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Entsteht hier Riesas nächste Brache?

Die 4. Grundschule wird in absehbarer Zeit geschlossen. Zu ihr gehört ein großes Gelände – dessen Zukunft die Stadtpolitik in der Hand hat.

Das Areal der 4. Grundschule in Riesa liegt mitten in der Stadt. Das Aus der Schule ist beschlossene Sache. Die Zukunft des Geländes scheint hingegen offen.
Das Areal der 4. Grundschule in Riesa liegt mitten in der Stadt. Das Aus der Schule ist beschlossene Sache. Die Zukunft des Geländes scheint hingegen offen. © Eric Weser

Riesa. Wenn nicht coronabedingt die Schule geschlossen ist oder Ferien sind, dann gehören Woche für Woche Kinder, Lehrer und Eltern zum Bild auf dem Gelände zwischen der Rudolf-Breitscheid- und Friedrich-List-Straße im Riesaer Stadtzentrum. Lange wird das aber nicht mehr so sein: Im Jahr 2022 wird die 4. Grundschule an der Breitscheidstraße geschlossen. Für Schüler und Lehrer geht es dann nach Gröba ins sanierte Schulhaus am Storchenbrunnen an der Alleestraße.

Damit stellt sich die Frage: Was wird aus dem Gelände an der Breitscheidstraße? Immerhin ist es mit drei Hektar vergleichsweise groß und liegt mitten in Stadt.

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Ringsum gibt es vor allem mehrstöckige Wohnhäuser. Gleich nebenan befindet sich das zudem markante, von der städtischen Tochtergesellschaft PBZ betriebene Seniorenheim. Im 300-Meter-Umkreis liegen drei Einkaufsmärkte. Die Verkehrsanbindung ist gut, der Weg zu Dienstleistern oder Ärzten überschaubar. Einzig das nahe gelegene Ölwerk sorgt hin und wieder für starke Gerüche.

Turnhalle steht nicht zur Debatte

Eigentümerin des Schulareals ist die Stadt Riesa, bestätigt deren Sprecher Uwe Päsler. Eine umfangreiche Anfrage zur Zukunft des Grundstücks beantwortet er knapp und mit Verweis auf die Lokalpolitik: "Über die mittelfristige Entwicklung des gesamten Areals inklusive der Gebäude muss der Stadtrat zum gegebenen Zeitpunkt befinden."

Wann dieser Zeitpunkt sein wird, benennt das Rathaus nicht. Damit bleibt auch offen, ob das 1976 errichtete Schulgebäude vom Typ "Dresden Atrium" abgerissen werden soll. Oder auch, ob es möglicherweise Interessenten gibt, die sich für eine Weiternutzung des DDR-Typenbaus interessieren, der als schwer sanierbar gilt.

Eine klare Aussage trifft die Stadtverwaltung indes zur Turnhalle auf dem Gelände: Sie stehe nicht zur Debatte, da sie täglich bis abends belegt sei. Neben dem Schulsport und dem Hort seien der Cheerleaderverein und die Tischtennisfreunde dort zu Gange – "zwei in der Nachwuchsarbeit sehr engagierte Vereine unserer Stadt", wie Stadtsprecher Uwe Päsler betont. "Außerdem treiben die SV-Einheit-Volleyballer und eine Gruppe Freizeitfußballer in dieser Halle Sport." Daneben nutze die Polizei das Gebäude für ihren Dienstsport. Diese Angebote sollen erhalten bleiben, so Päsler.

Großvermieter grenzen an

Das Gelände der 4. Grundschule (Grundstücksgrenze rot umrandet) zwischen Breitscheid-, Klötzer- und Liststraße. Mit dem eigentlichen Schulhaus und der Turnhalle gibt es zwei Gebäude. Ringsum vor allem Wohnbauten, aber auch Einkaufsmöglichkeiten und einige
Das Gelände der 4. Grundschule (Grundstücksgrenze rot umrandet) zwischen Breitscheid-, Klötzer- und Liststraße. Mit dem eigentlichen Schulhaus und der Turnhalle gibt es zwei Gebäude. Ringsum vor allem Wohnbauten, aber auch Einkaufsmöglichkeiten und einige © Grafik: SZ, Basiskarte: GeoSN

Ein weiterer Nutzer des Schulgeländes ist aktuell die Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR): Das städtische Tochterunternehmen hat seinen Verwaltungssitz auf einem Grundstück an der Klötzerstraße. Dieser grenzt rückseitig an das Schulgelände. Mehr noch: Für ihren Parkplatz hat die WGR einen Teil des Schulgeländes gepachtet. Laut WGR-Chef Roland Ledwa existiert ein langfristiger Pachtvertrag.

Mit einem Schulareal und einem Gebäude vom Typ Dresden hat die WGR seit einiger Zeit intensiver zu tun: Seit Jahresbeginn gehört dem Unternehmen die Trinitatis-Schule an der Riesaer Schillerstraße – auch ein Typ-Dresden-Bau. Das Gebäude soll saniert werden, damit die vom Christlichen Schulverein getragene Grundschule auch künftig ein zeitgemäßes Gebäude hat.

Für das Schulareal gleich neben ihrem Firmensitz hegt die WGR allerdings nach eigenem Bekunden keine Pläne: "Eine Entwicklung des Areals der 4. Grundschule ist perspektivisch nicht angedacht", sagt Geschäftsführer Roland Ledwa.

Und wie sieht es bei Riesas anderem Großvermieter aus, der Wohnungsgenossenschaft? Das Unternehmen bewirtschaftet eine ganze Reihe ans Schulgelände angrenzender Mehrfamilienhäuser, etwa an der Breitscheid- und der Klötzerstraße. "Derzeitig haben wir keine Absicht, diese Grundstücke zu kaufen", sagt Genossenschafts-Vorstand Kerstin Kluge mit Blick auf das Schulgelände. Man sei ja auch nicht der einzige Nachbar.

Bleibt beispielsweise die Frage, ob mit der Firma Riepharm ein anderer Nachbar Interesse an dem Schulareal oder Teilen davon hätte. Immerhin hatte sich das unlängst für seinen wirtschaftlichen Erfolg prämierte Unternehmen auf seinem Grundstück an der Friedrich-List-Straße in den vergangenen Jahren stark vergrößert. Auf Nachfrage, ob sich der Pharmahändler zwecks Erweiterung für das Schulareal oder Teile davon interessiert, äußert sich Geschäftsführer Frank Breuer zurückhaltend: Mögliche Pläne in diese Richtung wolle man zunächst intern besprechen.

Damit bleibt hinter der Zukunft des Geländes ein großes Fragezeichen. Zumindest für das nächste Jahr ist die Perspektive aber klar: Bis zum Ende des nächsten Schuljahres werden Schüler und Lehrer das Areal samt Schulgebäude noch für ihre Zwecke nutzen.

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