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Friseur-Obermeister kritisiert Test-Regelung

Seit Montag dürfen die Friseure im Landkreis Meißen wieder arbeiten - unter Auflagen. Rainer Thielemann zieht ein erstes Fazit - und äußert einen Wunsch.

Rainer Thielemann bei der Arbeit. Der Obermeister der Friseurinnung im Landkreis Meißen ist froh über die Öffnungen - kritisiert aber die Mehrkosten, die mit den Hygieneregeln verbunden sind.
Rainer Thielemann bei der Arbeit. Der Obermeister der Friseurinnung im Landkreis Meißen ist froh über die Öffnungen - kritisiert aber die Mehrkosten, die mit den Hygieneregeln verbunden sind. © Klaus Dieter Bruehl

Riesa. Viel Zeit hat Rainer Thielemann nicht - nach der kurzen Mittagspause kommen bereits die nächsten Kunden. Wie alle seine Kollegen hat der Obermeister der Friseurinnung im Landkreis Meißen gut zu tun, seit die Branche am Montag wieder öffnen durfte. "Die Kunden rufen schon seit 14 Tagen bei uns an", sagt der Riesaer. Der Anrufbeantworter ist geschaltet, für die Terminvereinbarung bleiben bei ihm noch zwei Zeitfenster am Morgen und um die Mittagszeit. Drei bis vier Wochen könne es jetzt dauern, um einen neuen Termin zu bekommen, so Thielemann.

Die Friseursalons reagierten ganz unterschiedlich auf den zu erwartenden Andrang, sagt der Innungschef. Er habe jetzt auch montags geöffnet. "Ich kenne auch Kollegen aus Leipzig, die jetzt bis Mitternacht arbeiten, noch mal zwei Stunden länger als vorher." Das mache aber irgendwann der Körper nicht mit.

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Höhere Kosten durch Hygienebestimmungen

Während sich der Chef der Friseurinnung über die Kunden freuen dürfte, macht ihm der Mehraufwand Sorgen, der mit den Hygienebestimmungen einhergeht. "Vieles davon hatten wir ja schon", räumt Thielemann ein. Wie viele andere auch, lässt er seine Kunden jetzt zu einem Eingang herein und zum anderen heraus, an beiden Türen stehen Desinfektionsmittelspender. Während das Einmalkosten sind, sei der Reinigungsaufwand für Handtücher und Umhänge schon ein anderes Thema. Die wandern direkt nach jedem Kunden in die Waschmaschine. "Dadurch entstehen ein großer Mehraufwand und Kosten."

Ebenso wie für die Corona-Tests, die jetzt wöchentlich gemacht werden müssen. "Das ist eigentlich das, was am meisten nervt", sagt der Innungs-Chef. Er sehe ein, dass Tests sinnvoll sind, sagt Thielemann. Aber die Informationen, wo überhaupt ein solcher Test zu bekommen sei, habe sich die Innung selbst zusammensuchen müssen. Weder das Landratsamt, noch der Freistaat hätten da weiterhelfen können. "Am Ende habe ich selbst bei Ärzten und Apothekern angerufen und einen Rundbrief an unsere Mitglieder geschrieben."

Viele Friseure testen selbst

Auch die Tests kosten einiges , bei sieben Mitarbeitern und Preisen bis 40 Euro gerate man schnell mal in den vierstelligen Bereich. Dazu wäre noch der Aufwand gekommen, den Testort aufzusuchen. "Da habe ich dann die Flucht nach vorn angetreten - und eine Ausbildung beim DRK gemacht." Nun teste er selber. Ein Weg, den viele Kollegen gehen. "Bei dem viereinhalbstündigen Lehrgang waren zwölf Teilnehmer, davon waren wiederum zehn Friseure."

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Ärger gibt es laut Thielemann in der Branche vor allem wegen der Kostenfrage. "Gemacht werden muss das, ich finde das sinnvoll. Aber man kann diese Aufgabe nicht den Betrieben überstülpen und sie dann dafür zur Kasse bitten." Darüber hinaus hätte Thielemann vor allem einen Wunsch an die Politik: eine erneute Mehrwertsteuersenkung. Dass die kommen wird, glaubt er aber selbst nicht so richtig. Bleibt nur, die zusätzlichen Kosten am Ende auf die Preise umzulegen. "Es wird Anpassungen geben", sagt Thielemann. Bei Kosten von 2.000 Euro allein im Frühjahr für Desinfektionsmittel sowie der höheren Wasserrechnung durch die neuen Regeln sei das aber auch kein Wunder.

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