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Freies Gymnasium Riesa: "Wir haben uns Akzeptanz erarbeitet"

Zehn Jahre liegt der Start der Schule zurück. Gerade der Beginn war nicht einfach, erzählen zwei Gründerinnen.

Elke Schumann (l., mit Stirnband) und Diana Ulbricht (2.v.r.) vorm Eingang des Christlichen Gymnasiums: Beide Frauen gehören zu den Initiatoren des Christlichen Gymnasiums Riesa – das es inzwischen zehn Jahre gibt.
Elke Schumann (l., mit Stirnband) und Diana Ulbricht (2.v.r.) vorm Eingang des Christlichen Gymnasiums: Beide Frauen gehören zu den Initiatoren des Christlichen Gymnasiums Riesa – das es inzwischen zehn Jahre gibt. © Eric Weser

Riesa. Das Bäumchen in dem Bottich ist noch klein. Aber das soll es nicht bleiben. Den Schülern der sechsten Klasse ist es jetzt zur Pflege anvertraut. An ihnen ist es nun, das Gewächs großzuziehen und vielleicht auch auszupflanzen, wenn der Behälter einmal zu klein werden sollte.

Es ist Montag und wie in anderen Schulen des Landes beginnt auch im Christlichen Gymnasium "Rudolf Stempel" in Riesa eine neue Schulwoche. Während anderswo vielleicht schon die ersten Stunden abgehalten werden, gibt es in der Schule an der Langen Straße ein großes Beisammensein: Die Schüler aus allen acht Jahrgängen, Lehrer und Schulleitung sind in der Turnhalle zusammengekommen, um einen Erntedank-Gottesdienst zu feiern. Es wird zusammen gesungen, gemeinsam gebetet. Altere Schüler beklatschen jüngere für deren Beiträge.

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In der Turnhalle des Gymnasiums gibt es ein Beisammensein aller Schüler anlässlich des Erntedankfestes. Solche Programmpunkte gehören in der Schule dazu.
In der Turnhalle des Gymnasiums gibt es ein Beisammensein aller Schüler anlässlich des Erntedankfestes. Solche Programmpunkte gehören in der Schule dazu. © Eric Weser

Nach gut einer Stunde folgt die Baumpflanz-Aktion als Abschluss, ehe es für alle zurück in ihre Klassenräume und zum Stoff des sächsischen Lehrplans geht. Der ist auch für die Schule in freier Trägerschaft maßgeblich.

Zehn Jahre gibt es das Christliche Gymnasium in Riesa inzwischen. Wie die Bäumchen der Schüler war die Schule anfangs klein. Mit 14 Schülern und einer Klassenlehrerin ging es 2011 in der Riesaer Studienakademie "Marie" an der Klötzerstraße los. Etliche Fächer wurden über Honorarkräfte unterrichtet.

Vieles hat sich seitdem verändert. Nach nur einem Jahr ging es für die Schule in Räume im Qualifizierungszentrum an der Alleestraße in Gröba. Zwei Jahre später folgte ein erneuerter Wechsel an die Lange Straße 51. Im ehemaligen Berufsschulzentrum, in dem sich auch die Kreismusikschule befindet, lernen jetzt 175 Schüler, die von inzwischen 23 beim Schulträger angestellten Lehrern unterrichtet werden. "Wir haben so viel Platz, wie wir brauchen", sagt Diana Ulbricht. Die heutige Geschäftsführerin des Schulträgervereins gehörte mit Elke Schumann zu der Elterninitiative, auf die die Gründung der Schule zurückgeht.

Ganz am Anfang stand eine Idee: Eine Schule mit einem Konzept zu schaffen, das anders ist. Dieses Konzept auf eine kurze Formel zu bringen, sei schwierig, sagt Elke Schumann – und verweist dann auf ein Zitat von Albert Einstein. Das da lautet: "Die Schule sollte es sich immer zum Ziele setzen, den jungen Menschen als harmonische Persönlichkeit und nicht als Spezialisten zu entlassen."

Eigentlich hatte die Elterninitiative lediglich das Schulkonzept entwickeln wollen. Ein Träger sollte sich dann um die Umsetzung kümmern. Doch es fand sich niemand. Also nahm die Elterninitiative die Sache selbst in die Hand und hob die Schule selbst aus der Taufe. Dass unter den Gründern, die vor allem Frauen waren, die nötige Kompetenz da war, um die Sache ins Laufen zu bringen, nennt Elke Schumann im Nachhinein "ein im christlichen Sinne Wunder des Alltags".

Wo die Schule zehn Jahre nach der Gründung steht? "Auf stabilen Füßen", so Elke Schumann. Die Akzeptanz sei bestens und erstrecke sich auf ein großes Umfeld. Die Mit-Gründerin nennt die Orte wie Oschatz, Elsterwerda, Nossen. Aus Riesa selbst komme nur ein Bruchteil der Schüler. Festmachen lasse sich die Akzeptanz aber auch daran, dass zuletzt über mehrere Jahre jeweils 30 Kinder für die neuen fünften Klassen angemeldet wurden. Platz ist aber nur für 23. Vorrang hat, wessen Geschwister schon an der Schule sind und wer eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium mitbringt. Um die Fairness zu wahren, kommt aber ein Losverfahren zum Einsatz, um die Plätze zu vergeben. "Was uns manche nicht glauben", so Elke Schumann.

Vorbehalte sind für die Schul-Verantwortlichen nichts Neues. "Gerade am Anfang wurden wir doch sehr skeptisch beäugt, ob die Sache auch langfristig trägt", sagt Diana Ulbricht. Es sei auch nicht einfach gewesen, in den ersten Jahren Schüler zu akquirieren – und mit ihnen auch die nötigen Einnahmen, so Ulbricht, die nach mehreren Jahren ehrenamtlichen Engagements für den Schulträgerverein seit 2018 hauptamtlich als dessen Geschäftsführerin arbeitet. Schließlich müsse sich der Schulbetrieb am Ende auch finanziell tragen. Am Anfang habe deshalb auch ein großer Kredit gestanden. Zuschüsse vom Staat, nach denen dann auch das Schulgeld gesenkt werden konnte – heute sind es monatlich 128 Euro – gab es erst im fünften Jahr des Schulbestehens.

Etliche Sorgen aus der Anfangszeit sind inzwischen passé, neben Akzeptanz ist inzwischen auch die Bekanntheit gestiegen. Viele Eltern würden die Schule inzwischen gezielt auswählen. Und spätestens, seitdem die Schule die ersten Abiture und damit die ersten Absolventen hat, "hat uns auch der Letzte geglaubt, dass wir nicht ganz schlecht sind", sagt Elke Schumann. 2019 hatte es die ersten Abschlussprüfungen gegeben.

Inzwischen kehren gar die ersten Abiturienten wieder zurück: Erst vor wenigen Tagen sei eine Absolventin des ersten Jahrgangs da gewesen – für ein Forschungsprojekt in ihrem Lehramtsstudium. Das Projekt ist in Kooperation mit der ehemaligen Schulleiterin entstanden, die inzwischen als Professorin an einer Berliner Hochschule arbeitet.

Die Mit-Gründerinnen sind stolz auf die Entwicklung, die ihre Schule genommen hat. "Es tut immer wieder gut, zu sehen, was für eine Atmosphäre hier herrscht", sagt Elke Schumann, deren Vereinschefinnen-Posten inzwischen eine andere Mitstreiterin übernommen hat. Gleichwohl habe sich der Geist aus den Anfangstagen auch etwas verändert. Dass er nicht verloren geht im Alltag und unter der Bürokratie, das sei eine Herausforderung, sagt Diana Ulbricht. Eine, der sich die Initiatorinnen aber gern stellen. Sich um ein einmal gepflanztes Bäumchen zu kümmern, das soll schließlich auch vorgelebt werden.

Eins von drei Gymnasien

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  • Riesa hat drei Gymnasien: zwei staatliche (Heisenberg- und Städtisches Gymnasium) sowie das freie (Christliches Gymnasium).
  • Ein weiteres freies Gymnasium in der Nähe gibt es in Weinböhla.
  • Insgesamt gibt es in Sachsen 41 Gymnasien in freier Trägerschaft, an denen knapp 13.500 Schüler lernen.
  • Die Zahl freier Gymnasien in Sachsen ist im Vergleich zur Zahl freier Grundschulen (90) und freier Oberschulen (78) deutlich geringer. (Quelle Zahlen: Freistaat Sachsen, Schulstatistik)

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