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Vom Zirkus an die Softeis-Maschine

Nach einem Schicksalsschlag musste sich René Rumberger neu orientieren. Nun verkauft er Eis und Kräppelchen - am Wochenende erstmals im Riesaer Tierpark.

René Rumberger vor seiner Schmalzbäckerei im Tierpark. Am Wochenende hofft er hier auf viel Kundschaft.
René Rumberger vor seiner Schmalzbäckerei im Tierpark. Am Wochenende hofft er hier auf viel Kundschaft. © Sebastian Schultz

Riesa. Fürs Foto öffnet René Rumberger schon mal die Klappe seines Verkaufswagens. Mit Kreide bemalte Schilder werben dort für Kräppelchen und Vanille-Softeis mit verschiedenen Toppings. "Vanille geht immer", erklärt Rumberger. Wenn man nur eine Maschine hat, dann sei das der beste Weg. "Softeis wie früher" verspricht der Mann aus Seelitz bei Mügeln. Die Ware holt er aus Colditz, dazu gibt es bei Bedarf auch Kaffee oder Eiskaffee.

Den Wagen, der am Wochenende im Riesaer Tierpark geöffnet sein wird, hat René Rumberger nur dank eines Helfers aufbauen können. "Allein würde ich das nicht schaffen", sagt der Mann aus Seelitz bei Torgau. Dank einer Orthese kann René Rumberger in seinem Wagen stehen und die süße Ware verkaufen. Aber auf eine Leiter würde er sich nicht getrauen.

Auch wenn schon sein Vater Bäcker gewesen ist und René Rumberger den Teig nach einem Familienrezept vorbereitet: Ausgesucht hat er sich die Arbeit in der "Schmalzbäckerei" nicht. Es ist nur wenige Jahre her, da trat Rumberger noch mit seinem eigenen privaten Zirkus auf. Es war wohl bei so einem Auftritt, als die Zecke zubiss. Er deutet auf die Wiese neben dem Wagen. "Das Gras war nicht viel höher als hier. Man sagt immer, Zecken sitzen nur in hohem Gras, aber das stimmt nicht."

Das Tier infizierte Rumberger mit Borreliose. "Ich fuhr kurz danach in den Urlaub, fühlte mich völlig schlapp." Heute würde ein Arzt bei einem auffälligen Stich schon deutlich früher Antibiotika verabreichen, glaubt er. Aber damals zögerten die Mediziner offenbar. Als ihm ein Arzt schließlich das Antibiotikum verschreibt, spricht er von einer Fifty-Fifty-Chance, die Infektion noch aufzuhalten. "Ich hab leider die schlechte Hälfte gezogen", sagt Rumberger.

Trotzdem ergibt er sich nicht dem Schicksal. Es sei ein langer Kampf gewesen, ehe die Krankenkasse die Orthesen bewilligt habe. Das Hightech-Gerät stützt seine Beine, ermöglicht ihm das Laufen. "Aber die sind auch enorm anfällig", erzählt Rumberger. Staub und Schmutz könnten die empfindliche Technik stören.

Ursprünglich hatte René Rumberger der Heimat schon den Rücken gekehrt, wollte mit seiner Lebensgefährtin in München bleiben. "Aber dort kostet eine behindertengerechte Wohnung zu viel. Für 60 Quadratmeter zahlt man 1.500 Euro und mehr." Also folgte 2019 die Rückkehr. Zuletzt hatte Rumberger seine Ware auf einem Hof in Seelitz verkauft. Das habe ordentlich funktioniert, bis ein Konkurrent in der Nähe öffnete. Er habe zwar Stammkunden gehabt. "Aber für zwei reicht es eben nicht."

In Riesa wollte René Rumberger schon früher stehen. Aber die Coronalage verhinderte das. Nun hat es doch noch geklappt. "Ich will testen, wie es hier läuft", sagt er. "Am Ende muss aber auch was hängen bleiben." Die Lust auf einen Tierpark-Besuch am Wochenende scheint jedenfalls groß zu sein - und das weit über die Stadtgrenzen hinaus: An einer Kartenverlosung samt süßer Überraschung an René Rumbergers Wagen nahmen mehr als 40 Leser teil - einige davon auch aus Coswig, Großenhain, Lommatzsch und Gröditz.

  • Karten für den Tierpark gibt es für 3 Euro (Erwachsene), Kinder (3-14 Jahre) zahlen die Hälfte. Eine Familienkarte (2 Erwachsene und Kinder) kostet 6 Euro. Für den Besuch ist ein negativer Corona-Test nötig. Das kann laut Tierpark auch ein Selbsttest unter Aufsicht sein.
  • Im Tierpark sind bis zu 160 Besucher gleichzeitig zugelassen. Ein vorheriger Anruf unter 03525 659300 schadet nicht, es sind aber auch Spontanbesuche möglich.

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