus. Das neue Corona-Virus war da zwar längst auch in Deutschland angekommen, doch die Infektionszahlen noch niedrig und für viele kaum vorstellbar, welche Entwicklungen es deswegen in der nächsten Zeit geben würde. Entsprechend locker ging es beim Wirtschaftsball zu, der seit seiner Premiere 2016 quasi der Neujahrsempfang der Stadt Riesa unter Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) ist und der auf prominente Gäste wie die Dresdner Fußballlegende Ralf Minge zurückblicken kann.

In diesem Jahr allerdings fällt Riesas Wirtschaftsball ebenso wie viele andere Neujahrsempfänge auch aus. Das bestätigt John Jaeschke. Der Geschäftsführer von Riesas FVG organisiert mit seinem Team die Festveranstaltung, die im Februar eigentlich zum sechsten Mal stattfinden sollte. Die Vorbereitungen seien schon im zweiten Quartal 2020 losgegangen, sagt Jaeschke – also nur kurz nach der letzten Ausgabe. Zu der Zeit sei man noch von einer positiven Entwicklung der Lage ausgegangen. Die gab es aber nicht. Deswegen habe man sich auch vor einigen Wochen für die Absage entschieden.

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Den Termin für den Wirtschaftsball in den Herbst zu verlegen sei zwar denkbar gewesen. Aber dann wäre der Abstand zum nächsten Termin Anfang 2022 zu kurz geraten, sagt John Jaeschke. "Deswegen haben wir gesagt, wir lassen es dieses Jahr und setzen den Ball nächstes Jahr neu auf, in der Hoffnung, dass es dann wieder etwas zu feiern gibt." Wirtschaftlich gesehen bedeutet das für die FVG offenbar kein allzu großes Problem. "Wir hatten die Veranstaltung noch nicht so aufgesetzt, dass wir beispielsweise Künstlern hätten absagen müssen oder dass Dienstleister beauftragt waren", sagt Jaeschke. Und wie stünde es damit, eine virtuelle Ausgabe des Ballabends zu arrangieren? Davon halte man nicht viel, so der FVG-Chef. "Gerade solche Veranstaltungen leben vom persönlichen Gespräch."

"Haben gemerkt, dass die Leute satt sind"

Gelegenheit dazu gibt sonst auch der Neujahrsempfang der Meißner Kreishandwerkerschaft, die in Riesa ihren Sitz hat. Voriges Jahr zählte die Handwerkerlobby bei ihrem Neujahrstreffen im Meißner Burgkeller etwa 120 Gäste. Prominentester Besucher war Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Sachsens Regierungschef hatte angekündigt, 2021 wiederkommen zu wollen, sagt Jens-Torsten Jacob, Geschäftsführer der Kreishandwerker. Bis in den Herbst hinein habe es auch so ausgesehen, als könnte es etwas werden. Auch ein verkleinerter Empfang sei im Gespräch gewesen. Als dann aber der Lockdown kam, wurde die Veranstaltung ersatzlos gestrichen; erst 2022 soll es wieder einen Neujahrstreff geben. "Wir wollen auch kein Sommerfest machen, denn das werden viele machen, und das wird sich dann häufen", sagt Jens-Torsten Jacob. Tatsächlich hat beispielsweise die Stadt Meißen vor, statt des Neujahrstreffens, später im Jahr einzuladen. Bei dem Fest sollen dann auch Auszeichnungen vergeben werden, zum Beispiel für Ehrenamtliche.

Voll und ganz verzichtet wird auf einen Neujahrsempfang zum Beispiel seit zehn Jahren bei der in Riesa ansässigen Sparkasse Meißen. Und auch beim Riesaer Lions Club. Den Letzten gab es dort 2017. "Wir haben gemerkt, dass die Leute satt sind", sagt Clubsekretär Steffen Währa über ein bei vielen gesunkenes Bedürfnis nach solchen Terminen. Stattdessen organisieren die Lions, die seit Kurzem in Riesa auch einen Jugend-Ableger haben, nun regelmäßig im März ein Beisammensein, um Spenden für ihre Projekte zu sammeln – eine Art "Afterworkparty". Nach zwei Ausgaben im Riesenhügel 2018 und 2019 fiel die dritte schon Corona-bedingt aus. Und auch dieses Jahr wird es nichts, sagt Steffen Währa. Die Löwen hoffen nun darauf, dass sich die Corona-Lage bis zum Frühjahr entspannt und im Mai die Oldtimer-Rallye des Clubs stattfinden kann.

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