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"Die Tiere vermissen die Besucher"

Seit mehr als einem Monat ist der Tierpark in Riesa geschlossen. Zu tun gibt es trotzdem genug.

Tierparkleiter Michael Tobis bei der Fütterung im Streichelgehege. Gerade die Ziegen und Esel vermissen die Aufmerksamkeit der Besucher und die Abwechslung, sagt Tobis.
Tierparkleiter Michael Tobis bei der Fütterung im Streichelgehege. Gerade die Ziegen und Esel vermissen die Aufmerksamkeit der Besucher und die Abwechslung, sagt Tobis. © Sebastian Schultz

Riesa. Kurz nach halb 12 befüllt Michael Tobis die beiden schwarzen Eimer, die er sich in die Schubkarre gestellt hat. Grob geschnittene Orangen und Gurken in dem einen, gekochte Kartoffeln, Äpfel und Rote Beete in dem anderen. Eigentlich wird immer etwas später gefüttert, sagt der Leiter des Riesaer Tierparks. Heute macht er mal eine Ausnahme. Er hat noch einen anderen Termin.

Es ist Montag, bestes Tierparkwetter, eigentlich. Aber wegen der Corona-Schutzverordnung von Anfang November darf kein einziger Besucher in die Anlage. Das Tor am Eingang neben der Klosterkirche ist abgeschlossen, die Kasse nicht besetzt. "Aber füttern und saubermachen müssen wir trotzdem." Der Tierpark-Chef hat Verständnis für die Schließung. Wären alle anderen Einrichtungen geschlossen gewesen, hätte das womöglich höhere Besucherzahlen bedeutet. "Ich kann mich zwar hinstellen und sagen: Soundsoviele Leute dürfen in die Anlage. Aber am Ende stehen dann doch 15 Mann nebeneinander bei den Affen." Selbst wenn er gedurft hätte, wäre eine Öffnung wieder mit höherem Personalaufwand einhergegangen, um die Einhaltung der Regeln zu überwachen, sagt Michael Tobis.

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Neuzugang: Polarfuchs Lasse kommt aus einem hessischen Zoo - und ist recht zutraulich.
Neuzugang: Polarfuchs Lasse kommt aus einem hessischen Zoo - und ist recht zutraulich. © Sebastian Schultz

Neben dem Streichelgehege hält der Tierpark-Chef kurz inne. Neugierig traben die beiden Esel Richtung Zaun. Während sich die Mitarbeiter mit der Situation arrangieren, sei das bei den Tieren so eine Sache. "Die vermissen die Besucher", sagt er. Der Tierpark-Alltag ist eben doch ein bisschen langweilig, vor allem für die Ziegen und Esel, die sonst eine Extraportion Aufmerksamkeit bekommen. Um das zu kompensieren, haben Tobis und seine Kollegen mit den Tieren schon den einen oder anderen Spaziergang gemacht. "Wir gehen mit denen an der Leine ab und zu eine Runde." Dann ging es etwa an der Elbe entlang Richtung Marinekameradschaft und an der Stadthalle Stern vorbei, um den intelligenten Tieren auch mal etwas Abwechslung zu bieten.

Ehe es Richtung Rehgehege geht, macht Tobis noch einen Abstecher, um nach dem neuesten Tierparkbewohner zu sehen. Polarfuchs Lasse ist aus dem Opel-Zoo Kronenberg (Hessen) nach Riesa gekommen, um Füchsin Lissy Gesellschaft zu leisten. Gibt's also bald Nachwuchs? Der Tierpark-Chef grinst. "Lasse ist noch im Teenager-Alter, er ist noch nicht in der Ranz." Aber allzu lange werde das wohl nicht mehr auf sich warten lassen. Die Hoffnung auf junge Polarfüchse hat er durchaus.

Die Eicheln sind gefragt bei den Mufflons und den Schweinen. Der Tierpark bekommt sie gespendet.
Die Eicheln sind gefragt bei den Mufflons und den Schweinen. Der Tierpark bekommt sie gespendet. © Sebastian Schultz

Am Rehgehege angekommen, kippt Michael Tobis den Inhalt eines Eimers in die Futterkrippe. Anschließend geht's zum Mufflongehege gegenüber. Die Wildschafe mustern den Tierpark-Chef aus sicherer Entfernung. "Die warten schon", sagt der nur. Mit Schwung verteilt er einen Eimer Eicheln über die Felsen. "Die bekommen wir von Anwohnern aus der Nähe gespendet. Wir freuen uns immer über solche Sachen."

Währenddessen schlägt die Glocke der Klosterkirche 12 Uhr. Seit fast sechs Stunden ist Michael Tobis auf den Beinen, aber am Montag steht recht bald der Feierabend an. Weil geschlossen ist, wird auch etwas kürzer gearbeitet. "Wir sind ja nicht an die Öffnungszeiten gebunden." Ein Problem hat der Tierpark-Chef allerdings. "Wir Tierpfleger gehören diesmal nicht zu den systemrelevanten Berufen", sagt er. Damit kann er seinen zehnjährigen Sohn nicht in die Notbetreuung schicken. Im Frühjahr war das schon mal so, da habe er ihn ab und an auch in den Tierpark mitgenommen. Ob seine Berufsgruppe diesmal wieder nachträglich auf die Liste rückt? Angebracht wäre es, findet Tobis. Denn Landwirte stehen beispielsweise mit drauf. Und wie die, müsse er sich ja ebenfalls um die Tiere kümmern.

Etwa zwei Stunden dauert eine Fütter-Tour durch den Tierpark. Am Morgen kommt noch das Saubermachen der Käfige dazu. Dazwischen wird in der Anlage gearbeitet oder im Büro. Das eilt jetzt nicht, da der Tierpark ohnehin zu ist. Ab und zu nehme er sich auch mal Arbeit mit nach Hause, sagt Michael Tobis, der erst seit Juli kommissarisch die Leitung des Tierparks übernommen hatte. Auch in die Büroarbeit habe er sich reingefuchst, sagt Tobis. Für den Job als Tierpfleger müsse man schon eine gewisse Leidenschaft aufbringen. "Man ist Koch, Putzfrau, Dekorateur und Maler in einem. Aber ich mach's gerne!"

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