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Cavalluna in Riesa: Das Pferd ist der Star

In der Sachsenarena Riesa startet Cavalluna nach der Coronapause die neue Tournee. Ein Blick hinter die Kulissen der Pferdeshow.

Von Stefan Lehmann
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Dajana Pfeifer und ihr Wallach Lenny. Gemeinsam stellen sie in der Show den Ritt der Amazone des Wassers dar.
Dajana Pfeifer und ihr Wallach Lenny. Gemeinsam stellen sie in der Show den Ritt der Amazone des Wassers dar. © Lutz Weidler

Riesa. Die ersten Proben am Vortag liefen gut, heute hat Lenny einen Tag frei. Nur fürs Foto legt Dajana Pfeifer dem Wallach das muschelbesetzte Zaumzeug an. Die 41-Jährige liebkost den Kopf des Pferdes. "Der ist meine kleine Mozartkugel", sagt sie und schmunzelt.

Lenny ist eines von insgesamt 61 Pferden, die am Wochenende bei Cavalluna auftreten werden. Die Tiere sind die Stars der Show, die Reiter im Grunde nur Beiwerk. Insgesamt drei Auftritte sind geplant, zwei am 23. und einer am 24. Oktober. Auf dem Arena-Gelände laufen derzeit die Vorbereitungen. Der Probenplan ist streng durchgetaktet, die Halle schon in den frühen Morgenstunden belegt. Am Dienstagmittag hat Reiterin Dajana Pfeifer aber etwas Zeit für eine Führung hinter die Kulissen der Pferdeshow.

61 Pferde zählt die Show in diesem Jahr. Die Tiere sind in mehreren beheizten Zelten untergebracht.
61 Pferde zählt die Show in diesem Jahr. Die Tiere sind in mehreren beheizten Zelten untergebracht. © Lutz Weidler

Vorbei am Kantinenbereich geht es in die Maske. Schon im Flur stehen die ersten großen Transportkoffer, auf einem Tisch neben dem Schminkspiegel liegen unzählige Perücken. 180 Kostüme werden allein für die Show in Riesa gebraucht. In der Nähe von Berlin gibt es noch einen Fundus mit weiteren Requisiten und Kostümen.

Aus einem der mobilen Kleiderschränke holt Dajana Pfeifer ein blaues Gewand hervor, das überall mit Muscheln verziert ist. "Ich bin die Amazone des Wassers", erklärt sie. Ihr Auftritt sieht den Ritt über ein blaues Tuch vor, das das wogende Meer symbolisiert. Das alles freihändig, ohne Griff zu den Zügeln.

Die Nummer hat sich Pfeifer selbst erdacht - und damit bei Cavalluna vorgestellt. Nach einer Video-Einsendung gab es noch eine Art Casting in Bielefeld. Dann sei sie dabeigewesen, erzählt die Reiterin. Mit Wallach Lenny hatte sie im Vorfeld ein Jahr lang die Nummer einstudiert. Dajana Pfeifer ist mit Pferden aufgewachsen, sie stammt aus einer Artistenfamilie. 13 Pferde haben sie und ihr Mann daheim, in Brandenburg betreiben sie auch eine Reitschule. Ihre Pferde bildet sie selbst aus. Das erfordert harte Arbeit und viel Zeit. "Du musst das Pferd so reiten können, dass du ihn nur mit deiner Stimme und dem Körper lenken und bremsen kannst."

Ihn, das sagt Dajana Pfeifer, weil in der Show so gut wie nur männliche Pferde zum Einsatz kommen. Hengste sind aufgrund ihres Wesens besonders gut geeignet für die Show. Auch Wallach Lenny verhalte sich eher wie ein Hengst, sagt die Reiterin und grinst: "Stuten waren mir immer ein bisschen zu zickig."

Nach der Garderobe geht es Richtung Bühnenbereich. In einem vor den Zuschauern verborgenen Teil der Arena liegt der Bereich, in dem die Artisten ihre Pferde abreiten, also: aufwärmen. Drei Minuten dauert der Auftritt vor Publikum, aber für die Vorbereitung auf dem mit feinem Sand präparierten Boden könne man schon mit ungefähr 20 Minuten rechnen - je nachdem, wie anspruchsvoll die gezeigte Übung ist. "Das schätzt jeder für sich ein." Das Pferd zu entspannen und schick zu machen - Kämmen, Hufe fetten, vielleicht noch eine entspannende Massage - ist da noch nicht inbegriffen. Sollte Lenny doch einmal nicht fit sein, steht direkt in der Nachbarbox des Zelts sein Ersatz - Hengst "Olympus".

Eine der Background-Tänzerinnen beim "Fitting". Auf dem Sandboden hinter der Bühne machen sich normalerweise die Pferde vor dem Auftritt warm.
Eine der Background-Tänzerinnen beim "Fitting". Auf dem Sandboden hinter der Bühne machen sich normalerweise die Pferde vor dem Auftritt warm. © Lutz Weidler

In diesem Bereich hinter der Bühne herrscht am Dienstagmittag der größte Betrieb. Mehrere große Windmaschinen stehen an einer Seite, an der anderen eine Reihe von Steuerpulten für die Technik. Der italienische Pferdeflüsterer Bartolo Messina führt seine sechs Ponys über den Sand in Richtung Arena, direkt daneben läuft die Anprobe für die brasilianischen Background-Tänzerinnen. In diesem Jahr wird es in Riesa ein "Best-of" der bisherigen Shows zu sehen geben. Während sich damit am Programm wenig ändert, kann es durchaus vorkommen, dass die Kostümbildnerinnen an der Kleidung noch etwas anpassen müssen. Entweder, weil sie nach zwei Jahren Pause nicht mehr korrekt sitzt - oder einfach aus funktionalen Gründen; etwa, weil sie beim Reiten stört.

Durch ein Tor gelangen Reiter und Pferde in die Arena. Die ist schon in gedimmtes Showlicht getaucht, geprobt wird direkt mit der zugehörigen Musik. Die hören die Zuschauer lauter als die Pferde - weil die Boxen entsprechend ausgerichtet sind. Über die Lautsprecher gibt Regisseur Klaus Hillebrecht nach Bedarf zusätzliche Anweisungen an die Artisten und Techniker - wenn es gerade nötig ist, auch auf Spanisch. Die Equipen kommen aus den verschiedensten Ländern, von Spanien und Frankreich bis Brasilien. Dajana Pfeifer ist da als deutschsprachige Reiterin fast schon die Exotin in der Produktion.

Bis zum Tour-Auftakt stehen noch eine ganze Reihe Proben für sie und ihre Mitstreiter an - sowohl mit als auch ohne Pferd. "Die Generalprobe ist am Freitag geplant", erzählt Dajana Pfeifer. Dann geht es endlich auch vor Publikum los, nach mehr als einem Jahr Pause. "Ich bin froh darüber. Wir machen das hier ja nicht nur als Hobby - es ist unser Beruf."