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Wenn Riesa zum Kunst-Mekka wird

Aus der ganzen Republik kommen Teilnehmer zur Sommerakademie. Bei Carola Richter laufen die Fäden zusammen.

Carola Richter in Jahnishausen. Auf dem Gut finden gleich mehrere Kurse der Sommerakademie statt.
Carola Richter in Jahnishausen. Auf dem Gut finden gleich mehrere Kurse der Sommerakademie statt. © Sebastian Schultz

Riesa. Im künftigen Atelier duftet es nach Heu. Von den Holzbalken und an einem Wäscheständer hängen Mohn und andere Pflanzen zum Trocknen. Der Dachboden ist noch nicht komplett freigeräumt für die Sommerakademie, sagt Carola Richter, während sie durch das Haus auf dem Gut in Jahnishausen führt. Ende Juli soll hier eine Woche lang der Kurs für Landschaftsmalerei stattfinden - im Rahmen der Sommerakademie.

Seit fast 30 Jahren finden nun schon Kurse für Kunst und Kunsthandwerk statt, vom Schmieden über Fotografie bis zu Aktzeichnung, Musik und Glaskunst. Etwa genauso lange ist Carola Richter schon im Kulturförderverein, der die Veranstaltung im Wohnkulturgut Gostewitz und in der Lebenstraumgemeinschaft Jahnishausen organisiert. Mittlerweile ist sie Vorsitzende - was auch ihrem Organisationstalent geschuldet sein könnte.

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Der "Eulenraum" in Jahnishausen soll Ende Juli zum Atelier für die Landschaftsmaler werden.
Der "Eulenraum" in Jahnishausen soll Ende Juli zum Atelier für die Landschaftsmaler werden. © Sebastian Schultz

Das ist im Vorfeld der Sommerakademie auch nötig. Eigentlich ist die Vereinschefin selbst Kunsthandwerkerin, einen Kurs geben kann sie aber nicht. "Dafür bliebe gar keine Zeit." Stattdessen ist sie vor und während der Akademie die Problemlöserin, stellt die nötigen Anträge zur Finanzierung, nimmt Anrufe entgegen und beantwortet Fragen von Teilnehmern, etwa zu Verpflegung oder Übernachtungsmöglichkeiten.

In ihrem Vereinsbüro in Jahnishausen stapeln sich die Bilder, Graffiti und Holzdrucke aus dem Vorjahr. Nach der letzten Sommerakademie wurden sie noch einmal ausgestellt, nun gehen die Bilder an die Teilnehmer zurück. Die kommen nicht bloß aus dem Elbtal, sondern aus ganz Deutschland, sagt Carola Richter. "Bis aus Hamburg reisen sie her, viele waren auch in den Vorjahren schon da." Eine Woche lang werden die beiden Riesaer Ortsteile sozusagen zum Mekka für Kunstbegeisterte.

Diese Kurse sind noch frei

  • Die Sommerakademie findet in der ersten Ferienwoche vom 26. bis 30. Juli statt. Die meisten der 13 Kurse sind schon belegt, für drei von ihnen gibt es aber noch Restplätze über die Internetseite der Sommerakademie www.sommerakademie-riesa.de.
  • Beim Akt- und Portraitzeichnen widmen sich die Teilnehmer der menschlichen Figur. Es geht sowohl um die zeichnerischen Grundlagen und anatomische Kenntnisse, als auch um freies sowie analytisches Zeichnen mit verschiedenen Materialien. Kursleiter Andreas Garn aus Dresden verspricht außerdem, bei Bewerbungsmappen individuell zu helfen.
  • Im Glaskunst-Seminar können die Teilnehmer unter Anleitung von Henriette Preuß Glasperlen drehen, Anhänger oder abstrakte Formen herstellen. Welche das sind, dürfen sie frei entscheiden. Zum Schutz der Augen sollte jeder Teilnehmer eine Sonnenbrille mitnehmen.
  • Musikalisch wird's beim Kurs Rock und Pop: Gemeinsam mit der Dirk-Michaelis-Band gibt's nicht nur Instrumentalunterricht, sondern auch Seminare im Komponieren und Texten, Improvisation, Harmonielehre und Bühnenpräsentation.
  • Das Ergebnis ihrer Arbeit wollen die Teilnehmer am Ende der Sommerakademie in einer Vernissage präsentieren, bei der die Rock-und-Pop-Gruppe außerdem ein Konzert veranstaltet. Beides findet am 30. Juni, 19 Uhr, auf Gut Gosewitz statt.
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Die meisten Kurse sind längst ausgebucht, nur drei Kursleiter können noch ein paar Mitstreiter gebrauchen. Schlafplätze gibt es schon jetzt keine mehr. Das Alter ist bunt durchmischt. Beim speziellen Angebot für Kinder ist der Jüngste neun Jahre alt, im Erwachsenenbereich reicht das Alter bis 80. Die Teilnehmer des Rock- und Pop-Kurses seien im Schnitt vielleicht noch etwas jünger als in den anderen Bereichen, schätzt die Vereinschefin.

Vor allem die besondere Atmosphäre zieht. "Es sind auch Leute, die sich einmal fallen lassen wollen." Und es gebe immer wieder auch angehende Kunststudenten, die die Akademie besuchen, um hier ihre Bewerbungsmappen zu füllen; oder Lehrer, die die Woche zur Weiterbildung nutzen. Ganz nebenbei lerne man sich in den kleinen Gruppen kennen.

In Carola Richters Büro liegen noch einige Werke der Sommerakademie 2020.
In Carola Richters Büro liegen noch einige Werke der Sommerakademie 2020. © Sebastian Schultz

Dank der niedrigen Corona-Inzidenz können die Kurse nun weitgehend ohne Einschränkung stattfinden - von einer Maskenpflicht in den Fluren abgesehen. "Wir haben Anfang des Jahres einfach so geplant, dass wir zum normalen Termin in der ersten Ferienwoche loslegen können", erklärt Carola Richter. "Anders wäre es auch nicht zu organisieren gewesen." Völlig spurlos ging die Pandemie aber trotzdem nicht an der Sommerakademie vorbei: Der Puppenspiel-Kurs muss in diesem Jahr ausfallen. "Unser Kursleiter hat ein Auftrittsangebot bekommen." Das könne er nach bald einem Jahr ohne Auftritte unmöglich ablehnen, schon aus finanziellen Gründen. Gerade bei den Künstlern und Kreativen ging das Corona-Jahr oft an die Existenz.

Carola Richter kann selbst ein Lied davon singen. Hauptberuflich arbeitet sie als Keramikmalerin. Im Büro stehen einige der roten Tassen, die sie gestaltet hat. Eine Woche Arbeit steckt etwa in einem Gefäß. Selbstständig ist sie aber nicht mehr, erzählt sie. "Ich bin in Elsterwerda angestellt." Auch wegen des Risikos, das die Arbeit als Einzelkämpferin mit sich brachte. Mit der Ware ist die Mittfünfzigerin dann auf Töpfermärkten in Sachsen und auch darüber hinaus unterwegs, zuletzt etwa in Rostock. Momentan allerdings machen ihr wie so manchem Handwerker Lieferschwierigkeiten zu schaffen, sagt Carola Richter. "Die rote Farbe, die ich verwende, liegt auf dem Schiff, ich weiß nicht wo."

Weil sie den reibungslosen Ablauf der Akademie organisiert, hatte Carola Richter in den vergangenen Jahren auch keine Gelegenheit, einmal selbst einen Kurs zu belegen. "Da muss mir vielleicht mal einer der Kursleiter einen Privatkurs geben", sagt sie und lacht. Momentan sei die Dankbarkeit der Teilnehmer schon Motivation genug für das Ehrenamt.

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