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Dorfbibliotheken wegen Corona zu

In Glaubitz und Nünchritz sind die Bibliotheken wegen der neuen Schutzverordnung geschlossen. Dabei müssten sie es gar nicht.

In der Stadtbibliothek Riesa können nach wie vor Bücher ausgeliehen werden. Doch manche Dorfbibliothek ist geschlossen.
In der Stadtbibliothek Riesa können nach wie vor Bücher ausgeliehen werden. Doch manche Dorfbibliothek ist geschlossen. © SZ-Archiv: Lutz Weidler

Glaubitz/Nünchritz. Seit über einer Woche gilt die aktuelle Coronaschutzverordnung in Sachsen. Kommunen haben sich darauf eingestellt und versuchen, die Vorgaben richtig zu deuten. So auch in Glaubitz. Hier verkündete Bürgermeister Lutz Thiemig (parteilos) im Gemeinderat unter anderem, dass die Dorfbibliothek, die im Kita-Gebäude untergebracht ist, wegen des Teil-Lockdowns geschlossen bleibt. 

Thiemig zitierte dabei die Verordnung, die lediglich das Verleihen von Medien erlaube. Auf den Einwand eines Gemeinderatsmitgliedes, dass ja auch Bücher in gewisser Weise Medien sind, verwies er auf die Nachbargemeinde Nünchritz. Dort sei die Bibliothek aus dem gleichen Grund geschlossen.

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Das bestätigt der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU). Für die Öffentlichkeit ist die Bibliothek, die sich im Erdgeschoss des Verbindungsbaus zwischen Ober- und Grundschule befindet, vorerst nicht zugänglich. "Die Schüler können aber rein", sagt Barthold. Auch die Bibliothekarin wurde nicht wie im ersten Lockdown im Frühjahr in den Zwangsurlaub geschickt, sondern darf arbeiten. Sie kümmert sich nach wie vor um die Ausleihmöglichkeit. Allerdings nur für Schüler.  

Auch Barthold hat die neue Coronaschutzverordnung so gedeutet, dass nur noch das Ausleihen von Medien zulässig sei. Für ihn sind das vor allem elektronische Datenträger wie CDs. "Für mich sind Bücher Bücher und keine Medien", betont der Nünchritzer Bürgermeister.   

Bibliotheken in Riesa und Großenhain offen

Das sieht man in Riesa und Großenhain ganz anders. Dort sind die Stadtbibliotheken nach wie vor geöffnet - trotz Coronaschutzverordnung oder besser gesagt: wegen ihr. Auch das Ausleihen von Büchern ist hier erlaubt, ja sogar ausdrücklich erwünscht. 

"Unsere Leser sind ganz froh, dass wir in dieser schweren Zeit auch weiterhin geöffnet haben", sagt die Großenhainer Bibliothekarin Anja Hoffmann. "Schließlich ist Lesen ein Stück Kultur, das uns noch geblieben ist." 

In den Bibliotheken sind lediglich Veranstaltungen wie Buchlesungen oder Kindernachmittage untersagt. Das Ausleihen von Medien nicht. Und dazu gehören neben CDs, Hörbüchern und Spielen natürlich auch Bücher. "Das sind im bibliothekarischen Sinne alles Medien", sagt Anja Hoffmann. 

Das bestätigt auch Robert Langer von der Landesfachstelle für Bibliotheken in Chemnitz: "Alles, was man ausleihen kann, sind Medien. Und da gehören auch analoge Bücher dazu."

Einstellung der Kommune entscheidend

Dass Nünchritz und Glaubitz ihre Bibliotheken für die Öffentlichkeit geschlossen haben, bedauert er. "Diese Bibliotheken müssen nicht schließen." Vorausgesetzt, dass die allgemeinen Coronaregeln, wie das Tragen einer Mund-Nasen-Maske, das Einhalten von 1,5 Meter  Abstand und das Erfassen der Kontaktdaten, gewährleistet sind. "Das kann eine kleine Bibliothek genauso gut umsetzen wie eine große Bibliothek", sagt der Experte. Es komme allerdings auf die Einstellung der jeweiligen Kommunen an, in wie weit sie Bibliotheken für wichtig halten. 

Die Bibliothek in Glaubitz spielt eher eine untergeordnete Rolle im Dorfleben. Sie ist  klein. Man erreicht sie über einen separaten Hintereingang in der Kita. Sie hat auch nur einmal in der Woche geöffnet. Immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr. Länger nicht.

Dagegen ist die Nünchritzer Bibliothek deutlich größer und wird von einer ausgebildeten Bibliothekarin betreut. Hier gehen vor allem Schüler ein und aus, um sich Bücher auszuleihen, die sie für Vorträge und Ausarbeitungen benötigen. Doch auch viele Bücherwürmer sind darunter, die in ihrer Freizeit ein Buch nach dem anderen verschlingen.  

Die Leute auf dem Lande sollten sich dafür stark machen, dass ihre Bibliotheken auch während des Teil-Lockdowns geöffnet bleiben, sagt Anja Hoffmann. Momentan sei es  möglich. Und auch Robert Langer bietet an, dass sich die Kommunen an die Landesfachstelle für Bibliotheken in Chemnitz wenden sollen, wenn sie sich unsicher sind, ob das Ausleihen von Büchern noch erlaubt ist oder nicht. Zurzeit lautet die Antwort ganz klar: Ja.

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