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Ein Riesenlob fürs Kita-Angebot

Beim SZ-Familienkompass schneidet die Kinderbetreuung in Riesa und Strehla besonders gut ab. Kritik gibt's nicht nur an der Arztversorgung.

Musik nimmt bei den Kindern der Kita "Villa auf dem Kirschberg" eine besondere Stellung ein. Hier führen die Kita-Kinder das Lied von der Raupe Nimmersatt auf. Erzieherin Linda Schuppe begleitet auf der Gitarre.
Musik nimmt bei den Kindern der Kita "Villa auf dem Kirschberg" eine besondere Stellung ein. Hier führen die Kita-Kinder das Lied von der Raupe Nimmersatt auf. Erzieherin Linda Schuppe begleitet auf der Gitarre. © Sebastian Schultz

Riesa. Der Morgen beginnt schon künstlerisch. Erzieherin Linda Schuppe spielt auf der Gitarre, die Kinder der Kita "Villa auf dem Kirschberg" singen und spielen das Lied der Raupe Nimmersatt. "Wir üben gerade daran", erzählt Kita-Leiterin Gabriela Mentzer. 

Musik ist ein fester Bestand der Kita unweit des Riesaer Stadtzentrums. "Wir sind im deutschen Chorverband Die Carusos." Das musische Profil sei einer der Hauptgründe, warum Eltern ihr Kind in der früheren Industriellenvilla auf dem Kirschberg anmelden. Ein weiterer sei die hauseigene Küche. 

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Freie Träger als großer Trumpf

Als die SZ im Jahr 2013 erstmals wissen wollte, wie familienfreundlich die Sachsen ihre jeweilige Region einschätzen, war das Ergebnis aus Riesaer Sicht ernüchternd. Lichtblick waren aber schon damals die Kitas. Das ist auch diesmal so. Für die Kita-Qualität in Riesa, die diesmal gemeinsam mit der Nachbarstadt Strehla zusammengefasst wurde, gab es die Note 2,24. Das ist auch deutlich besser als der sächsische Durchschnitt - der liegt bei 2,5. Ob Organisation, Einbeziehung der Eltern oder Nachmittagsangebot - in nahezu jedem Feld steht Riesa besser da als das Sachsen-Ergebnis. 

Gabriela Mentzer überrascht das nicht, sagt sie. "Wir haben eine große Vielfalt durch die vielen freien Träger." Während sich die Kirschberg-Kinder auf die Musik spezialisieren, bieten die DRK-Kitas beispielsweise schon Grundlagen der Ersten Hilfe an, die laut DRK-Vorstand Falk Glombik für Hortkinder in der ersten Klasse fortgesetzt werden kann. "Nicht selten gehen die Kinder von dort direkt ins Jugendrotkreuz." Die ASB-Kita in Strehla wiederum ist zertifizierte Sprach-Kita, setzt auf Erzähltheater, Geschichtensäckchen und Bücher-Tauschbox. Außerdem kooperiere man eng mit der Strehlaer Grundschule, sagt Leiterin Jacqueline Conrad. Die Liste ließe sich fortsetzen. 

Im gelben Bereich: In Summe schneidet Riesa im Familienkompass etwas schlechter ab als der Sachsenschnitt. 
Im gelben Bereich: In Summe schneidet Riesa im Familienkompass etwas schlechter ab als der Sachsenschnitt.  © SZ Grafik
Top: Bei der Kinderbetreuung in den Kitas schneiden Riesa und Strehla überdurchschnittlich gut ab. 
Top: Bei der Kinderbetreuung in den Kitas schneiden Riesa und Strehla überdurchschnittlich gut ab.  © SZ Grafik
Flop: Die Arztversorgung bleibt aus Sicht vieler Befragter ein Manko in der Region. 
Flop: Die Arztversorgung bleibt aus Sicht vieler Befragter ein Manko in der Region.  © SZ Grafik
In Sachen Arbeit sind Riesa und Strehla Mittelmaß. Auffällig pessimistisch bewerten Eltern die Zukunftschancen für Kinder. 
In Sachen Arbeit sind Riesa und Strehla Mittelmaß. Auffällig pessimistisch bewerten Eltern die Zukunftschancen für Kinder.  © SZ Grafik
Wenig schmeichelhaft fällt auch das Urteil über die Schulqualität aus. Besonders heftig ist die Kritik am Schulessen. Die Schulgebäude schnitten 2013 übrigens noch deutlich schlechter ab. 
Wenig schmeichelhaft fällt auch das Urteil über die Schulqualität aus. Besonders heftig ist die Kritik am Schulessen. Die Schulgebäude schnitten 2013 übrigens noch deutlich schlechter ab.  © SZ Grafik
Bei der Familienpolitik gibt es ein gemischtes Bild. Gelobt wird die Schulvielfalt, bei Freizeitmöglichkeiten und städtischen Maßnahmen für Familien sehen die Befragten Luft nach oben. 
Bei der Familienpolitik gibt es ein gemischtes Bild. Gelobt wird die Schulvielfalt, bei Freizeitmöglichkeiten und städtischen Maßnahmen für Familien sehen die Befragten Luft nach oben.  © SZ Grafik
Spielplätze werden in der Befragung ebenfalls kritisiert. Das Wohnungsangebot bewerten die Befragten in Riesa und Strehla dagegen etwas besser als im Sachsen-Schnitt. 
Spielplätze werden in der Befragung ebenfalls kritisiert. Das Wohnungsangebot bewerten die Befragten in Riesa und Strehla dagegen etwas besser als im Sachsen-Schnitt.  © SZ Grafik

Platz in der Wunsch-Kita leichter zu bekommen

Profitieren dürften die Kitas auch davon, dass der Ansturm auf die Plätze geringer ist als in den Ballungsräumen. "Im Moment können wird die Nachfrage bedienen", sagt Gabriela Mentzer vom Kirschberg. Von den 2.093 Plätzen in Riesas Krippen, Kindergärten und Horten waren in diesem Jahr durchschnittlich 89 Prozent belegt. Entsprechend sagen 71 Prozent der Eltern, sie seien bei der Suche nach der Wunsch-Kita erfolgreich gewesen. Das war 2013 noch anders. 

Am besten benotet wurde von den Befragten übrigens das Engagement der Erzieherinnen. Die schlechteste Zensur innerhalb der Kita-Kategorie gab's für die Personalausstattung. Mehr als 40 Prozent der Eltern bewerten sie als eher schlecht. Eine junge Strehlaerin kritisiert, der Betreuungsschlüssel sei mit 15 Kindern auf eine Erzieherin ihrer Ansicht nach zu hoch. So könne man doch nicht richtig auf jedes einzelne Kind eingehen. Mit der Note 3,31 bei der Personalausstattung liegen beide Städte trotzdem noch leicht über dem Sachsenschnitt. Gabriela Mentzer macht sich  jedenfalls keine Sorge um ihr samt Küche 44 Leute umfassendes Personal. Zuletzt habe sich der Stamm deutlich verjüngt. Damit einher gehe eben, dass manche pädagogische Fachkraft auch mal selbst Mutter werde, sagt sie und schmunzelt. 

Nur die Kitabeiträge sorgen für Frust

Deutlichere Kritik äußern die Befragten des Familienkompass dagegen an einem Punkt der Kinderbetreuung, für den Gabriela Mentzer und ihre Kollegen überhaupt nichts können: an den Elternbeiträgen. Eine 25-jährige Riesaerin rechnet vor: Sie und ihr Partner verdienten zwischen 2.600 und 2.700 Euro Netto, von denen 600 Euro für Miete und 500 Euro für die Betreuung der beiden Kinder in Kita und Krippe plus Verpflegung abgehen. Dazu kämen noch ein Kredit fürs Auto, Spritkosten fürs Pendeln, Versicherungen und so weiter. Da bleibe fast nichts übrig, sagt die Riesaerin. "Die Kita-Beiträge müssen endlich abgeschafft werden. Andere Bundeslänger machen es vor!"

Auch im Riesaer Stadtrat sind die Beiträge regelmäßig Thema, zuletzt demonstrierten Eltern im November 2019 gegen eine erneute Erhöhung. Die frühkindliche Bildung auch finanziell zu sichern sei  "ein Thema, das die Stadtpolitik logischerweise dauerhaft beschäftigt", heißt es aus dem Rathaus. "Deshalb wird es zu den Elternbeiträgen immer verschiedene Meinungen geben." Stadtsprecher Uwe Päsler verweist darauf, dass die Stadträte zuletzt fraktionsübergreifend eine stärkere Verantwortung des Freistaats eingefordert hätten. "Wie sich das entwickelt, ist derzeit aber noch nicht absehbar." Das eigentliche Ziel der Stadt Riesa laut Stadtratsbeschluss von 2019 ist eine kontinuierliche Senkung und schließlich Abschaffung der Beiträge

Arztversorgung bleibt größter Kritikpunkt

So gut Riesa und Strehla insgesamt bei Kitas und Kinderbetreuung dastehen, so groß ist die Kritik in anderen Bereichen. Größte Sorge vieler Familien ist und bleibt die Arztversorgung. Hier liegt der Notenschnitt bei 3,56. Nur sechs Gebiete in Sachsen stehen noch schlechter da - darunter übrigens auch die Gemeinden östlich der Elbe. Nach Ansicht der Befragten fehlt es in der Region sowohl an Fach- und Haus-, als auch an Kinderärzten. Gerade bei letzteren sehen fast drei Viertel der Befragten eine Unterversorgung. 

Zu den Schlusslichtern gehört die Stadt auch in der Kategorie "subjektives Wohlbefinden". Vor allem die Zahl der vorhandenen Spielplätze und deren Sauberkeit lassen aus Sicht der Befragten zu wünschen übrig. Bei genauerer Betrachtung fällt die Bewertung für Riesa aber etwas durchwachsener aus - auch wenn viele Kategorien schlechter bewertet wurden als im sächsischen Schnitt. Die Frage, ob sie sich in Riesa wohlfühlen, bejahen fast drei Viertel der Befragten, im Schnitt wird das Wohlbefinden mit einer 2 bewertet. Das ist trotzdem schlechter als als der Sachsenschnitt - der liegt bei 1,7. 

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Außerdem gehören besseres Schulessen und ein breiteres Freizeitangebot zu den Wünschen der Befragten. Verbessert hat sich übrigens die Meinung der Eltern, was den baulichen Zustand der Schulen angeht. Im Jahr 2013 vergaben sie noch die Note 3,5 für diesen Punkt, heute steht man bei etwa 2,8, nachdem die ersten Schulen saniert sind und weitere Modernisierungen bereits laufen. Dass noch Luft nach oben ist, zeigt allerdings der Sachsen-Schnitt: Der liegt immer noch fast eine halbe Note besser. 

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