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Fledermaus-Brücke für neue B 169

Für den 3. Bauabschnitt nach Salbitz liegt eine neue Planung vor – die unter anderem mit einer besonderen Hilfe für die Flugtiere aufwartet.

So sieht sie aus, die Mopsfledermaus. Für das Tier und weitere Artgenossen sieht die Planung des 3. B-169-Bauabschnitts ein ganz spezielles Bauwerk vor.
So sieht sie aus, die Mopsfledermaus. Für das Tier und weitere Artgenossen sieht die Planung des 3. B-169-Bauabschnitts ein ganz spezielles Bauwerk vor. © Archivfoto: Stefan Thomas/dpa

Riesa. Sie bringt gerade einmal um die zehn Gramm auf die Waage – so viel wie zwei Zwanzig-Cent-Münzen. Und mit fünf Zentimeter Rumpflänge gehört sie auch zu den eher Mini-Säugetieren. Trotzdem sorgt die Mopsfledermaus gemeinsam mit anderen Artgenossen bei der Planung des dritten B-169-Bauabschnitts zwischen Riesa und Salbitz für durchaus große Änderungen. Um eine bestehende  Flugroute für die Tiere zu erhalten, soll die neue Bundesstraße künftig eine extra Brücke überspannen.

Das geht aus aktuellen Planungen für das Straßenbauprojekt hervor, die derzeit öffentlich ausliegen. Noch bis Anfang Oktober können die Zeichnungen, Erläuterungen und Gutachten unter anderem im Riesaer Rathaus, aber auch online  eingesehen werden. 

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Grundsätzlich ähneln die Planungen dem Stand von 2018, als es zuletzt einen Erörterungstermin zwischen Straßenplanern, Betroffenen und der Landesdirekation als Genehmigungsbehörde gegeben hatte. So ist zum Beispiel der  Verlauf der künftigen Straße gleich geblieben. Verschiedene Änderungen gibt es hingegen auf der Detailebene. Eine davon ist das sogenannte "Überführungsbauwerk 0" – die rund zehn Meter breite und rund 100 Meter lange Brücke über die künftige Bundesstraße nahe der Ortschaft Salbitz, die sich auch als "Fledermausbrücke" bezeichnen ließe. 

So soll sie aus Fahrtrichtung Riesa einmal aussehen: Die "Fledermausbrücke" bei Salbitz, unter der einmal die neue B 169 entlangführen könnte. Rochzahn ist ein Ortsteil von Salbitz.
So soll sie aus Fahrtrichtung Riesa einmal aussehen: Die "Fledermausbrücke" bei Salbitz, unter der einmal die neue B 169 entlangführen könnte. Rochzahn ist ein Ortsteil von Salbitz. © Quelle: Lasuv/VIC Planen und Beraten GmbH Dresden

An deren geplantem Standort führt heute ein mit Kirschbäumen gesäumter Landwirtschaftsweg von Salbitz nach Norden in Richtung der Ortschaft Casabra. Der relativ unscheinbare Weg ist  eine "bedeutende Verbundstruktur für Fledermäuse", besonders die Mops-, die Rauhaut- und die Zwergfledermaus. So ist es im Artenschutzgutachten zu lesen, das zur Straßenplanung gehört. Um diese Struktur auch nach dem Bau der neuen B-169-Strecke zu erhalten "und um betriebsbedingte Kollisionen mit den querenden Fahrzeugen zu vermeiden, ist in diesem Konfliktschwerpunkt eine ... fledermausgerechte Querungshilfe zu errichten", heißt es dort weiter.

Eine Querungshilfe für die Tiere an der Stelle hatte es eigentlich schon bei der letzten Planung gegeben – allerdings in deutlich einfacherer Form: Auf beiden Fahrbahnseiten waren Bäume vorgesehen, in deren Kronen die Fledermäuse von einer Straßenseite zur anderen flattern können. Eine Art natürliche Brücke, um die Straße zu überspringen. "Hop over" nennen das die Fachleute. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2017 kommt zu dem Schluss, dass Hop-over keine anderen Querungshilfen wie Grünbrücken ersetzen kann.

Die Illustration veranschaulicht das Prinzip eines "Hop over" für Fledermäuse: Die Tiere orientieren sich an den Bäumen und fliegen von Krone zu Krone. So kollidieren sie nicht mit Autos auf der Straße. Diese Variante für eine "natürliche Brücke" bei Salb
Die Illustration veranschaulicht das Prinzip eines "Hop over" für Fledermäuse: Die Tiere orientieren sich an den Bäumen und fliegen von Krone zu Krone. So kollidieren sie nicht mit Autos auf der Straße. Diese Variante für eine "natürliche Brücke" bei Salb © Quelle: SZ

Wohl auch deshalb soll im dritten B-169-Bauabschnitt nun so ein Bauwerk aus Beton und Stahl entstehen – aber auch mit viel Grün: Schon viele Meter vor der eigentlichen Brücke soll es sogenannte Leitpflanzungen geben, die den Tieren wie eine Art Korridor den Weg zur Brücke weisen. Auf der Brücke soll es dann eine "durchgängige Heckenstruktur" geben, an der sich die Tiere weiter orientieren können. Und: Rechts und links der Hecke zwei Meter hohe Fledermausschutzwände – ein Blendschutz für die nachtaktiven Tiere, wenn die Autos mit Licht auf der Bundesstraße unter der Brücke hindurchfahren. Dass es auf der Brücke selbst noch einen landwirtschaftlicher Weg gibt, wird selbst von Umweltplanern als unproblematisch gesehen – der Weg sei wenig frequentiert, so deren Einschätzung. 

Auch wenn die neue Brücke vorrangig für die Fledermäuse errichtet werden soll: Die Straßenplaner vom Lasuv verweisen auf Nachfrage, warum das neue Bauwerk eingeplant wurde, auch auf die Vorteile für Menschen. So würden Umwege für Radfahrer, Fußgänger und den landwirtschaftlichen Verkehr verringert. Der Landwirtschaftsverkehr könne den Bereich außerdem besser erreichen. Auf Kritik an der vorher geplanten Fledermaus-Querung ist das Ganze demnach nicht zurückzuführen: Umweltrelevante Einwände gegen die bisherige Lösung habe es keine gegeben, so die Behörde auf Nachfrage.

Die Grafik zeigt den möglichen künftigen Verlauf der B 169. Grün eingekreist: Der geplante Standort der neuen Fledermausquerungshilfe, die daneben noch weitere Funktionen erfüllen soll.
Die Grafik zeigt den möglichen künftigen Verlauf der B 169. Grün eingekreist: Der geplante Standort der neuen Fledermausquerungshilfe, die daneben noch weitere Funktionen erfüllen soll. © SZ Grafik

Neben der neuen Brücke sind in den Plänen auch noch bei Raitzen zwei Bauwerke vorgesehen, die den Fledermäusen über die Straße helfen sollen. Schließlich sind im dortigen sogenannten FFH-Gebiet  mit  Mopsfledermaus, Abendsegler oder Großem Mausohr sowie weiteren Arten besonders viele der Tiere. Bei Raitzen ist für die kleinen Flieger allerdings keine Über- sondern eine Unterquerung der Fahrbahn vorgesehen. Um auch dort zu vermeiden, dass die Tiere von Autoscheinwerfern geblendet werden, sind rechts und links der Fahrbahn Fledermausschutzwände vorgesehen. Das alles gab es aber so schon in der letzten Planung.

So sieht es heute an der Stelle aus, an der einmal die "Fledermausbrücke" entstehen soll: Kirschbäume säumen den Feldweg. Im Hintergrund Häuser der Ortschaft Salbitz. Derzeit verläuft die B 169 rund 800 Meter entfernt quer zur Richtung des Feldwegs.
So sieht es heute an der Stelle aus, an der einmal die "Fledermausbrücke" entstehen soll: Kirschbäume säumen den Feldweg. Im Hintergrund Häuser der Ortschaft Salbitz. Derzeit verläuft die B 169 rund 800 Meter entfernt quer zur Richtung des Feldwegs. © Lutz Weidler

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